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miss delacrox & mister dragmire

MY BLOOD, YOUR LINE - IS THIS YOU INSIDE?

she knows how to hurt, she knows how to heal
she knows what to show and what to conceal
i know when to talk and i know when to touch
no one ever died from wanting too much


Würde man Demian fragen, in welcher Beziehung er sich ihr gegenüber sah, so würde er müde von der Welt die Augenbrauen heben, sich nachdenklich mit der Hand durch die Haare fahren und den Blick senken, nichtssagend, stillschweigend und ohne Worte. Er kannte Weena Delacrox nicht. Er kannte nicht ihre Geheimnisse, ihre Wünsche, ihre Ängste. Und obwohl Letzteres zu wissen durchaus hätte dienlich sein können, musste Demian gar nicht lange überlegen, um mental mit Überzeugung sagen zu können: Interessiert mich nicht. Natürlich ist es immer von Vorteil, über die Schwächen seines Feindes informiert zu sein, doch letzten Endes – wer belegte dem Heranwachsenden, dass Weena tatsächlich zu seinen Feinden zählte? Demian war nicht auf den Kopf gefallen. Lag Gefahr in der Luft, witterte er sie als einer der Ersten und wurde tharn, reglos, wie es die Kreaturen in einem seiner damaligen Lieblingsbücher wurden, sobald sie sich mit ihrer Furcht konfrontiert sahen. Mit den Jahren hatte er gelernt, in brenzligen Situationen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen – und das Flüchten gehörte zu seinen großen Stärken, wenn es darum ging, sinnlosen Attentaten auf seine Person aus dem Weg zu gehen. Auch jetzt nahm Demian den bitteren, beißenden Gestank der Gefährlichkeit wahr, doch er legte sich keinen Fluchtplan zurecht. Für wen bloß wahrheitsgetreue Fakten und bewiesene Tatsachen zählen, der wird Gerüchten mit Skepsis sowie dem Drang der Nachforschung begegnen, nicht aber mit Panik. Nein. Er fürchtete sich nicht vor ihr. Er fürchtete sich vor den Personen, die ihr endgültige Befehle ins Ohr wisperten. Die Personen, die Schuld trugen an dem zarten Hauch von Tödlichkeit, der das Mädchen mit den schmalen Schultern umgab. Sie war nicht seine Feindin und solange sie ihm nichts tat, war sie ihm gleichgültig. Allerdings war es erst einmal nötig, zu wissen, wie sie zu ihm, wie sie zu der Sache mit dem Blut stand. Und zu welchen Grausamkeiten sie eventuell fähig sein konnte, wenn sie es denn nur wollte.

Doch sie erinnerte sich nicht an ihn. Ihre Aussage von vorhin hatte ihn nicht überrascht – nur ein wenig verärgert, enttäuscht. Und bemüht darum, sich das nicht anmerken zu lassen. Es war nicht seine Art, eine Fremde, die sich nicht an ihn erinnerte, mit gefährlichen Themen zu überraschen. Tatsächlich befand sich Demian gerade vor der Entscheidung, ihr ein höfliches Neigen des Kopfes zu schenken, um ihr anschließend den Rücken zu zukehren, auf dass er ihr hoffentlich nicht ein zweites Mal über den Weg lief. Ihm missfiel ihr rätselhafter Tanz. Keine befriedigende Begrüßung, keine klaren Worte. „Es war nicht geplant, dass du dich jetzt fühlst wie einer von Vielen …“ - nur dieser eine einzige Satz untergrub seine Gedanken an den Abschied. Dem Sarkasmus wurde er selbstverständlich gewahr, aber vielmehr war es die Ruhe in ihrer Stimme, die ihn zum Bleiben zwang. Eine Antwort blieb gänzlich aus. Was hätte er auch sagen können? Die Impertinenz umgab sie beständig und das war vollkommen in Ordnung. Demian würde nicht wissen, welche Ansichten er über Weena zu diesem Zeitpunkt entwickelte, wenn sie sich selbst auf eine entzückende, freundliche Art darstellte. Ihm war klar, dass sie letzten Endes mental und hinter seinem Rücken fähig war, durchaus feindliche Gedanken zu hegen, aber eben weil er es wusste, konnte er halbwegs damit umgehen. Es wäre anders, wenn sie sich vorgetäuscht wie ein naives Blondchen verhielt, bevor sie in seiner Abwesenheit hässliche Einfälle hatte. Er mochte es nicht, hasste es, in die Irre geführt zu werden. Ihr gegenwärtiges Wesen war alles andere als begreiflich, ließ ihn sich allerdings darauf einstellen, kein falsches Theater vorgeführt zu bekommen.

Es war nicht nur dieser Seitenwechsel, dieser für ihn bedeutungsschwere Tanz, der ihn störte, es war auch dieser flammende Blick, den sie streng in sein Gesicht gerichtet hielt. Vor einiger Zeit hatte Demian sich selbst die Rolle des Zuschauers zugewiesen, umso abgeneigter war er nun doch der Tatsache, dass er bei der kleinsten Bewegung das Interesse in den auffällig hellen Augen keimen sah. War er nicht derjenige, der die anderen wissbegierig betrachtete, sie im Unwissen über seine Gedanken ließ? War er. Und deswegen spürte er einen Funken Beklemmung in der kalten Glut erwachen. Einmal mehr zwang er sich, ihr durchsichtiges Wesen nicht an sich heran zu lassen und der Triumph wurde ihm mit ihrem geheimnisvollen Lächeln zugetragen, das mit seinen nächsten Worten verblasste. Was war das? Fiel ihre Maske? Gewiss nicht, doch dieser … dieser flüchtige, ungewollte Riss der fehlerfreien Fassade sagte genug. Seine Seele lächelte über ihre Missgunst, nach außen hin blieb allerdings die berechnende, wachsame Miene. Wenn er sie schon irgendwie in die Enge treiben konnte, würde er dafür sogen, keinerlei Emotionen an den Tag zu legen, die ihr sein Interesse bekundeten. Ihm war wichtig, dass er für sie nur einer von vielen blieb. Und vielleicht war es deswegen auch perfekt, dass sie sich vermeintlich nicht an ihre gemeinsamen Gespräche erinnerte, die nie lange weilten. Aber wenn er es denn tatsächlich als so perfekt empfand, unerkannt zu bleiben – aus welchem Grund kränkte ihn ihr Vergessen dann?

Offenkundig ließ das Schlangenkind sich nicht allzu leicht beirren. Ehe er sich umsah, hatte sich die Selbstsicherheit zurück in ihr Gesicht geschlichen, ebenso, wie er nun unterschwelliges Vergnügen in ihrer zarten Stimme vernehmen konnte. Wieso, konnte er sich nicht erklären, dennoch hatte die Art und Weise, wie sie das Kinn reckte und sich der Konfrontation stellte, etwas Amüsantes, Fesselndes an sich. Er lächelte nicht. Seine Gedanken drifteten ein wenig ab, sodass er sich physisch nicht auffällig verhielt. Ihre Worte sorgten dafür, dass er vorsichtig blieb. Hielt sie ihn wirklich für Jemanden, der sich vorschicken ließ? Oder wollte sie ihn nur provozieren? Vorher war es ihm schwergefallen, aus ihr zu lesen – jetzt ging es keinesfalls einfacher. Sollte sie wahrhaftig von ihm denken, dass er hier gerade nur wie ein Bote handelte, verlief das Gespräch in seinen Augen in völlig anderen Bahnen als geplant. Es war nicht sein Wunsch, als einfache, geistlose Silhouette unter vielen angesehen zu werden – zumindest nicht von einer Hexe, die er als Antagonistin bezeichnen konnte, wenn sich die Grausamkeiten über sie als Fakten herausstellten. So verengte er abermals etwas die Augen, nahm einen tiefen Atemzug der kühlen Luft und senkte nun den Blick, als er nach etwas Bestimmtes suchte. Seine Aufmerksamkeit wanderte von rechts nach links und wieder zurück; von ihrem rechten Unterarm zu ihrem linken Unterarm. Man hatte ihm Dinge über eine gewisse Sache erzählt, die die Anhänger des dunklen Lords nur zu genau auszeichneten. Ihm war nicht bewusst, dass ebendieser Mann schon aus Skrupellosigkeit wegen nicht auf das Alter seiner Gefährten achtete, deswegen zweifelte Demian irgendwo an dem Wahrheitsgehalt der Gerüchte, die man sich über Weena erzählte. Aber wenn sie nur … wenn sie ihn nur einen Blick auf ihre Unterarme werfen und sich vergewissern lassen würde, dass dort keine schwarze Tinte auf der makelloser Haut zu sehen war. Er wäre leichtgläubig, anzunehmen, dass sie ihre kleinen Geheimnisse ohne Widerstand präsentieren würde. Der junge Zauberer hob den Kopf und musterte seine Umgebung prüfend. Soweit er feststellte, hatten sich die weniger wetterfesten Schüler in die warmen Gebäude verzogen. Vorhin hatte er die einzige Weasley-Tochter sowie einen Ravenclaw, der in seinem Jahrgang war, durch die Tür zu Derwisch und Banges spazieren sehen. Das Risiko von beiden ausgerechnet durch das Schaufenster bemerkt zu werden, war durchaus gering, aber es blieb schlussendlich ein Risiko.

Sie erhielt keine verbale Antwort auf ihre Frage. Noch nicht.

Für einen Moment blendete Demian ihre eventuelle Gefährlichkeit aus. Seine Hand ergriff ihren Arm kurz unterhalb des Ellenbogens und er ließ nicht zu, dass sie sich ihm entziehen konnte, indem er ihr die Fingerspitzen in den Stoff ihrer Jacke presste. Die herbstliche Kälte, die ihm nun auf der Haut lag, schmerzte ihn, aber auch diesen Umstand ignorierte er. Was derzeitig zählte, das war, sie um die Ecke des krummen Häuschens zu manövrieren. Und doch war er nicht vermessen genug, sich mit ihr zum Ende der Gasse zu stehlen, sondern blieb nur wenige Meter nach der Kante stehen – zum Einen besaßen sie nun genügend Windschutz und zum Anderen war der Fluchtweg auf den offenen Dorfplatz kürzer, wenn er denn tatsächlich das Weite suchen müsste. Zurzeit verschwendete er keinen weiteren Gedanken daran. Entschlossenheit hatte sich wieder in das Gesicht des jungen Mannes gestohlen, die Augen zurück in die feinen Züge vor ihm gerichtet. Und für einen Moment wuchsen die Zweifel. Im Tagespropheten hatte er die verstörenden Bilder Bellatrix Lestranges gesehen. Diese Wahnsinnige war das gänzliche Gegenstück zu der Mademoiselle, die er in die schmale Nebengasse geführt hatte. Wie sollte etwas so Schönes dieselben Torturen vollführen wie eine blinde Anhängerin des Deliriums? Er würde es wissen. Er musste es wissen. Hier. Jetzt. Sofort.

„Ich spreche nicht mit dir, um über Märchen und Hirngespinste unserer Mitschüler zu reden“, fing er schließlich entschlossen und betonte ohne großartigen Grund dieses einfache Wort. Vermutlich fühlte er sich sicherer, wenn er sich an eine Sache klammern konnte, die sie und ihn verband, denn es war mühselig, die endlose Wissbegierde mit Gelassenheit zu kaschieren. Fortwährend hielten seine Finger ihren Unterarm fest umschlossen und er dachte nicht sonderlich viel darüber nach, den Druck auf den Stoff ihres Mantels, auf die zarte Haut darunter, zu lösen. Seine Augenbrauen zogen sich etwas zusammen, als er erneut den Blick auf ihrem Arm heftete; den, den er unnachgiebig im Griff hielt. Er zitterte nicht – wieso auch? Sollte sie sich als Rebellin erweisen, besaß er immer noch seinen Zauberstab. Weinrebe und Drachenherzfasern vermochten sich vermutlich nicht nur im Unterricht als nützlich erweisen. Viel geschert um Duelle hatte Demian sich noch nie, und er bezweifelte, dass es zu einem kommen würde. Dennoch: Sicher war sicher. War das nicht eines dieser berühmten „Muggel-Sprichwörter“? Doch, ja. In dieser Sekunde erinnerte er sich absurderweise an einen Streit mit einem Reinblut, das ihm aus Spott eine ähnliche Redewendung an den Kopf geworfen hatte in Bezug zu seiner, Demians, Abstammung. Noch immer konnte er nicht sagen, wie sein hübsches Gegenüber zu der Ideologie stand, die ihm selbst das Leben so schwer machte.

„Welcher Arm ist es, Weena?“ Vielmehr war es die Nennung ihres Namens als sein wispernder Tonfall, der ihn realisieren ließ, das Ganze irrtümlicherweise etwas zu persönlich zu gestalten. Als er sich dieser Tatsache bewusst wurde, stockte er kurz. Sie bestand darauf, sich nicht an ihn erinnern zu können – umso unangenehmer fühlte er sich dabei, sie so direkt angesprochen zu haben. Zwar hielt er seinen Kopf noch von dem Zeitpunkt an gesenkt, an dem er zwischen ihren Unterarm hin- und hergeschaut hatte, doch nun blickte er aus dem Augenwinkel wieder in ihr Gesicht. Er war zu gefangen in seinem Interesse auf eine klare Antwort, um schlagfertige Sprüche und lichte Gedanken darzubieten. Abermals legte sich seine Stirn in schmale Falten, während er fortlaufend in ihren Augen nach einer aussagekräftigen Erklärung suchte. „Man kann dem elegantesten Falter die Flügel rausreißen und ich frage mich nur … versteckst du da dieses hässliche Mal? Oder bist du dem Zeichen noch nicht würdig genug, um es zu tragen und mit Stolz zeigen zu können?“ Er neigte den Kopf ganz leicht zur Seite, wieder senkte er den Blick. Seine Stimme klang nachdenklich, nicht provokativ und auch nicht gewohnt sachlich. Gleichzeitig mit jenen Worten hatte sich der Griff um ihren Arm gelockert. Unterdessen hob er seine freie Hand zu der ihren, zögerte einen Moment und ließ sie zu ihrem Handgelenk wandern.

Was er spürte, als er Zeige- und Mittelfinger sanft unter den Ärmel ihres Mantels schob, war nichts anderes als die Wärme ihrer Haut. Und was ihm fehlte, war der Mut, den Stoff auf harsche Art bis zu ihrem Ellenbogen hochzureißen, um sich zu vergewissern. Das hier war gerade finster genug, da konnte er nicht von sich selbst verlangen, Rücksichtslosigkeit an den Tag zu legen, wenn ihn schon diese kleine Bedrängung störte. Es reichte ihm zunächst, sich nur wenige Zentimeter vorzutasten, denn ihm missfiel der Gedanke, dass das, was man sich über sie erzählte, wahr sein könnte. Weiter würde er nicht gehen, wenn sie ihn nicht selbst abhielt. Nicht aus Respekt – aus Befangenheit. Er musste ihre Reaktion sehen. Ein Schleier von Misstrauen der Ungewissheit lag in seinen Augen, die die ihren fixierten.
19.1.10 22:57