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miss delacrox & mister dragmire

AND CAN I TRUST WHO YOU SAY THAT YOU ARE?
w i t c h c r a f t

Durch diesen einen, harschen Atemzug durch ihre Nase beantwortete sie seine Frage und zwar auf eine solch durchschaubare Art und Weise, dass Demian unweigerlich den Drang verspürte, wissend den Kopf zu heben und ihr all die Hässlichkeiten ins Gesicht zu sagen, die man über Mademoiselle Weena Delacrox austauschte. Dessen ungeachtet blieb er ruhig. Er regte sich nicht viel, seine Hände blieben still. Im Gespräch gestikulierte Demian selten, aber jetzt versuchte er, sich auf noch mehr auf seine Gelassenheit zu konzentrieren. Glücklicherweise beherrschte er sich gut genug, um nicht allzu gezwungen zu wirken. Selbstverständlich fürchtete er sich nicht vor Weena – er unterschätzte sie nicht, allerdings war Demian sich sicher, das magische Handwerk besser zu beherrschen als die blonde Marionette neben ihm. Soweit er dem Unterricht des falschen Mad Eye Moodys letztes Jahr hatte folgen können, waren die drei Unverzeihlichen keine große Sache. Man musste es wollen, das stand außer Frage, aber Demian sah keine Kunst oder erforderliches Geschick in Mord und Totschlag. Was trotzdem letzten Endes nicht hieß, dass der Heranwachsende sich sehr wohl in seiner Haut fühlte. Vermutlich wäre es ihm besser ergangen, wenn er eine vollkommen normale Slytherin neben sich stehen hätte. Keine Neue. Keine Fremde. Eine Eingeweihte, die wusste, wie das Spielchen des Blutstatus ablief und sich interessiert daran zeigte, andere Mitschüler von oben herab anzusehen. Sie war eigenartig in ihrem Handeln, was Demian sich nur dadurch erklären konnte, dass es so etwas wie strikte Häusertrennung in Beauxbatons nicht gab. Wenn sie Pech hatte, würde sie sich in ihrer erhabenen Art soweit von den anderen Slytherins absondern, dass sie deren Denkweise gar nicht erlernen konnte; ergo – Hallo wunderschöner Außenseiter.

Sie nahm seine Hand zur Begrüßung nicht an. Entweder war sie so geblendet von sich selbst, dass sie sie nicht einmal wahrnahm, oder aber die Etikette bedeutete ihr so wenig wie der Dreck am Straßenrand. Ihr Lächeln ließ sich nicht recht eindeuten und Demian tat sich recht schwer damit, eine klare Zeile in ihr zu lesen wie in einem verschlüsselten Buch. Er zeigte es nicht. Wenn er eines mit den Jahren gelernt hatte, dann war es, sich Anstrengung nicht anmerken zu lassen. Jammern und sich beschweren tat er selten, so war er auch jetzt, trotz Weenas undurchschaubarem Wesen, der festen Meinung, eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Es wäre nicht seine Art gewesen, schweigend an ihr vorbei in das Geschäft zu gehen. Er hätte sie ignoriert, wenn sie eine ihrer Hausgenossinnen gewesen wären – aber das war nicht der Fall. Also wie könnte Demian bei einem angeblich so gefährlichem Geschöpf seine antrainierte Blindheit an den Tag legen? Nein, dafür empfand er sie als zu interessant. Die Grenzen austesten, das war seine Sache. Würde sie die Zähne zeigen und in finsterer Garderobe von zig anderen Todessern neben ihm stehen, sähe das natürlich wieder anders aus …

Demian ließ beide Hände in die Taschen seines Mantels gleiten und wandte sein Gesicht von ihr ab. Wenn sie tatsächlich keinen Wert auf eine gepflegte Begrüßung legte – bitte, von ihm aus. War aber auf der einen Seite auch ganz angenehm, denn der fiese Wind an der offenen Haut war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Er kümmerte sich nicht weiter großartig um ihre Verschlossenheit. Aber er würde sie sich merken. So, wie er sich all ihre folgenden Gesten und Aussagen merken würde. Letzten Endes konnte er diesen kleinen Plausch für eine nette … Analyse benutzen. Auf diesen Gedanken hin hob der junge Mann den Blick von der goldenen Schatulle hinter dem Schaufenster, um die Miene der Wortkargen zu betrachten. Gerade verschränkte Weena die Arme zum Schutz, und da kam die Antwort, auf die Demian halb ungeduldig gewartet hatte.

Ah, so so, sie erinnerte sich nicht an ihn? Vielleicht sollte er ihr einmal das kaputte Erinnermich seiner Schwester an den offensichtlich starrsinnigen Schädel werfen. Nun gut, Demian gab zu, dass er nicht der auffälligen Sorte Mensch angehörte, alldieweil er das Verbergen perfektioniert hatte, und dennoch – es missfiel ihm, dass sie nicht mal wirkliches Interesse zeigte. Als das Porzellankind Anstalten machte, sich zu bewegen, verengte er vorübergehend die Augen. Nicht, um diese vor dem Wind zu schützen, sondern der Konzentration wegen, die man auch deutlich auf den Falten seiner Stirn erkennen konnte. Dann senkte er den Blick. Betrachtete wieder unbestimmte Kuriositäten hinter dem Schaufenster, während seine Gesprächspartnerin nicht wie erwartet verschwand, sondern einzig und allein die Seite wechselte. Zwar sah Demian nicht mehr auf, doch er spürte nur allzu deutlich, dass da ein gewisses Stück ihrer Aufmerksamkeit auf seinem Gesicht lag. Wenn auch nur per Reflektion der enormen Fensterscheibe. Versuchte sie, sich zu erinnern? Ihre Stimme vorhin hatte sich seiner Meinung nach eher gleichgültig als wissbegierig angehört. Und dennoch. Lange vermochte er nicht zu widerstehen, da wandte sich sein Augenmerk auch schon nach einigen Sekunden wieder Weena zu. Dieses Mal nicht ihrem fehlerfreien Ebenbild, sondern der realen Gestalt neben sich.

„Ist das so?“, erkundigte er sich, machte aber durch einen festen Tonfall klar, dass er auf diese Frage keine Antwort verlangte. Demian neigte ein wenig den Kopf, als er sich etwas zu ihr umdrehte, und zog die Schultern hoch, da diese Position ihn intensiver an den kühlen Wind auslieferte. Würde er extrovertierter sein, würde er vermutlich nun einen Witz daraus machen, weil sie sich nicht an ihn erinnern konnte. So etwas wie ’War ja auch eine ziemlich wilde Nacht und du dabei sahst du gar nicht so aus, als könntest du so viel vertragen’ käme dann wahrscheinlich von seiner Seite aus – aber derlei Geschwätz erschien ihm zu vulgär. Er hatte nicht vor, sich auf ein niederes Niveau zu begeben. „Ich erinnere mich allerdings an dich. Und ich hab so einige verwegene Geschichten über dich gehört, Weena Delacrox.“ Das wissende Lächeln, das flüchtig seine ernsten Gesichtszüge erhellt hatte, verblasste von einer Sekunde auf die nächste. Nun hob er das Haupt an und bedachte sie mit einem abschätzenden Blick. „Du magst vielleicht einem naiven Dumbledore was vormachen, aber glaub ja nicht, dass du dich frei und unbeobachtet bewegen kannst.“ Ah, war das jetzt eine indirekte Nebenjob-Erklärung als Stalker? Demian schob diesen spöttischen Gedankengang rasch beiseite. Einige Momente lang überlegte er, ob er sie fragen sollte, mit ihm die Schwelle zu Derwisch & Banges zu überqueren, doch er unterließ es. Ihm missfiel die Vorstellung, dass er so schnell keine günstige Gelegenheit mehr erwischen würde, sie unter vier Augen zu sprechen, also hielt er den Mund. Auch wenn die Wetterbedingung nicht gerade die Schönsten waren …
19.1.10 22:53