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BIS AN DAS ENDE DER ZEIT - TEIL IV

"Ihr Kuss entzieht Dir alle Macht.
Schwarz wie der Tod
Süß wie die Nacht"


Eigentlich hatte sie es gewusst. Sie hatte es geahnt. Ihr Gefühl hatte es ihr bereits in dem Moment verraten, als sich die Krallen des beeindruckenden Greifvogels um ihr zartes Handgelenk schlossen und sie in das Zwielicht drängten. War es Intuition oder war es schlicht und einfach, dass sie es gewusst hatte. Sie bildete sich nichts ein. Sie sprach dem jungen Mann nicht mehr Mut zu, als sie von ihm erwartete. Welcher Zauberer würde nicht zurückschrecken, würde es sich nicht zwei Mal überlegen? Würde den leichteren Weg gehen, denn es war doch um einiges leichter unwissend zu sein. Die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Sich wegzudrehen. Selbst wenn die Tatsache so rot vor dem Gesichtsfeld kriecht und sich wie Säure heiß ins Fleisch brennt. Doch man ignoriert es gekonnt. Denn es passt nicht in diese Welt. Es würde das Weltbild durcheinander bringen, was man sich aufgebaut hatte. An welches man aus tiefstem Herzen geglaubt hatte. Ein neuer Plan müsste her. Wähle den einfachen Weg. Die Kontrolle zu verlieren, das durften wir nicht, doch der Greifvogel war dabei die Kontrolle über sich zu verlieren. Im Sturzflug gen Erde. Was für ein Anblick. Ein Anblick, der es den Muskeln der Slytherin erlaubte sich zu entspannen. Wie es schien, änderte der Wind seine Richtung. Sorge, Beklemmung und Furch schimmerten hauchzart in den hellen und klaren Augen des Ravenclaws wenn auch nur für einen Augenblick. So vergänglich. So nah und doch in weiter Ferne erschien ihr dieser Junge, der doch so gerne wissen würde. Seinen Wissensdurst würde das blonde Gift vielleicht löschen können, wenn er geschickt vorgehen würde, doch auch hier hatte sie das Gefühl, dass er sie enttäuschen würde. Doch sie sah noch Stärke in ihm, und ihr Gefühl könnte sie in die Irre führen. Noch glaubte sie an den fremden Jungen.

Die Delacrox musste sich eingestehen, dass in ihrem Inneren ein Orkan getobt hatte. Für einen Moment regierten Zorn und Wahn in ihrem Kopf und ihr Geist war ihr Untertan. Doch mit jedem weiteren Atemzug ebbte auch der Sturm ab. Aber nicht nur dir Schlange hatte mit den inneren Unruhen ihrer selbst zu kämpfen. Das Gesicht Demians blieb zwar starr und regungslos, wie das eines Porträts, doch seine Muskeln hatten sich wie die ihren angespannt. Ging sein sonst ruhiger Atem nicht auch ein oder zwei Atemzüge rascher? Doch letztendlich war das nicht wichtig. Denn diese Zeichen waren Beweiß genug, dass ihre Worte Wirkung gezeigt haben und zeigten, denn sie lösten in dem Jungen ungeahnten Zorn aus, den er mit seinen wispernden Worten blühenden Ausdruck verlieh; und dieses Verhalten, dass er im Moment an den Tag legte zeigte der Französin auch, dass sie eine gewisse Macht hatte und ausüben konnte. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, denn sie unterschätze den Jungen ihr Gegenüber nicht, gewiss nicht, schließlich war die Delacrox nicht dumm, ganz im Gegenteil.
Doch wie sehr es die junge Hexe des Schlangenhauses genoss, die Zügel für einen nicht lang andauernden Augenblick in den Händen zu halten, konnte man nur erahnen. “Demian, wie kann es sein, dass Du noch zögerst?”. Die Stimme, so klar und stark wie ein Fluss. Vielleicht würden die Fluten den Zauberer mit sich reisen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wieder schwang dieser Hauch von Provokation in ihrer Stimme mit und zufälligerweise legte die Delacrox außerordentlich Wert darauf ihrem letzen Wort eine ganz besondere Betonung zu schenken. Die Slytherin wusste genau, wie sie mit ihrer Stimme umgehen musste. Sie wusste um die Macht die Worte hatten und sie wusste, wie sie diese Macht zu ihrem Nutzen auskosten konnte. In dieser Hinsicht war sie sich selbst die Nächste, wie so oft. Und wie könnte man diese vor Provokation und Herausforderung nur so triefenden Worte besser betonen, als mit einem theatralisch gespielten, enttäuschten und betont langsamen Schütteln des Kopfes, wobei das goldene Haar spielerisch in das schattenhafte Gesicht der Französin zurück fiel, da ihm das Ohr einfach keinen Halt gewährte. Reglos hingen beide Arme neben dem schlanken Körper der sich gerade an die Hauswand lehnte und nach einer Stütze suchte. Ein weiteres Mal folgte der Blick ihrer emotionslosen Augen dem Blick des Zauberers, der seinen Blick auf einen ihrer Arme geheftet hatte.

Die dunklen Schwingen des Tages brachen über den zwei Wesen herein, als sie nach nur wenigen Augenblicken, die wahrscheinlich einer Ewigkeit glichen, voneinander ab ließen und beide überschwemmte in diesem Moment eine unausgesprochene Erleichterung, die man lediglich an dem erlösten Aufatmen und dem Entspannen der Nerven erkennen konnte. Mir einer der nun freien Hände fuhr sich die Delacrox über den Arm und das Handgelenk, nicht weil Demian ihr Schmerzen zugefügt hatte, im Gegenteil. Aber seine Berührung brannte noch weiterhin heiß auf ihrer Haut und das Gefühl was die Berührung hinterließ war ihr unangenehm, denn es verursachte weiter hin das Gefühl, das sie fühlte, während sie von dem Greifvogel in die Enge getrieben wurde. Sie fühlte seine Präsenz und dein heißen Atem auf ihrer Haut, als würde er weiterhin nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt stehen, und diese Präsenz, die sie von Innen her ausfüllte. Wie ein Zahir. Doch gegen diesen Gedanken sträubte sich die Slytherin gedanklich sehr, denn sie dürfte nicht zulassen, dass Demian Dragmire zu ihrem Zahir werden würde, nicht jetzt. Nicht nach dem, was war. Um der unsichtbaren Präsenz zu entfliehen machte das Mädchen ein oder zwei Schritte zurück, ehe sie sich an der Wand wieder fand. Doch dem Gefühl konnte sie dadurch nicht entgehen.
Wie gesagt, es hatte sie nicht gewundert, dass er letztendlich doch zurück gewichen war und das sein Wille mit der Zeit schwach wurde. Weena machte das Fehlen an Erstaunen und Verwunderung deutlich, in dem sie ein langsames wissendes Nicken andeutete und auch ohne Worte machte sie deutlich, dass sie es bereits gewusst hatte. Schweigend verschränkte sie ihre Arme wieder vor der Brust und atmete tief ein und aus, wobei das Ausatmen einen gedehnten Seufzen glich.

Es war eher Zufall, dass Weena den sanft heißen Rinnsal ihres eigenen Blutes entdeckte, der unter dem Ärmel ihres Mantels hervortrat, sich geschmeidig um ihr Handgelenk schmiegte und es umschmeichelte und dann in ungeraden Linien die Züge ihres Daumens nachzog. Es war nur ein einziger Tropfen. Der jungen Hexe war nicht bewusst, ob dieser Tropfen von dem Ravenclaw bereits entdeckt wurde oder ob es für sein Auge immer noch verborgen war, da er sich so sehr auf das Mal der Todesser konzentrierte, das Mal, dass die treusten Anhänger und Diener von Lord Voldermort trugen. Eingebrannt in ihre Haut auf dem Unterarm, bereit zu brennen wie Feuer, wenn der Dunkle Lord nach ihrer Anwesenheit verlangte. “Du hast immer noch kein Blut geleckt. Doch kannst Du das Verlangen was in deinen Augen brennt nicht verbergen. Ich sehe es und ich spüre es. Warum stillst Du nicht Deinen Durst, Demian?” Wie gesagt, Weena wusste, was sie zu sagen hatte und wie, dabei legte sie Wert darauf den Hogwartsschüler jedes Mal aufs Neue direkt beim Namen anzusprechen um ihn jedes Mal aufs Neue mit ihrem Netz einzufangen und ihn Teil der Situation werden lassen. Auch wusste sie um die Macht von Gesten und so zogen sich beide Mundwinkel zu einem süffisanten Lächeln zusammen, das sogar Judas in der Hölle Konkurrenz gemacht hätte. Sie machte es ihm nicht leicht. Eigentlich machte es die Französin nie jemanden leicht, nicht einmal sich selber. Sie log sich an, doch irgendwann war es letztendlich auch genug.

Seine wispernde Stimme war kaum lauter wie das Flüstern eines Unheil voraussagenden Windes. Eines Windes, der die Ruhe vor dem Sturm ankündigte. War das tatsächlich die Ruhe vor dem Sturm? Musste sich die Mademoiselle noch auf etwas gefasst machen, oder hatte Demian all seine Kraft und all seine Entschlossenheit und Mut auf einmal verloren und verbraucht? Wie Kraftvoll oder Kraftlos war er nun wirklich? Seine vor wenigen Augenblicken ausgesprochenen Drohungen, seine dunkle Seite betreffend, erzielten nicht die vielleicht gewünschte Wirkung. Er hatte ihr gerade in diesem Moment bewiesen, dass sie nicht viel Wert auf seine Worte, Drohungen und Herausforderungen. Mit dem Freigeben ihrer beiden Hände hatte er ihr jede Angst genommen, doch den gewissen Grad an Respekt, den sie ihm gegenüber hatte, hatte sie dennoch noch nicht verloren. “Erkläre mir Demian. Wie kann ich dich als etwas anderes, als einen Feigling bezeichnen? Du schreckst vor etwas zurück von dem Du nicht einmal weißt, ob es tatsächlich existiert. Du lässt Dich von der Angst der Masse leiten, was jemand anderes sagt. Lässt Dich blenden. Fest entschlossen warst Du dieses Geheimnis zu lüften und Dich von dem zu überzeugen, was Du eigentlich schon weißt. Oder glaubst zu wissen. Du warst fest entschlossen es zu tun. Solche Entschlossenheit habe ich noch nie gesehen. Und dann schreckst du zurück. Zuckst. Gehst in Deckung. Wie ein Kaninchen vor der Schlange windest Du Dich in Angst.”
Weena war weiterhin an die dunkle Wand gelehnt, als sie diese Worte aussprach. Ihre Arme waren ein weiteres Mal vor der Brust verschränkt, doch ihr Blick war auf den Boden gerichtet. Während sie sprach hatte sie den Strauß Vergissmeinnicht, den einzigen Blumen in der Gasse, ihre Aufmerksamkeit geschenkt, unfähig dem Ravenclaw in die Augen zu blicken. Doch letztendlich blickte auch sie auf. In ihrem unterkühlten Blick lag eine Frage, und diesmal fand die Delacrox auch die Stimme diese Frage mit ihren Worten zu beflügeln. “Würdest Du mich nicht ebenso als einen Feigling bezeichnen, würde ich auf die Art und Weiße agieren wie Du es tust?” In ihrer Stimme lag kein Vorwurf. Keine Feindseeligkeit. Keine Provokation. Es war eine schlicht und einfach gestellte Frage, die nach einer ehrlichen Antwort verlangte.

Dann setze sich die junge Frau in Bewegung. Wie eine Schlange. Graziös. Langsam. Anmutig. Schritt für Schritt weiter auf Demian zu, seine Nähe aufsuchend und wieder dem Tanz gleichend, den er scheinbar so sehr verabscheute. Seinen letzen Monolog hatte sie gerade noch gehört und ihre Gesichtszüge verdunkelten sich ein weiteres Mal, als sie seine letzen Worten lauschte, die vielleicht gar nicht für sie bestimmt waren, doch das tat jetzt nicht zur Sache, denn sie hatte sie gehört. „Warum ist deine Position in diesem Spiel so unklar? Du entfernst dich von den anderen und man zerreißt sich das Maul über dich – könntest du es mir leichter machen, dich als Widersacherin anzusehen?“. Der Atem der Slytherin ging schwer und sie in ihrer Bewegung inne. Den Blick wieder gedankenvoll zu Boden gesenkt, auf die dunklen und dreckigen Pflastersteine. “Ich sehe, meine Worte haben schwer gewogen. Doch erwarte keine Entschuldigung.” Bedrohlich ruhig war die Stimme. Jedes einzelne Wort formte die Blonde intensiv mit ihren Lippen nach und spie es aus ihrer Kehle, wie Gift einer Schlange. Den Wutentbrannten Blick richtete sie unerwartet schlagartig direkt in das Gesicht des Jungen, der ihr wieder gegenüber stand. “Du willst mich als Widersacherin ansehen? Ich werde es Dir einfach machen”
Ihre Stimme klang blechern, leicht metallisch und unruhig. Ein leichtes Zittern schwang in ihrer Stimme mit und sie streckte Demian ihren linken Arm ruckartig entgegen, mit der Handflächen nach unten. “Siehe nach! Überzeuge Dich und ich schwöre Dir ich werde zu Deiner Widersacherin auf Leben und Tod!”
Das einzige was er vorfinden würde waren die Blessuren, die ein Raubtier ihr zugefügt hatte und das andere hatte sie geöffnet. Doch das konnte er nicht wissen, und würde er ihr ausweichen, dann würde sie ihm selber von ihrer Bösartigkeit überzeugen und ihre Unterarme vor ihm entblößen.

Doch eigentlich war die junge Frau das Spielchen mittlerweile leid. Demian führte sie an der Nase herum und machte sie zum Narren. Eiskalt war der Blick der Blonden, als sie ihre Arme zurückzog und sie vor ihrem Brustkorb verschränkte. Weena musterte ihn gespannt und ein Schweigen schlich sich unter die beiden Zauberer wie ein hungriges Tier. Die Delacrox machte einen Schritt auf den Jungen zu und streckte ihm ihre Hand hin. Ihr Blick war fest auf seine Augen gerichtet und zeugte von einer wilden Entschlossenheit. "Weena Delacrox. Hat mich gefreut deine Bekanntschaft zu machen, Demian". Wieder legte Weena besonders viel Wert darauf seinen Namen mit ihrer klaren Stimme besonders hervorzuheben. Ehe er was erwidern konnte, wandte sich die Slytherin um und machte sich auf den Weg zurück zum Schloss, dem Irren, der wild umher schrie folgte sie lediglich mit ihren Blick und als er vorbei gerannt war blieb sie stehen und schenkte Demian einen viel sagenden Blick. Der Anflug eines boshaften Lächelns umspielte wieder die Lippen der Französin, doch schon mit dem nächsten Windhauch versteinerten sich ihre Gesichtszüge und die Maske ward wieder aufgesetzt. Zufrieden setzte sie ihren Weg fort und die angefangene Begrüßung war nun formvollendet.

"there is a place in my arms - where you can stay
it takes your fear
it eats your pain"


e n d e
19.1.10 23:04