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miss delacrox & mister dragmire - SET YOUR BAIT, SET YOUR TRAP, TAKE A SEAT AND

Herbst – mehr brauchte es nicht zu sein, um jenen jungen Zauberer, der auf den Namen Demian Dragmire hörte, zufrieden zu stimmen. Er fühlte sich wohl, wenn er in warmen Klamotten inklusive Schal in den Farben der Ravenclaws raus an die frische Luft konnte – alldieweil der Sommer überhaupt nicht seine Sache war. Na gut, es war angenehm, bei solcher Hitze kurze Shorts, offene Schuhe und bunte Shirts zu tragen – aber was nicht in Ordnung für Demian wäre, wäre die Tatsache, dass seine Klassenkameraden ihn so herumlaufen sähen. Sich so lässig und normal vor den Anderen zu präsentieren, entsprach überhaupt nicht seinem Interesse. Er war lieber als der stets penibel Gekleidete bekannt, wofür man auf einer gewöhnlichen High School im Jahrbuch so was wie „1. Platz passendste Klamotten“ unter sein Passfoto setzen würde. Aber da der Sommer bereits hinter ihnen lag und das neue Schuljahr seit gut zwei Wochen lief … keine Konsolenspiele, kein Ausschlafen, kein Stephen King, keine Horrorfilme (um Gottes Willen, die fanden ja direkt vor Hogwart’s Toren statt), kein Basketball, kein Faulenzen und vor allem – ganz wichtig – überhaupt keine Normalität. Endlich. Es waren nicht einmal die bekannten Gesichter, die Demian vermisst hatte. Nein, es war die magische Welt an sich gewesen. Denn solange er sich hier befand, ging es ihm gut. Die mütterlich launenhafte Lethargie und das väterlich ewige Todschweigen von Zuhause schienen wie vergessen, sobald er sich wieder in die Arbeit stürzte. Was hier zählte, das waren Leistung und Begabung.

Dieser Gedanke blieb, als Demian sich mit den schlanken Fingern über den Ärmel seiner Jacke strich. Seit sie vor einer halben Stunde in Hogsmeade angekommen waren, hatte er sich nicht großartig umgesehen. Nein – eigentümlich, wie der Heranwachsende war, hatte er sich auf die Überreste eines alten, abgehackten Zaunes am Dorfplatz niedergelassen. Ab und an wurde er von jemand gegrüßt, deren Hallo er höflich erwiderte, während die vollgepackten Taschen skeptisch betrachtet wurden. Na, was soll’s, er war nicht fähig, ewig hier zu sitzen, wenn er nicht von den schneidenden Windzügen umgebracht werden wollte. Außerdem hatte Demian etwas zu erledigen – das Erinnermich seiner Schwester Ivalace hatte unglücklicherweise … eine Dusche in Mom’s Waschmasche genommen und ja, irgendwie war es etwas kaputt gegangen. Wäre das nicht der Fall, würde er im gemütlichen Gemeinschaftsraum sitzen und vermutlich den Tagespropheten nach Neuigkeiten absuchen, sollte er nicht zum dritten Mal seine neuen Schulbücher durchgehen. Demian hob den Kopf, den Blick, und studierte das Ziffernblatt des krummen Uhrturms, der in den wolkenverhangenen Himmel ragte. Ja. Es war Zeit.

Von seinem Platz aus war ihm die blonde Gestalt bei Derwisch & Banges natürlich aufgefallen. Er brauchte gar nicht groß zu sinnieren, sondern hatte alsbald gewusst, welches Mädchen so gleichgültig das staubige Schaufenster nach Kuriositäten absuchte. Weena Delacrox war ihm ein Begriff, und das nicht nur, weil sie letztes Schuljahr flüchtig miteinander gesprochen hatten. Und es dürfte gar nicht mal so falsch sein, zu behaupten, dass Demian mehr Dinge, allen voran Gerüchte, über sie wusste als sie über ihn, wenn sie nicht schon längst vergessen hatte, dass er überhaupt existierte. Aber warum sollte sie sich auch an ihn erinnern? Weder sonderlich hochgewachsen noch mit einem durchaus einprägsamen Gesicht geschlagen, ging der junge Mann leicht in der Masse unter. Und überhaupt – Demian war bewusst, dass Mademoiselle Delacrox und er in vollständig unterschiedlichen Ligen spielten. Was aber nichts an der Tatsache änderte, dass sie genau vor dem Laden stand, in der er jetzt so langsam rein musste.

Ihre Kehrseite mit den schmalen Schultern widmete er einen taxierenden Blick – so, wie ein Wolf wohl einen Eindringling in seinem Revier musterten würde. Letzten Endes gehörte das Mädchen nicht hierher. Das allerdings ist gerade kein Thema, rief er sich ins Gedächtnis zurück, seufzte übertrieben theatralisch und fuhr sich mit der Hand durch die braunen Haare, ehe er neben ihr Halt machte. Sie wirkte gar nicht so gefährlich, wie seine Bekannten sie ihm beschrieben hatten … ah, in der Tat hatte Demian die heiße Diskussion im Turm der Ravenclaws über ihre ach so offensichtlich dubiosen Tätigkeiten mitverfolgt. Weena wirkte in Demians Augen irgendwo überraschend gerissen – aber nach einer erprobten Tötungsmaschine sah ihm das zerbrechliche Porzellangeschöpf nicht aus.

„Französisches Blut unter Englands Gesindel – dass du freiwillig hier bist, muss bedeuten, dass du dich auf deinem Aufenthalt hier letztes Jahr verliebt hast oder dass du auf der Flucht vor den paar Leichen in deinem Keller bist.“ Von sich selbst würde Demian nie meinen, sehr direkt zu sein. Nein, gewiss hatte er sich mit der Zeit ein außergewöhnliches Sensorium für Diskretion angeeignet, aber Zweideutigkeiten und zynische Kommentare waren eben genau sein Fachgebiet. Er hatte ihr nichts ins Gesicht gesehen, als er gesprochen hatte, sondern deutlich desinteressiert die Artikel hinter dem Schaufenster betrachtet. Seine Stimme klang ruhig und beherrscht, und das tat sie auch dann noch, als er sich halb zur wandte, um ihr seine Hand zur Begrüßung entgegen zu halten. Der Blick war abschätzend in das fein geschnitzte Gesicht gehoben. „Demian Dragmire, du erinnerst dich.“ Das war keine Frage. Das war reine Selbstüberzeugung, mit der Demian sonst so sparsam umging. In unmittelbarer Präsenz von Reinblütern, die allen voran dem Hause Slytherin zugeordnet worden waren, hatte er allerdings eines gelernt – beweise niemals Unsicherheit oder gar Schwäche, selbst wenn dein Gegenüber noch so sanft aussieht.
19.1.10 22:48