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miss delacrox & mister dragmire

END CREDITS VS DESTRUCTION

would you mind if i killed you?
would you mind if i tried to?
understand that i need to?


Er mochte es nicht. Er mochte es überhaupt nicht, zumindest nicht mehr, seinen eigenen Namen ständig aus ihrem Mund zu hören. Gift, das über ihre schnelle Zunge glitt und in seinem Gesicht den Ausdruck an Unsicherheit wiedergab, den er tief in seinem Inneren empfand. Zuvor war es für ihn eine Art … Gleichstellung gewesen. Eine Gleichstellung, den jeweils anderen beim Vornamen zu nennen. Inzwischen allerdings missfiel ihm die Tatsache, dass sie – bewusst – seinen Namen nannte. Und ihn störte das. Ebenso, wie ihn ihre Fragen störten. Die Frage nach seinem Zögern, die Frage nach seiner Feigheit. Er war nicht feige. Er brauchte auch kein Blut zu lecken. Auf diesen Satz hin hatte er die Nase kraus gezogen und just in diesem Moment war ihm aus dem Augenwinkel eine kleine Unregelmäßigkeit aufgefallen. Rot. Frisch. Wer kennt die Bilder nicht aus dem Fernsehen – im Schnellvorlauf ein Sträußchen Wildprimeln, das im Nebel der Morgenröte erblüht. So vermag man perfekt Demians Miene zu bezeichnen. Von einer Sekunde auf die nächste keimte striktes, tief aufrichtiges Entsetzen und da war wieder die leise Furcht vor der Antwort auf die Frage: Was ist, wenn sie tatsächlich … ? Er hätte versuchen können, seine Abscheu hinunterzuschlucken, aber er konnte es nicht. Und so stahlen sich einmal mehr Falten auf seine Stirn, tiefer, bedeutungsschwerer, und der halb neugierige, halb irritierte Blick in seinen Augen wanderte zurück zu den ihren, die so kühl und berechnend waren wie die Minuten zuvor.

Ihm fehlten die Worte. Ihr überaus treffender Jäger-Beute-Vergleich blieb ohne Reaktion, zumindest ohne verbale, denn rein physisch tat sich so Einiges. Wachsamkeit stahl sich in seine Sinne und ein wenig verengte er die hellen Augen, in diesen Momenten zu allem bereit, wenn sie ihn mit … mit diesem provokativen Verhalten wirklich zu einem Gegenschlag zwingen sollte. Und dann stellte sie eine Frage, die ihn kurzfristig stocken ließ. Mit Überraschung registrierte er die Einfachheit, die schlichte Neugierde in ihrer Stimme und für eine Sekunde dachte er darüber nach. „Ich … natürlich nicht. Ich würde niemals über dich urteilen, nur, weil du zögerst und weil du … weil du …“ Womit es wieder vorbei war. Unsicher hatte er gesprochen, leicht verwirrt und in die Enge getrieben wie ein am Flügel verletzter Vogel, der sich in die hinterste Ecke der Höhle presste, um den Fängen der Schlange zu entgehen. Sie erhob die Initiative, was ihn den Kopf heben und den Blick hellhörig in das hübsche Gesicht richten ließ. Und da war wieder diese Wut in den Zügen, kaum verborgen und schlecht versteckt, zumal sie offensichtlich keinen Grund hegte, ihm ihre aufrichtigen Emotionen nicht offen darzulegen wie ein gutes Set Karten.

Die Ehrlichkeit überraschte ihn positiv. In den letzten fünf Minuten hatte sie ihm irgendwo mehr als erhofft von ihrer Seele offenbart und dennoch war er keinen Schritt der Enthüllung ihres augenscheinlichen Geheimnisses näher gerückt. Allein deswegen, weil er sich vor der Antwort fürchtete. Es war sein Eigenverschulden und sie konnte ihn jetzt so intensiv dazu auffordern, wie sie wollte – dies Treffen hier in Hogsmeade war kein günstiger Zeitpunkt dafür. Etwas lag in der Luft. Später würde er es erfahren, was für anonyme Hässlichkeiten sie auf ihrer Seele mit sich herumführte, da war er sich mehr als sicher. Nur nicht heute. So reagierte er auch mit Abneigung, als sie ihm ihren Arm darbot wie ein gewünschtes Objekt der Begierde. Seine Augenbraue hob sich leicht, den Blick zunächst auf ihren Ärmel gerichtet, die eigenen Hände regungslos an der Seite verweilend. Schlussendlich lag seine Aufmerksamkeit wieder in ihrem Gesicht. Ihre Worte durchschnitten die Luft scharf, bis sie zu seinem Gehör drangen, und jede einzelne Silbe klang ebenso schmerzhaft wie es grausam war, diese direkte, explizite Rage zu sehen, die einzig und allein ihm galt. Es war nicht sein Wunsch gewesen, sie in Zorn zu versetzen … oder doch? Demian erinnerte sich nicht mehr. Er erinnerte sich an rein gar nichts mehr, außer an die Tatsache, dass er das Spiel hier gerade verlor.

Seine Fingerknöchel wurden weiß und ein Muskel zuckte in seinem Kiefer, unentschlossen, ob er ihr Geheimnis, das er dort vermutete, einfach entblößen oder sich lieber auf sie stürzen und ihr die Hände um den schlanken, weißen Hals legen sollte – denn welches Recht hatte sie, so wütend zu sein? Überhaupt keines. Wenn einer der Darsteller dieses Theater eine solche Erbitterung zeigen durfte, dann wohl der Betrogene und Verratene. Und wie sonst konnte er sich nennen, wie sonst konnte er seine Rolle in diesem Stück der Hochmütigkeit bezeichnen? Denn letzten Endes hatte sich ein Parasit unter das Volk gemischt, hatte sich direkt in dem Herzen von Demians Sein eingenistet. Ein Mitesser, ein ekelhaftes Insekt aus fernen und doch so vertrauten Landen. Nett anzusehen und nett zu verachten. Seine Nase zog sich kraus, nichts regte sich sonst mehr abgesehen davon, dass sich der stolze Kopf noch ein wenig hob – ein Zeichen der Missbilligung. Wäre die Situation nicht ernst – und das war sie in seinen Augen – würde er ihre Offensive müde belächeln und ihr mit Sarkasmus begegnen. Aber sie ließ ihn seinen Spott vergessen, machte ihn ratlos. Und aggressiv zugleich.

Umso erleichterter schien er zu sein, als sie es einsah, dass er … dass er … dass er was? Zu feige war, sich der Wahrheit zu stellen? Was es auch war, das ihr dieses Gespräch wie eine Last vorkam – ihm kam es durchaus gelegen. Er würde später darüber beruhigt seufzen und sich einreden, wie gleichgültig es ihm doch sei, dass sie ihn nun für einen Feigling hielt. Aber das würde nicht der Fall sein. Denn irgendwann – morgen, nächste Woche, in einem Jahr – ja, irgendwann würde er Gewissheit haben, ob er sich nun danach sehnte oder nicht. Doch er fuhr unmerklich zusammen, kaum dass sie ihm ihre Hand hinhielt. Was war? Hielt sie es nun für angebracht, die Begrüßung zu beenden? Offensichtlich. Diese wilde Entschlossenheit in den eiskalten Augen erwiderte er mit einer unterkühlten Taxierung, einer für ihn beinahe wieder klassischen Einschätzung und er hoffte so sehr, dass er langsam er selbst wurde. Wieso hatte sie ihn so aus dem Konzept gebracht? Die Antwort darauf würde er später finden, nicht jetzt, denn gerade wollte er nur eines – seinem Wunsch nach einer formvollendeten Begrüßung nachkommen, die der Etikette entsprach.

Er berührte ihre Hand mit der eigenen, legte die Finger fest um die zarte, blasse Haut und ließ einen entschlossenen Druck in seinen Griff miteinfließen. Sein Blick war hart, fast streng. Für eine Erwiderung blieb ihm keine Zeit, nur ein leises Nicken konnte man sehen von seiner Seite aus, und dann war die kleine Sekunde der Gleichstellung, der stumme Versicherung eines baldigen Wiedersehens, bereits vorbei. Die Warnung des Wahnsinnigen nahm Demian Dragmire nur halbherzig wahr. Was er wahrnahm, das war die Schönheit, die ihm gerade entglitt und die ihm mehr von sich selbst offenbart hatte als er gerade verarbeiten konnte. Seine Hände verschwanden zurück in die Taschen seines Mantels und sicherlich stand er noch eine lange, gute Minute dort, bis dass er sich dazu entschloss, zu der Gruppe der Hogwarts-Schüler zurückzukehren. Diese Nacht würde er interessante Dinge zum Sinnieren besitzen, soviel war sicher.

Denn es gab genug zu überlegen, wie er die nächste, zweisame Farce für sich entscheiden konnte.
19.1.10 23:05