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BIS AN DAS ENDE DER ZEIT - TEIL III

"Ich weiß, wer ich bin
Ich weiß, wer ich war
Aber ich weiß nicht, was über mich kam
Und nicht mehr, was damals mit mir geschah...


Weena Delacrox. Die Ahnungsvolle. Die scheinbar Warnende und nutzlos Warnende. Ist sie wahrhaftig immer ganz unschuldig an dem Unheil, dass sie mit hell klingender Stimme voraussagt? Ist sie tatsächlich die Schuldige? Die Angeklagte, der ein Unheil bringender Renommee nachgesagt wird? Wer entwirft dieses Bildnis der blonden Schlange, deren Augen wie klarere Saphire und Sternenstaub funkeln, deren Lächeln so sonderbar auf den Lippen entsteht, das in dem puppenhaften Gesicht mit den boshaften Zügen als nicht angebracht erscheint. Es ist lediglich eine fixe Meinung. Eine fest Ideologie, die in den Köpfen der Hexen und Zauberer fest verankert ist. Sie lastete bereits auf ihren Erzeugern und Erziehern wie ein altes Orakel. Jetzt sollte sie weiter gegeben werden, egal wie, aber sie musste alle auf dieser Welt lebenden Wesen erreichen.
In diesen Wesen zeigte sich ein Widerspruch, der in ihren Körpern tobte; nämlich trotz der Weltanschauung und der engstirnigen Lebenseinstellung, die einem mehr oder weniger auferlegt wurde, sich dem Einfluss zu entziehen, da man nicht so sein wollte, wie jemand anderes einen einschätzte. Man wird das Gegenteil, allerdings nur mit Hilfe des Anderen. Somit stellte sich die Mademoiselle irgendwann im Laufe der vergangenen Augenblicke die vielleicht alles entscheidende Frage, wie der Andere, ihr Gegenüber, Demian Dragmire, sie nun einschätze. Gefährlich? Fürchtete er sich vor ihr? Sah er sie als ebenbürtig an? War er sich der Skrupellosigkeit bewusst oder hatte er lediglich Respekt vor der Ungewissheit, die sie wie ein feinmaschiges Netz umgab. Oder hegte er gar Hoffnung? Hoffnung auf eine lichte Seite. Hoffnung, sie zu entdecken oder sie ihr zu entlocken? Wieder musste sich Mademoiselle Delacrox mit keiner Antwort zufrieden geben und einfach auf ihre Gedanken und ihren Instinkt vertrauen. Die Schlange hatte keine Angst vor der Greifvogel. Sie kannte seine Fähigkeiten. Wusste, dass er ein aufmerksamer und äußerst guter Schüler war und das, was er in der Theorie gelernt hatte, konnte er sicherlich auch in der Praxis umsetzen. Sie konnte ihn bis zu einem gewissen Grad einschätzen, das nahm ihr die Furcht, die sie bis zu einem gewissen Grad umgab.

Es schien fast so, als würde sich Demian auf eine gewisse Art und Weise unwohl in seiner Haut fühlte. Es machte auch den Anschein, als wolle er sich wieder von ihr abwenden, weil er keine für ihn zufrieden stellende Antwort bekommen hatte? Weil sie ihn durchdringlich und weiterhin ununterbrochen beobachtete? Weil es in ihrer Erinnerung scheinbar kein Platz für den gut aussehenden und talentierten Ravenclaw gab? Weena gab ihm viele Gründe , warum er sich einfach von ihr hätte abwenden können um seinen Weg fortzusetzen, doch etwas hielt ihn davon ab und was das war, würden beide früher oder später noch herausfinden. Er legte eine berechende und wachsame Miene an den Tag. Stille Wasser sind tief, nicht wahr? Davon würde sich die Mademoiselle bald selber überzeugen können. Dieser junge Mann lies sich genauso wenig in die Irre führen wie sie. Sollte das nun ewig so weiter gehen? Denn - und dessen konnte man sich sicher sein - würden die Beiden dieses - im Grunde nicht vorhandene - Mienenspiel fortsetzen, so würde es sich bis in die Endlosigkeit hinziehen. Beide machten keine Miene zum bösen Spiel. Ein kleines Bündel an violetten Blumen fiel Weena auf. Die Blumen wuchsen an der Ecke des alten Hauses, dessen Gemäuer den Laden Derwisch & Banges formten. Ungewöhnlich war der Anflug des Lächelns, indem sich ihre Mundwinkel zusammen zogen als sie erkannte, dass es sich um Vergissmeinnicht handelte. Welch Ironie.

Natürlich war es die Absicht der Slytherin gewesen Demian mit ihren Worten zu provozieren, wie hätte es auch anders sein können. Wie ein Kind musste sie ihre Grenzen austesten. Sehen wie weit sie gehen konnte, was sie sagen durfte, bis er endlich die Fassung verlieren würde . Sie war sich sicher, dass dieses Unterfangen sie einiges an Zeit kosten würde, aber sie war sich ebenso sicher, dass es sich lohnen würde, denn das Ergebnis würde sie gewiss mehr als zufrieden stellen. Er wendete sein schönes Antlitz von ihr ab, doch Weena vermochte nicht diese Geste zu deuten. Stattdessen blieb sie weiterhin die stille, hoch gewachsene und graziöse Beobachterin, die makellos wie eine Statue aus den Gärten von Versailles wirken konnte, wenn sie es nur wollte. Doch in diesen Moment, wo sie sich unbeobachtet fühlte, da Damien doch seinen durchdringenden Blick von ihr abgewandt hatte, wollte sie es nicht mehr. Das 17 jährige Mädchen sollte Überhand gewinnen, die heranwachsende junge Frau sollte zum Vorschein kommen. Doch in dieser Hinsicht glich ihr Inneres einer Achterbahn. Es ging hoch und runter und ebenso unentschlossen präsentierte sich auch die Delacrox, die sich innerlich für diesen Mangel an Konzentration und Selbstbeherrschung ohrfeigte, denn die ganze Situation brachte sie in gewisser Hinsicht aus der Fassung, und das durfte sie nicht zulassen, denn das würde Schwäche bedeuten und sie war n i c h t schwach. Reflexartig hob sie ihre rechte Hand und fuhr sich durch das lange Haar, dass in der Sonne Englands goldbraun schimmerte. Sie musste etwas mit sich anfangen, um ihr Innerstes zu beruhigen. Trotz aller innerer Unruhe entging eines dem aufmerksamen Blick der kristallblauen Augen nicht, nämlich die abwechselnde, flüchtige Musterung ihrer Unterarme. Instinktiv hob Weena ihre Hände und verschränkte sie demonstrativ vor ihrem Brustkorb, der sich in gleichmäßigen Takten auf und ab hob, um jedes Mal aufs neue, frische, kalte und beißende Luft in die Lungen des Schlangenkindes zu pressen. Wieder lag Neugierde in ihrem Blick und das Schieflegen des Kopfes betonte alles noch einmal. Die Lippen formten sich ein weiteres Mal zu einer stummen Frage. Der Frage nah dem Grund seines Daseins. Seiner Blicke. Seiner Geduld zu ihr. Die Frage nach seinem Verlangen. Doch Hoffnungen machte sich die junge Frau aus dem wunderschönen Frankreich nicht. Eine Antwort auf die stumm gestellte, aber deutlich erkennbare Frage erwartete sie nicht, jedenfalls nicht in diesem Moment. Alles hat seine Zeit. Zerreisen hat seine Zeit. Zunähen hat seine Zeit

Nun war es an der einzigartigen Mademoiselle, die im Herzen der schönen Stadt Paris aufgewachsen war, zu gehen. Sie reckte ihr schmales Kinn, richtete ihre Schultern, denn sie legte stets Wert auf ihren Gang und auf ihre Ausstrahlung, dabei war es ihr allerdings nicht wichtig, ob sie einen positiven oder negativen Eindruck bei ihren Mitmenschen hinterließ. Es gab viel mehr andere wichtige Dinge im Leben, über die man sich Gedanken machen sollte, als den perfekten Eindruck, den man hinterließ oder ob man Beliebt war oder nicht. Später würde dem schönsten Mädchen der Schule ihre Schönheit nichts nützen. Memento Mori - Gedenke, dass Du sterblich bist. Alles war Vergänglich. Leben. Schönheit. Freundschaft. Alles und Jeder. Pläne Ziele. Gerade noch wollte die Blonde, dass sich die Wege der beiden wieder trennen und sich vielleicht nie wieder kreuzen, jedenfalls nicht bewusst. Die Hand wollte gehoben werden, damit die vorhin begonnene Begrüßung beendet und zu einem formvollendeten Abschied übergeleitet werden konnte. Doch wie gesagt, auch Pläne sind vergänglich und können durchkreuzt werden. Unberechenbar. Demian, das stille Wasser, packte die Slytherin am Arm, genauer gesagt unterhalb ihres Ellenbogens. Zischend - wie bei einer Schlange - drang Luft in die Kehle der Französin in deren Gesicht die pure Überraschung geschrieben stand. Der Ravenclaw drängt sie um die Ecke des Ladens - dessen Schaufenster sie gerade eben noch begutachtet hatten - in eine Gasse, aber nicht tief hinein, denn kurz darauf blieb er wieder stehen. Hielt inne.

In der besagten Gasse war das Licht trüb, es schien wie durch ein schmutzverschmiertes Glas. Sie erschien Grau in Grau, als würde das Zwielicht alle Farben fressen. Nur noch das kräftige Violet der Vergissmeinnicht war zu erkennen. Der Ravenclaw lockerte seinen Griff nicht, er dachte wahrscheinlich nicht einmal daran den Griff um ihren Unterarm und später auch um ihr zartes Handgelenk zu lockern. Etwa aus Angst sie könne ihm einen Fluch an den Hals jagen? Ihn angreifen? Der Blick seiner klaren Augen war geradewegs auf die Augen der jungen Frau gerichtet. Fest entschlossen, dass zu erreichen was er sich in diesem Moment als Ziel gesetzt hatte. Fest entschlossen, seinen Willen durchzusetzen. Koste es was es wolle? Nein. So übermütig war Monsieur Dragmire wahrscheinlich nun auch wieder nicht. Seinen Worten schenkte sie Gehör. Wie hätte sie sich nach dieser Aktion auch für ihn verschließen sollen, es war gar nicht in ihrem Interesse ihn jetzt zu ignorieren oder ihm nicht ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Doch ihr Gegenüber richtete seinen Blick auf ihren Arm, so durchdringlich, als könne er durch den Stoff ihrer Jacke blicken. Zuvor hatte Weena kaum merklich gezuckt, als er mit starken Griff ihren Arm umfasste. Der Arm, der auch schon vor wenigen Stunden von den Krallen ihres Falken zerschnitten wurde. Würde er weiterhin diesen - nicht intensiven, aber ausreichend festen - Druck auf diese Stelle ausüben, dann wäre das einzige was Demian zu sehen bzw. zu spüren bekommen würde, das reine und heiße Blut der Delacrox, wie es durch den dünnen Stoff der Jacke sickern und seine Finger rot färben würde.

Welcher Arm es sei. Weena? Er sprach sie direkt an. Wispernd, als hätte er Angst hier mit ihr entdeckt zu werden, wenn er seine klare Stimme nur etwas zu laut heben würde. Die Angesprochene musste sich ein Lachen wahrlich verkneifen, doch konnte sie ein ungläubiges und vielleicht sogar ein etwas abwertendes und sicherlich enttäuschtes schütteln ihres Hauptes einfach nicht verhindern. Was erwartete Demian, dass sie das schwarze Mal an ihrem Unterarm trug? Das Zeichen des Dunklen Lords. Meinte er, er, dessen Name nicht genannt werden darf, habe nichtsbesseres zu tun, als eine nutzlose Schülerin aufzunehmen? “Ich muss sagen, Demian. Ich habe Dich anders in Erinnerung. Aber nur zu. Zeige mir Deine dunkle Seite. Sie wird es vielleicht sein, was ich an Dir mag”. Auch Weena sprach den reizenden Jungen nun direkt an, in dem sie ohne umschweif seinen Namen nannte und dazu noch preisgab, dass seine Person doch einen Platz in ihrer Erinnerung gefunden hatte. Nicht, wie sie zuvor behauptet hatte; und natürlich konnte sie es nicht lasse, ihn trotz ihrer prekären Lage weiter hin zu provozieren, um ihre Grenzen auszutesten. Weena machte keine Anstalten sich zu wehren, jedenfalls nicht in diesem Moment, denn von Demian ging keine allzu große Gefahr aus und sollte sich diese Tatsache ändern, so wüsste sie, wie sie sich zur Wehr setzen müsste. Im Moment fühlte sie sich lediglich etwas bedrängt und in die Enge getrieben, was ihr Unbehagen verursachte, aber dennoch lies sie ihn gewähren und hetze ihm keinen Fluch auf den Hals.

Ihr Körper war bereits seit jenen Augenblick angespannt, als sie seine Hand an ihren Arm gespürt hatte, doch mit jeden einzelnen seine Worten schaffte es der Ravenclaw zum wiederholten Male sie aus der Fassung zu bringen. Jeder einzelne Muskel in diesem schmalen und hochgewachsenen Körper spannte sich nun noch mehr an. Wie konnte er es wagen, so zu sprechen. Über sie und ihre Würde und den Wert ihrer Person. Es in Frage zu Stellen? Welches Recht nahm er sich heraus, auf so eine unverschämte Art und Weise zu agieren? Wut entbrannt loderten ihre Augen in den kühlsten blautönen auf und sie musste ihren Gefühlen keine Worte verleihen, um ihm zu zeigen was sie dachte, denn sie verbarg es nicht vor ihm. Intuitiv winkelte die Slytherin Schülerin ihren Arm an, den Demian weiterhin festhielt, wodurch sie ihn - mehr oder weniger gewollt - näher zu ihrer eigenen schlanken Gestalt zog, als sich von ihm und seinen Griff zu befreien. Ihre Augen, die grundlosen Seen glichen, hefteten sich in des Jungen Gesicht und dessen gläsernen, Verstand raubenden Blick. Weena selbst konnte ihren Puls deutlich spüren, und Damien wahrscheinlich auch, weswegen sie ihr Mienenspiel aufgab, denn ihren Gemütszustand konnte er nun leicht erspüren.

Seine Finger auf ihrer Haut, unter ihrem Mantel, bereiteten ihr Schauder und trotz der Gasse, in der sie nun vom Wind geschützt waren, fröstelte sie. “Tue es Demian. Sieh nach und überzeuge Dich selber von meiner scheinbaren Bösartigkeit und Grausamkeit, da ich, wie Du denkst, dieses Mal in meine Haut habe einbrennen lassen. Zeige wieder den Mut und die Entschlossenheit, die dir gerade ins Gesicht geschrieben standen, als Du mich hierher drängtest, oder hast Du Angst vor dem was kommen könnte?” Sie legte beinahe Wert darauf eindringlich und hypnotisierend zu sprechen. Sollte er doch tun, was er nicht lassen konnte. Die Mademoiselle, würde ihn davon nicht abhalten. Den zu verbergen, hatte sie nichts. “Du sagtest selber, ich könne dir nichts vormachen. Und nun stehst du hier gemeinsam mit mir und allen Anschein nach bist du ebenso naiv wie es Dumbledore ist. Aber glaube mir, verübeln, kann ich es dir nicht”
Mit keinem einzigen Wort bestätigte sie seine Vermutung, gleichzeitig leugnete Weena diese Tatsache aber auch nicht. Sie trug das dunkle Mal nicht, dafür war sie zu jung. Außerdem, was sollte Lord Voldemort mit ihr anfangen. Er erwartete vielleicht lediglich von ihr, dass sie sich einmal ihm anschließen würde, schließlich gehörten ihre Eltern ebenfalls zu seinen Anhängern. Das einzige was er an ihrem Arm entdecken würde, waren die Schnitte in das weiße Fleisch, hervorgerufen durch die scharfen Krallen eines Greifvogels, aus denen durch den Druck vielleicht etwas Blut sickern würde. Ob diese Tatsache den jungen Ravenclaw beruhigen würde, oder würde es ihn enttäuschen? Sie würde ihn beobachten müssen, wieder, um eine Antwort auf ihre Fragen zu bekommen, denn er selber würde ihr wahrscheinlich keine verbale Antwort geben. Sie beugte sich ein kleines Stückchen zu dem Jungen vor, um ihn dann letztendlich beschwörend und gleichzeitig zischend wie die Schlange aus dem Garten Eden ins Ohr zu flüstern:”Lasse Deinen Worten Taten folgen, Demian”
19.1.10 22:59