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Der nächste Künstler hatte sich mittlerweile auf die Bühne gewagt, einen einnehmenden Takt spielend, sodass die Russin nicht umhin kam mit ihren Fingern auf dem glatten Holztresen dem Rhythmus zu folgen. Auch wenn die sanften klänge der Musik zu ihren Ohren drangen, so galt ihre Aufmerksamkeit doch dem Mann, der sie spontan am Piano begleitet hatte und wohl nicht nur dem Lockenschopf damit ein unvergesslichen Augenblick beschert hatte. Die kurzzeitige Irritation in dem Blick des Dunkelhaarigen trug in gewissermaßen zur Erheiterung der Kunstliebhaberin bei, deren sarkastische Zunge immer wieder für Verwirrung sorgen konnte.
Um am Ende der Nacht, wenn beide wieder getrennte Wege gehen sollten, wollte Ana es nicht riskieren nach Hause zu gehen, ohne den Namen des geheimnisvollen Fremden in Erfahrung gebracht zu haben. Sie sah sich schon in ihrem Bett liegen. Hellwach mit der klangvollen Melodie in ihren Ohren und sich fragend, wer dieser Mann nur sein könnte? So stellte sie sich vor und dies nicht nur, weil es die Etikette verlangte und gewahrt werden wollten.

Nach einem kurzen Zögern drang der Name des Mannes über seine Lippen. Die Arkadjewna kam nicht umhin sich zu fragen, warum der Dunkelhaarige, der sich ihr als Dorian Knoxville vorgestellt hatte, einen Augenblick inne hielt. Doch es war der Moment, in dem sie auch ihre Umgebung vergaß und nur noch ihr Gegenüber sah und hörte. “Auf diese Bekanntschaft sollten wir trinken.“ Ana lächelte und hob stumm zustimmend auch ihr Glas in die Höhe, von dem sich kalte Tropfen lösten. Gleichsam mit Dorian setzte die Kunsthistorikerin das Glas an ihre Lippen, sich einen erfrischenden Schluck genehmigend. “Sind Sie öfters hier in diesem Club, Ana?“ Die Russin ließ sich zunächst den schmackhaften Scotch auf der Zunge zergehen; gleichermaßen gefiel ihr, wie Dorian ihren Namen aussprach. “Ich habe Sie noch nie gesehen.“ Ana lächelte unwillkürlich, als sie ihr Glas abstellte und sich mit der Zungenspitze über ihre Lippen fuhr, die den herben Geschmack des Scotchs auf sich trugen. Die selben Worte hatte noch zuvor der Mann an sie gerichtet, der sie vor Damien angesprochen hatte, was die Russin zu amüsieren schien. Doch Dorians Frage war der Lockenschopf weitaus gnädiger gestimmt. “Ich versuche eigentlich jeden Monat herzukommen, um zu singen.“ Gestand sie, nicht umhinkommend zu erröten. “Ich kann aber auch nicht behaupten, Sie bereits hier gesehen zu haben. Ihr Klavirspiel wäre mir gewiss im Gedächtnis geblieben. Sie spielen, als hätten Sie Ihr Leben lang nichts anderes getan."
valium-knight am 18.8.17 18:11


Die sachte Ironie in ihrer Stimme war ihm nicht entgangen, mit der sie nachhakte, ob er oder sie sich würde entschuldigen müssen. Hatte er ihren Auftritt gesprengt? Für die Winzigkeit eines Augenblicks blickte Dorian irritiert drein, doch dann erschien wieder das Schmunzeln auf seinen Lippen. Leicht schüttelte er den Kopf, was eine Geste war, welche wohl so ezent war, dass sie kaum wahrzunehmen sein würde. Dabei betrachtete er sein Gegenüber noch immer fasziniert von ihren Gesangskünsten. Schon viele hatte er singen gehört, doch selten hatte eine Stimme ihn wirklich gereizt, sie unbedingt auf dem Piano begleiten zu wollen. Vielleicht lag es aber auch an der Schönheit dieser Person, welche nun vor ihm stand und ein schüchternes Lächeln zur Schau trug. Es kam nicht so oft vor, dass gute Sänger sich in Bescheidenheit übten und meistens war es sogar so, dass das Ego größer war als das vermeindliche Talent. Hier war das mitnichten der Fall. Lächelnd ließ er sich das Glas aus der Hand nehmen und sah sich danach schon in der Lage, selbst fast peinlich berührt zu sein. “Das war nur möglich, da ich so sagenhaft am Piano begleitet wurde.“ Welch Schmeichelei. Dorian prostete der jungen Dame zu, trank jedoch nicht.

Er wusste, dass er gut am Klavier war, doch es kam selten vor, dass er in der Öffentlichkeit spielte. “Ich bin Ana. Ana Arkadjewna,“ stellte sie sich nun noch einmal vor und Dorian nickte. Ein wohlklingender Name. Ana. Das klang wirklich gut. Er nahm ihre zarte Hand, jedoch nicht um sie zu schütteln, sondern um sie sich an die Lippen zu führen und einen vorsichtigen Kuss aufzuhauchen. Dann lächelte er. Für ihn war es eine Gewohnheit dies zu tun, denn in der Zeit, der er entstammte, zeugte es von guten Umgangsformen, die er sich um jeden Preis bewahren wollte.

Nun war es an ihm, sich vorzustellen, doch er hielt noch einmal inne. Schon oft hatte er einen falschen Namen angegeben aus Sorge davor, dass er irgendwelchen Nachstellungen erliegen würde. Doch er glaubte nicht, dass dies auch in diesem Fall zu befürchten wäre. “Knoxville,“ sagte er dann, “Dorian Knoxville“ Dies war sein Name seit vielen, vielen Jahren. Der junge Mann, der er einst gewesen war, und der Dalvin Pritchard hieß, war längst verschüttet unter einer Unmege Geröll von jahrezehntelangen Erfahrungen. Guten wie schlechten. Es war eine Name aus seinem sterblichen Leben, welches so weit entfernt lag wie der Mond oder gar die Sonne.
Noch immer hielt Dorian das Glas zum Prost erhoben. “Auf diese Bekanntschaft sollten wir trinken,“ erklärte er und setzte das Glas an die Lippen. Es war ein guter Scotch, doch er gestattete sich nur einen winzigen Tropfen. Dann lächelte er. “Sind Sie öfters hier in diesem Club, Ana?“, wollte er dann wissen. “Ich habe Sie noch nie gesehen.“ Was eigentlich kein Wunder wäre, denn allzu oft verschlug es ihn selbst auch nicht hier her. Seine Geschäfte hielten ihn oftmals fern, was sehr bedauerlich war. “Sie singen nämlich so, als hätten Sie eine lange Erfahrung darin.“
Ana am 15.8.17 22:09


And I am divided between Penguins and Cats...Die sanften Töne des Klavierspiels hallten noch in den Ohren der Kunsthistorikerin nach, deren Lippen die ein oder andere Liedzeile nach summten, während sie mit einer gewissen – unbefriedigenden – Sehnsucht ihren Blick durch den belebten Saal gleiten ließ. Es war in einem Moment, in dem sie bereits die Hoffnung aufgegeben hatte, als der dunkelhaarige Fremde nochmals und leibhaftig auf Ana zugetreten war. Die Arkadjwena hatte sich kurzzeitig sogar schon gefragt, ob sie sich das gemeinsame Duett nicht sogar eingebildet hatte. Doch da war er. Der Fremde war ihr so nah gekommen, wie man einer Unbekannten nur nahe kommen konnte und dennoch war er gleichzeitig unerreichbar. Konnte die gemeinsame, unerwartete Begegnung in einem angenehmeren Ziel gipfeln, als gemeinsam Scotch zu trinken? “Zwei Glöser Scotch. Aber doppelte!“ hörte die Russin den Mann sagen, der jung und alt zugleich schien. Es war Ana wenige Augenblicke später beinahe unangenehm, mit welch einem Blick sie den Fremden gemustert haben musste. Sie wandte daher ihre Aufmerksamkeit auf den Barkeeper hinter dem Tresen, der die Bestellung aufgenommen hatte.

Das Spiel, welche beide Fremde miteinander gespielt haben hatte ein Ziel: Zweisamkeit. Ana spürte, dass der Mann gleichermaßen das Bedürfnis haben musste, wie sie selbst und sie kam nicht umhin sich zu fragen, woher dieses Gefühl rührte. Die zunächst gespielte Vertrautheit auflösend, trat der Lockenschopf sanft einen halben Schritt zurück, sodass sie ihren Retter in der Not wieder vollständig in Augenschein nehmen konnte. Von der Bühne erklangen die sanften, drückenden Klänge des Blues und ein gewisser Schwermut legte sich über die Zuhörer. “Sie müssen sich für gar nichts entschuldigen. Viel eher wäre es wohl an mir dies zu tun.“ Ana legte ihren Kopf sanft zur Seite während sich eine ihrer geschwungenen und ausdrucksstarken Augenbrauen amüsiert erhob. “Dafür, dass Sie meinen Auftritt gesprengt haben?“ sprach die Russin mit einem unverkennbaren ironischen Unterton, der in ihrer hellen Stimme mitschwang.
Auf den Lippen des Dunkelhaarigen schien ein stetes Schmunzeln zu liegen, von dem die Russin sich beflügeln ließ. Die Bedienung stellte im selben Augenblick schimmernde Kristallgläser auf den Tresen. Die honiggelbe Flüssigkeit schwang sanft hin und her, das glitzernde Eis benetzend. Anas Blick aus grünen Augen lag kurzzeitig verloren auf dem Getränk, ehe sie wieder nach Antworten in den hellen Augen des Pianisten suchte. Wofür auch immer Sie sich bedanken wollen, ich müsste es zuerst tun. Für den wunderbaren Kunstgenuss, welchen sie mir und den Anwesenden beschert haben durch Ihre Musik. Das ist doch nicht selbstverständlich.“ Es war einer der Augenblicke, in denen die durchaus bescheidene Frau erneut den Blick senken musste, während sich ihre Lippen zu einem schüchternen Lächeln verzogen. Sich fassend hob die Russin sanft ihren Kopf, dem Fremden von unten herab anblickend. “Das war nur möglich, da ich so sagenhaft am Piano begleitet wurde.“ entgegnete der Lockenschopf, während ihre Finger sich um das kühle Glas schlossen. Ihr fiel wieder ein, was für eine außerordentliche Leistung der Mann erbracht hatte. Als würde er sein ganzes Leben lang – oder gar noch länger – an seinen Fähigkeiten am Piano feilen.

“Ich bin Ana. Ana Arkadjewna.“ auch wenn der Hochgewachsene ihren Namen vielleicht noch auf der Bühne gehört hatte, so empfand Ana, dass es an der Zeit war sich selbst vorzustellen. In der Gelassenheit, mit der sie ihm die kleine und energische Hand entgegenstreckte, um in mich sich selbst bekannt zu machen, lagen die angenehmen Umgangsformen von einer Frau von Welt. Stets – fast – gelassen und natürlich. Man fühlte sich stets rasch wohl in der Anwesenheit der Russin. Selbst ihre Mutter hatte Ana diese Eigenschaft nachgesagt, denn sie vermittelte einem das Gefühl, als würde man sie von Kindheit auf kennen.
Ana am 15.8.17 22:08


a, er war sich sicher, dass er sich hier auf diesem Parkett behaupten würde. Nicht dass er jeden Tag einer schönen Frau nachstellte, doch besaß Dorian genug Selbstsicherheit, um es in diesem Falle zu tun. Dass es noch einen Konkurrenten gab störte ihn nicht und er war sicher, dass er am Ende den Platz behaupten würde. Was genau er nun an der Schönen fand vermochte er allerdings noch immer nicht zu sagen. Vor allem war es ihre Ausstrahlung und letzten Endes ihre Stimme, ihr Talent, welches ihn noch immer sehr in den Bann zog. Wie gerne würde er sie näher kennen lernen und vielleicht somit auch den Liedzeilen des letzten Songs gerecht werden. Doch zunächst einmal musste sie anbeißen und ihn in ihrer Nähe dulden. Was er allerdings zunächst erntete war ein verdatterter Blick, welcher ihn widerum schmunzeln ließ. “Schon in Ordnung.“ Dann lächelte sie strahlend und in seinen Augen sehr bezaubernd. In ihre Blicken blitzte eine ungemeine Lebendigkeit auf, wie sie Sterbliche nicht immer zur Schau trugen. Viele waren deprimiert und ertränkten sich in Sorgen und Nöten. Wie gut, dass es Momente wieder diesen gab, in welchem nichts davon zum Tragen kam. Er hatte die junge Dame überrascht und das war gut so.

Sie tat sogar noch mehr. Sie ging auf sein begonnenes Spielchen ein, erklärte, dass sie befürchtet hätte, dass er vergessen haben könne, dass sie morgen früh raus müssten. Auch auf sein Angebot ging sie ein und Dorian bedeutete der Bedienung hinter dem Tresen, dass er etwas zu bestellem wünschte. “Zwei Glöser Scotch. Aber doppelte!“, orderte er, während er sein Augenmerk nicht von der hübschen Frau nehmen konnte. Dann wendete sie sich an den Fremden, der noch immer da stand und offenbar seine Chancen schwinden sah. Er machte einen betrübten Eindruck auf Dorian und er musste nicht einmal ein besonders guter Gedankenleser sein, um heraus zu finden, dass sich nun Enttäuschung hinter der fremden Stirn breit machte. “...Aber Sie sehen ja: Mein… Ich bin nun wirklich in sicheren Händen.“ Mein? Der Vampir grinste unwillkürlich, als sich die schöner Sängerin nun ein kleines bisschen an ihn schmiegte und somit ein Bild von Vertrautheit provozierte. Er regte sich nicht dabei und tat auch nichts, um die kurze Distanz noch ein wenig mehr schwinden zu lassen. Der andere ging, geknickt, aber aufrecht, sodass sie nun miteinander allein waren.

Kaum war der Fremde verschwunden, löste sich die junge Russin wieder und fuhr sich leicht errötend durch das lockige Haar. “Ich muss mich wohl bei Ihnen entschuldigen. Und bedanken. Womit darf ich anfangen?“ Dorian horchte auf und schürzte ein wenig die Lippen, als er diese Worte vernahm. Dennoch stand noch immer das Quentchen Amüsement in sein Gesicht geschrieben. “Sie müssen sich für gar nichts entschuldigen,“ erklärte er dann. “Viel eher wäre es wohl an mir dies zu tun.“ Nur flüchtig schweiften seine Blicke hin zur Bedienung, welche gerade in diesem Augenblick die beiden Gläser mit dem Scotch zu ihnen hinüber schob. “Auch Dank brauche ich nicht.“ Wieder lächelte er. “Wofür auch immer Sie sich bedanken wollen, ich müsste es zuerst tun. Für den wunderbaren Kunstgenuss, welchen sie mir und den Anwesenden beschert haben durch Ihre Musik. Das ist doch nicht selbstverständlich.“ Unter diesen Worten nahm er die Gläser in die Hand und reichte das in seiner Rechten ohen Umschweife an die schöne Dame ihm gegenüber weiter, sodass sie es ihm nur noch abzunehmen brauchte.
Ana am 15.8.17 22:08


Stückchen für Stückchen verlor die Russin den Glauben daran, den geheimnisvollen Fremden noch einmal über den Weg zu laufen. Er war aber auch schnell wieder von der Bühne verschwunden! Ana erinnerte sich, dass sie ihn noch aus dem Augenwinkel gesehen hatte, doch als sie sich nur einen Augenblick später zu ihm umgedreht hatte, um ihm ihren Dank auszusprechen, war er bereits verschwunden; ebenso plötzlich, wie er erschienen war, um sie auf dem Klavier zu begleiten. In melodischen Erinnerungen schwelgend tippte Ana mit ihren Fuß erneut die Melodie ihrer letzten Darbietung nach, ehe sie sich erneut umwandte, ihren Drink an der Bar entgegennehmend. Sie schenkte der Bedienung ein dankbares Lächeln, zahlte und ließ ihren Blick über die ausgestellten, jedoch bereits leeren Flaschen schweifen, die in den letzten Jahren wohl noch gefüllt waren. Schöne Dinge fragten nicht nach Aufmerksamkeit. Es war eine russische Weisheit, die Anas Vater ihr immer wieder unter die Nase gerieben hatte und die Historikerin erkannte nun den Wahrheitsgrad, der hinter den Worten steckte. Es war ein wundersamer und schöner Augenblick gewesen, den die beiden Fremden auf der Bühne miteinander geteilt haben. Es war, als würde Ana an einem Hang zu einer wüsten Küste stehen. Der Wind in ihrem Haar. Ein warmes Licht in einer dunklen Nacht. Weiche, weiße Leinen. Sanft und Friedvoll. Ein Segel im vollen Wind. Perfektion. Ein Augenblick, dem man nicht nachjagte. Die Traurigkeit über den Verlust dieses schönen Augenblicks machte einer Freude über die Tatsache platz, diesen Augenblick überhaupt erst erlebt zu haben. Ana war dankbar über die Gelegenheit, die sich ihr geboten hatte und sie würde von dieser Erinnerung noch lange zehren können, dessen war sie sich sicher.

Ein Lächeln umspielte die vollen Lippen der Russin, die einen flüchtigen Blick auf ihre Uhr geworfen hatte. Alles hatte seinen Grund, so auch, dass sie den fremden und grandiosen Klavierspieler aus en Augen verloren hatte. Zuhause wartete eigentlich noch Arbeit auf die Frau in ihren Dreißigern, doch würde sie dieser in ihrem noch höchst ekstatischen Zustand noch gewissenhaft bearbeiten können? Wie sollte sie fernab romantischer Gedanken die Schätze von Chatsworth House beurteilen und schätzen, einem der bekanntesten Herrenhäuser Englands? Nach einem Auftritt wie diesem würde es der jungen Frau wohl schwer fallen nicht in einen Tagtraum zu verfallen, in dem sie nicht durch die Parkanlagen von Derbyshire schreitet auf der Suche nach Inspiration. Der nette, doch weniger charmante Herr, der die Amateursängerin angesprochen hatte, empfand nicht das Bedürfnis jemand anderes anzusprechen, der mehr Interesse an einem gemeinsamen Gespräch haben könnte. Die Arkadjewna wandte sich ein letztes Mal zu dem Herren um, als sie in ein neues, ihr fremdes Augenpaar blickte. Die Überraschung über diese Spontanität konnte der Lockenschopf nicht in dem Blick des Mannes erkennen, doch sie wiederum war sich sicher, dass ihr eben diese ins Gesicht geschrieben stand. “Entschuldige, dass ich dich allein gelassen habe!“. Leider war sich Ana über die Tatsache bewusst, dass sie in diesem Augenblick wohl etwas verdattert drein schauen musste. Zu weit war sie in ihren Gedanken aus der sie umgebenden Realität gedrungen, als das sie diesen überraschenden Zusammenstoß nun in absoluter Souveränität hätte meistern können. "Schon in Ordnung." Ana lächelte ein strahlendes Lächeln, welches sich nicht nur auf ihren Lippen wiederfand, sondern auch in ihren Augen. Sie hatte den Fremden am Klavier nicht wirklich gesehen, nur seine Präsenz wahrgenommen und doch war sich Ana sicher, dass eben dieser geheimnisvolle Fremde, auch der Fremde war, der mit seinem Klavierspiel ihren Auftritt perfektioniert hatte. Seine Präsenz war unverkennbar und einnehmend.

"Ich hatte nur befürchtet, dass Du vergessen haben könntest, dass wir morgen früh raus müssen." Die Arkadjewna nutzte die Gelegenheit ihre Gedanken erneut aufzunehmen, sodass sie gar nicht wirklich flunkern musste, um auf das Spielchen des Fremden einzugehen, den sie neugierig betrachtete. "Möchtest du noch etwas anderes trinken außer Scotch… Darling?“ Einige kurze Augenblicke dachte Ana über das Angebot nach. Hatte sie nicht gerade noch den Entschluss gefasst zu Arbeiten? Vernunft walten zu lassen und nach Hause gehen? "Ja, gerne." Ana hörte sich die Worte aussprechen noch ehe sie wirklich fassen konnte, was sie letztendlich Tat. Ihr Kopf schien keine Handlungsmacht mehr inne zu haben und die Russin beschloss dem auch nicht Einhalt gebieten zu wollen. Es war richtig zudem konnte sich Ana gar nicht dem Reiz des Unbekannten entziehen, der von dem dunkelhaarigen Fremden ausging, der ihr auf eine unerklärliche Art und Weise Fremd und Vertraut zugleich erschien. "Ich nehme das Selbe wie Du." Ana fuhr sich mit der Spitze ihrer Zunge sanft über die Lippen, um diese zu befeuchten, ehe sie sich an den nicht weniger verdutzten Mann wandte, der sich noch vor wenigen Augenblicken vielleicht eine Chance bei der Russin ausgemalt hatte. "Danke, dass Sie mir Gesellschaft geleistet haben. Es war sehr aufmerksam von Ihnen, mich nicht alleine lassen zu wollen. Aber Sie sehen ja: Mein ... Ich bin nun wirklich in absolut sicheren Händen." Das Bild der Vertrautheit aufrecht erhaltend schmiegte sich die Russin etwas an den Fremden, die Distanz auf ein Minimum reduzierend. Doch ihr Lächeln, welches ihre dankenden Worte begleitete, war ein ehrliches. Der Mann nickte, vielleicht etwas geknickt. Doch er verabschiedete sich höflich, dem Fremden, der seinen Platz streitig gemacht hatte, jedoch etwas misstrauisch musternd. Wenige Augenblicke, nachdem dieser dem Klavierspieler und der Sängerin den Rücken gekehrt hatte, erhöhte Ana erneut die Distanz zwischen den beiden Körpern auf ein Maß, dass dem Grad des Bekanntheitsgrades und der Etikette entsprach. Mit einer sanften Röte auf den Wangen fuhr sie sich durch das dichte, lockige Haar. "Ich muss mich wohl bei Ihnen entschuldigen. Und bedanken. Womit darf ich anfangen?" Die Arkadjewna blickte dem Fremden neugierig entgegen, nicht umhinkommend sich zu fragen, woher sie ihn kennen konnte. When comfort comes from a strangers Arms.
Ana am 15.8.17 22:07


Didn‘t want to fall in love again so soon...“ Es war eine Liedzeile, die in Dorian noch einen Moment nachhallte. Fast war es so, als würde sie für ihn eine unumstößliche Wirklichkeit bergen. Liebe war eine sensible Sache und obendrein eine, welche er sich nicht mehr so schnell gestatten wollte. Es brachte nur Schmerz und Kummer mit sich, wenn man sich in die Dinge stürzte, über die man über Kurz oder Lang eindeutig die Kontrolle verlor. So wie es mit dem deutchen Künstler er Fall gewesen war. Von ihm war nichts geblieben, bis auf eine traurige Melancholie in seinem Herzen und Erinnerungen, die er besser nicht anrühren wollte. Dies waren die Gedanken gewesen, welche sein Spiel begleitet hatten, in das er viel Gefühl gelegt hatte. Doch alles hatte ein Ende. So auch dieser Song. Einen kurzen Moment hatte er noch gewartet und Ana dankbar entgegen gesehen, doch es sollte nicht sein Applaus sein, sondern der ihre und somit hatte er sich schnell erhoben und war von der Bühne verschwunden. Vielleicht schneller als ein menschliches Auge hatte nachvollziehen können. Er wollte ein Fremder, Namenloser bleiben. Einer, der vielleicht in einem musikalischen Moment für ein wenig zustätzliche Magie gesorgt hatte. Nach einem Moment der zurückhaltenden, aber vorfreudigen Stille, ehe der Beifall einsetzte. Und Ana? Sie lachte ein verdientes Lachen.

Dorian hatte sich unterdessen an seinen Tisch zurück gezogen und musste dort erkennen, dass einige anerkennende Blicke auch ihn nun fixierten. Eine ältere Frau hatte ihre Hände erhoben, zwinkerte ihm zu und klaschte dabei frenetisch. Unterdessen gab die Sängerin auf der Bühne ihren vollständigen Namen preis. Ana Arkadjewna Es klang ungewohnt und über die Maßen russisch. Dorian lächelte, denn er hätte hinter der schönen, zeitlosen Frau keine Russin vermutet. Es mochte ein Vorurteil sein, doch für ihn waren russische Gesichter immer auch ein wenig kantig und herb. Aber er wusste genausogut, dass es nur ein kleines Vorurteil war, welches ihn zu dieser Annahme verleitete. Ana verbeugte sich und auch Dorian applaudierte nun, während er sich setzte. Dabei ließ er die blonde Sängerin nicht aus den Augen. Diese machte sich auf den Weg zur Bar hinüber und verschmähte somit ihren Sitzplatz an einem der kleineres Tische. Offenbar wollte sie den Nachhall ihrer Darbietung genießen. Doch ein guter Beobachter, wie er einer war konnte auch deutlich erkennen, dass etwas Suchendes in ihren Blicken stand. Sie schaute sich um und sie schien zu warten. Auf ihn. Er lächelte und griff nach seinem Glas, um sich einen Schluck zu genehmigen. Nun war er unsicher, ob er sich zu ihr gesellen sollte, denn es war nicht seine Art und auf nähere Bekanntschaften war er auch keineswegs aus. Dennoch nagte die Neugier an ihm und entfachte den inneren Drang die hübsche Dame in ein Gespräch zu verwickeln. Immerhin hatten sie nun ein gemeinsames Erlebnis geschaffen und ein wundervolles obendrein. Er jetzt bemerkte er, dass sich ein Fremder zu Ana gesellt hatte und diese ansprach.

Irgendetwas in ihm begeherte gegen diesen Umstand auf. Irgendetwas in ihm verlangte, dass er es war, der Ana an diesem Abend mit seiner Gesellschaft beehrte. Sie war eine gute Sängerin mit einer vorzüglichen Stimme. Wie geschaffen für den Blues, den Jazz und alles Zärtliche und Gefühlvolle. Dorian erhob sich und machte sich auf den Weg zur Bar hinüber. Dabei passierte er einige Tische, doch er schenkte den Menschen, die daran saßen keinerlei Beachtung. Stattdessen horchte er auf das Gespräch an der Bar, welches sich dank seiner scharfen Sinne nun doch ganz deutlich herausfitern ließ. Nichtssagendes Geplänkel und ein müder Versuch, die Russin in ein Gespräch zu verwickeln, die dieses offenbar nicht unbedingt wollte. Dorian lächelte, als er der Bar immer näher kam. Ana trank gerade eine Schluck Scotch und ihre Hand nestelte an einer Kordel der Bluse, während der Fremde ihr noch immer interessiert entgegen blickte. “Entschuldige, dass ich dich allein gelassen habe!“, sagte Dorian dann, wobei er sich bemühte, sehr vertraut zu klingen. Dann betrachtete er sich flüchtig den Mann, sehr darauf bedacht, sich zwischen ihn und die Sängerin zu schieben. “Möchtest du noch etwas anderes trinken außer Scotch… Darling?“ Der Fremde horchte auf und Dorian konnte genau spüren, wie er innerlich seufzte. Doch Mitleid hatte er keineswegs. Dies hier war nun sein Parkett und er war fest entschlossen, den ungebetenen Gast los zu werden. Dabei waren ihm auch unlautere Mittel recht. Ein verschmitztes Lächeln legte sich auf seine Lippen und er ließ in Anas Richtung ein Augenzwinkern folgen. Dann nickte er kaum merklich in die Richtung es Fremden. Es würde sich nun zeigen, ob die Künstlerin gewillt war dieses Spiel mitzuspielen oder nicht.
Ana am 15.8.17 22:07


Didn't want to fall in love - again so soon ... Ach, hätte es Ana, die Russin, nicht besser wissen müssen? Es würde nie und unter keinen Umständen sich so entwickeln, wie sie es sich vorstellte. Während sie gewissermaßen die Freiheit suchte und die Einsamkeit genoss, hatte die Kraft des Mondes völlig andere Pläne für sie. Früher oder später würde dieser eine Moment eintreten. Dieser Moment, in dem sie realisierte, dass alles viel zu schnell passiert war. Schneller als erwartet. Schneller, als sie vielleicht verarbeiten konnte. Jemand würde in ihr Leben treten. Schnell. Und es würde ihr gefallen. Die Arkadjewna hatte die Augen geschlossen, währen sie die Schuld auf den silbernen Himmelskörper schob, der sie in diese missliche Lage gebracht hatte. Einem Seufzen gleich besang der Lockenschopf ihre Verwirrung, doch sie war nicht alleine.
Ana hatte nicht realisiert, dass sich jemand zu ihr auf die Bühne gesellt hatte. Ein attraktiver, junger Mann mittleren Alters. Gepflegt mit einem intelligenten, äußeren Erscheinungsbild. Sie hatte ihn einen flüchtigen, jedoch nicht weniger neugierigen Blick geschenkt und doch widmete sie sich rasch wieder ihrem Publikum, welches sich auf das gemeinsame Zusammenspiel freute und applaudierte. Ein Lächeln erhellte die Züge der Historikerin aus Leidenschaft, die sich ihrem Gefühl und dem Blues wieder völlig hingab.

Es war erstaunlich, in was für einem Einklang Ana und der Fremde miteinander spielten. Völlig harmonisch fügte sich das Spiel des Dunkelhaarigen am Klavier in den Gesang der blonden Russin ein und wenn die Arkadjewna es nicht besser wüsste, so hätte sie behaupten können, dass sie in der Vergangenheit gemeinsam geprobt hätten. I didn't think that this would happen so soon. So I'll blame it on the moon. Die letzten Töne erklangen und verhallten schließlich. Für einen Augenblick herrschte im Saal absolute Stille. Ana wusste, dass diese Stille nur für wenige greifbar war und auch nur für diejenigen, die sich auf der Bühne wiederfanden. Es war nach getaner Arbeit die Hoffnung auf Applaus, den Lohn des Künstlers. Und dieser kam und erhellte den Augenblick. Aus der blonden Frau drang ein ehrliches und erleichtertes Lachen, welches jedoch nicht weniger von Glück sprach. Sie legte ihre Hand an die Brust und spürte ihr schnell schlagendes Herz. "Ana! Ana Arkadjewna meine Damen und Herren!" Die Russin verbeugte sich. Ihre geschwungenen Lippen formten ein stummes Dankeschön und bereits im nächsten Augenblick fand sie sich auf dem Weg von der Bühne. Vorbei war die Aufregung. Vorbei war der Zauber. Ana seufzte. Glücklich und Zufrieden aber gleichermaßen traurig über die Tatsache, dass ein Augenblick wie dieser bereits so schnell verflogen war. Ana hatte sich nach dem Fremden am Klavier umgeblickt und doch hatte sie ihn aus dem Augen verloren. Einen kurzen Augenblick verzog Ana eine Schnute, traurig über die Tatsache, dass sie sich nicht bei dem Mann bedanken konnte, der ihr diesen unvergesslichen Moment beschert hatte.

Ihr Weg hatte Ana an die Bar geführt, während ihr Blick stets weiterhin Ausschau nach dem talentierten Klavierspieler hielt. Die Arkadjewna musste sich jedoch eingestehen, dass sie das Äußere des Mannes kaum bewusst erfassen konnte. Der Augenblick war viel zu schnell vorbei gewesen, als das sie die Details hätte wahrnehmen können. Etwas enttäuscht bestellte die Blonde einen weiteren Drink an der Bar. Sie hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich der Fremde vielleicht doch noch gleich zeigen würde. Und tatsächlich gesellte sich nur wenige Momente später jemand an ihre Seite. Auch wenn sie nicht genau wusste, wie der Fremde aussah, so konnte sie jedoch sagen, dass die Person an ihrer Seite es nicht gewesen war. Nichtsdestotrotz lächelte die junge Frau freundlich, ihre Aufmerksamkeit ihrer Umgebung zuwendend. "Guten Abend!" Sprach der Mann, Ana anlächelnd und sich dennoch in gewisser Verunsicherung umschauend. "Das war ein wirklich toller Auftritt! Bist Du häufiger hier?" Ana kam nicht umhin, als sich auf ein oberflächliches Gespräch einzulassen. Sie grüßte den Mann nicht minder freundlich und bestätigte seine Frage. "Ja, eigentlich regelmäßig." -"Tatsächlich?" Der Mann lachte etwas gekünstelt und klopfte sich auf den Schenkel. "Wie kommt es, dass ich Dich hier noch nie gesehen habe?" - "Dann waren Sie wohl nicht aufmerksam genug. Entschuldigen Sie mich bitte" Ana griff nach ihrem Glas und nippte an ihrem Scotch. Kühl rannte das Gesöff ihre Kehle hinab und ein wohliges, warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Mit ihrer freien Hand spielte Ana etwas gedankenverloren an einer Kordel ihrer Bluse. Die Neugierde den Mann über den Weg zu laufen und ihn kennenzulernen war noch nicht abgeebbt, genauso wenig, wie ihre Hoffnung, dass dies für heute Abend tatsächlich auch noch der Fall sein könnte.
Ana am 15.8.17 22:07


Während er noch dem vollmundigen Geschmacks des Scotchs nachschmeckte, sog Dorian die Atmosphäre des Lokals weiter in sich auf. Wie an so vielen Abenden schwirrten unausgesprochene Erwartungen in der Luft. Erwartungen an die Musik und das jeweilige Gegenüber. Flüchtig beobachtete er ein turtelndes Pärchen an einem Tisch etwas weiter entfernt, welches sich ständig irgendetwas zu flüsterte und die Beine unter dem Tisch aneinander rieb. Man erkannte es an der angespannten Haltung des jungen Mannes, der sich an diesem Abend wohl besonders bemüht hatte gut auszusehen. Er hatte sich leicht vor geneigt – zu seiner Gesprächspartnerin hin – und hatte ein subtiles Lächeln in seinem Gesicht. Offenbar versprach er sich von diesem Abend mehr. Doch es lag Dorian fern in die Gedanken dieser Menschen einzudringen. Sie gingen ihn nichts an, waren allenfalls Randerscheinungen an einem wundervollen Abend, der stetig versprach noch besser zu werden. Wieder schwenkte sein Blick zu dieser Frau, die ihn schon beim ersten Anblick fasziniert hatte. Anscheinend unter schweren Gedanken hatte sie sich ein wenig aufgerichtet und Dorian kam mehr und mehr zu der Annahme, dass sie wirklich vor hatte zu der Atmosphäre hier etwas beizutragen. Davie Miller mühte sich noch immer auf der Bühne und er tat es grandios. Aus ihm würde irgendwann auch noch einmal ein Künstler werden, sofern es denn sein eigener Lebensentwurf zulassen würde. Doch auch das ging Dorian nicht im Mindesten etwas an. Er war nur hier um sich auf andere Gedanken zu bringen, den Abend in diesem Vorfrühling zu genießen und das alltägliche, leidige Geschäft zu vergessen, welches ihn nur allzu oft gefangen hielt. Schließlich wurde applaudiert. Davie Miller hatte geendet und der Vampir stimmte in diese Gefallensbekundung mit ein. Aus freiem Herzen und voller Überzeugung.

Es musste einen Menschen schon einiges an Nerven kosten die Bühne zu betreten und sich vor einer Horde Fremder zu bemühen, diese zufrieden zu stellen. Die Frau am fernen Tisch genehmigte sich noch einen Schluck und erhob sich dann. Dorain merkte auf und straffte seine Haltung nun ein wenig. Wollte sie wirklich? Gespannt wartete er und beobachtete, sie die wenigen Treppenstufen zur Bühne erklomm. Sie hatte gezögert, gewartet, vielleicht getrieben von ihren eigenen Ängsten, der Anspannung und der Nervosität vor einem Auftritt. Dorian kannte es zu gut, denn nicht selten hatte er einen ähnlichen Weg beschritten. Doch die Jahre trugen dazu bei, dass das Lampenfieber weniger wurde und die Erkenntnis in ihm reifte, dass so wie er spielte nur von wenigen zu übertreffen war. Nein, er war nicht eingebildet. Er sonnte sich nur im Licht dessen was er aus jahrelanger Praxis über sich selbst erfahren hatte: Er war ein herausragender Pianist. Heutzutage brauchte er das nicht mehr unter Beweis stellen. Wieder gab es Applaus. Einen Applaus, der den frischen Mut der Frau lobte und ihre Stimme klang warm und bezaubernd in seinen Ohren. Sie wünschte einen guten Abend und nun, den wünschte er ihr auch. Ana hieß sie. Ein guter Name. Nichts neumodisches oder hölzern klingendes. Kurz und einprägsam war er und über die Maßen hübsch. So wie sie selbst. Sie nahm auf einem Hocker Platz und auch eine Gitarre wurde ihr gebracht. Er liebte Gitarrenmusik, auch wenn er sich selbst mit diesem Instrument niemals wirklich vertraut gemacht hatte. I‘d love to kill you with a kiss...“ Melodisch klang ihre Stimme und erste Pfiffe des Gefallens ertönten im Raum. Auch ihm gefiel was er hörte. Sie hatte eine gute Stimme. Nicht zu viel Timbre, genau richtig. Manchmal übertrieben die Sänger, doch Ana traf den richtigen Ton. Sehr gesetzt, sehr auf den Punkt, einfach passend zu dem Song, den sie sich auserwählt hatte.

Es folgte My Aphrodisiac is you Katie Melua und Dorian musste schmunzeln als er den Text vernahm. Sein Fuß wippte den Takt des Songs mit und er konnte nicht umhin wahrzunehmen, dass sich sein ganzer Körper dem sachten Swing anpasste und mitging. Ana hatte eine wirklich schöne Stimme, die der von Kate Melua wirklich nicht ganz unähnlich war. Es gefiel was er höre und noch mehr gefiel es ihm was er sah. Eine zeitlose, junge Frau, die voll und ganz in der Musik aufging, von ihr absorbiert wurde. Doch etwas fehlte. Nur von der Gitarre begleitet wirkte es etwas dünn und nicht ganz so Durchschlaggebend, als mit einem Klavier. Doch kein Spieler war in Sicht und Ana war auf sich allein gestellt. Ein zufriedener Applaus stellte sich ein und wieder stimmte er mit ein. In Dorian manifestierte sich eine Idee und er hatte sich erhoben, noch ehe darüber genauer nachgedacht hatte. Zu schade, dass Ana nun ihren letzten Song für diesen Abend anstimmte. Sie war durchaus auf offene Ohre und Zufriedenheit gestoßen. “Blame it on the Moon.“ Er war schon an der Bühne, ehe sie ihren ersten Atemzug tat, um neuerlich so wunderbar zu singen. Es hatte ihn einfach nicht mehr an seinem Platz gehalten. Er war hier, ohne seine genauen Motive zu hinterfragen. Mit wenigen Schritten hatte er die Stufen genommen und setzte sich an das Klavier, Ana, die bereits die ersten Zeilen sang, noch einen Seitenblick schenkend. Nur wenige Takte waren es, die er sie singen ließ, dann setzten sich seine Finger wie von selbst auf die Tasten und ließ sie einstimmen. Die ersten Töne gesellten sich sachte zu der Melodie und untermalten diese auf besondere Weise. Ein hauchfeiner Applaus ging vom Publikum aus und Dorian versank gemeinsam mit Ana in der Musik. Note um Note verband sich mit dem Gesang und dies schien nicht nur ihn selbst zu verzaubern, sondern auch die Zuhörer. Sie sang davon sich nicht allzu schnell wieder verlieben zu wollen, dass es schön war sich allein stark zu fühlen und doch nichts dafür zu können, dass man sich wieder hingab. Blame it on the moon. Dorian kannte das Gefühl aus längst vergangenen Zeiten. Seine Vergangenheit kam ihn in den Sinn und er legte alle seine Erinnerungen in sein Spiel. Doch viel zu schnell war der Song vorbei, viel zu schnell waren die Töne vergangen, die sich so herrlich zu dem schönen Gesang gesellt hatten. Das Publikum applaudierte wieder und er schaute lächelnd zu Ana hinüber, die noch immer auf dem Hocker saß und ihre Gitarre im Arm hielt. Mit einem Lächeln auf den Lippen nickte er ihr dankbar zu. Dankbar dafür, dass er sie hatte begleiten können.
Ana am 15.8.17 22:07


Es war kaum zu übersehen. Der Frühling stand nun auch vor der Tür Londons und erfüllte die Luft mit einer knisternden Vorfreude. Die Sportler weiteten nun in den länger werdenden Tagen ihre Strecken aus, die Verliebten zog es aus den gemeinsamen Wohnungen an die frische Luft und jene, die sich noch nicht verliebt hatten, beschnupperten sich mit einem nur noch größeren Elan. Ana gehörte weder zu den Sportlern, noch zu den (frisch) Verliebten. In gewisser Weise betrauerte sie weiterhin eine Trennung, zu der ihr Verhalten selbst geführt hatte. Sie hatte zwar davon gesprochen mit Michael stets zusammen sein zu wollen, doch ihre Taten hatten eine andere Sprache gesprochen. Er wollte sie heiraten. Sein Leben mit ihr verbringen und eine Existenz aufbauen. Und was wollte sie? Die Arkadjewna versenkte gedankenverloren ihre Eiswürfel in ihrem Drink, die ein unmotiviertes Klirren von sich gaben. My Life is just a slow Train crawling up a hill... Würde Katie Melua wohl nun sagen; eine Sängerin, der die Russin rein musikalisch gesehen, nacheiferte. Blues, Jazz, Pop, Rock und Chanson. All dies, was Anas Herz schneller schlagen ließ. Am Ende der Wahrheit, am Ende der Liebe. Am Ende stand immer Micheal, insbesondere, da er der Blonden im Auktionshaus Christies gelegentlich über den Weg lief. Es waren peinliche Augenblicke, die beide ganz offensichtlich professionell über die Bühne bringen wollten. Leider versteifte sich der Dunkelhaarige dabei nur zu gerne, was es den Geschäftsleuten nicht einfach machte, ihre Aufgaben über die Bühne zu bringen.

Der Blick der jungen Frau glitt über die dunklen Köpfe der Zuschauer auf die hell beleuchtete Bühne. Das Herz der Historikerin machte einen Satz nach vorne bei diesem Anblick. Nur noch zwei weitere Freiwillige waren vor ihr, dann war sie an der Reihe. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Ana war zwar eine ganz passable Sängerin aber das Ronnie Scotts? Dies war eine gänzlich andere Kragenweite. Nicht einmal ihren Freunden hatte der Lockenschopf von seinem Vorhaben berichtet, die doch stets in erster Reihe als die treusten Anhänger der jungen Frau applaudierten. Ein leichtes Zittern ging durch Anas Arm, als sie das klare Glas an ihre Lippen hob und an dem kräftigen Drink erst schnupperte, nur um im Anschluss einen Schluck zu nehmen. War sie nicht eben noch mit ihren Gedanken bei Michael? Die Arkadjewna wusste, dass sich beide bereits früher schweigend voneinander getrennt hatten, nur war es jetzt öffentlich und endgültig. Selbst wenn sie noch den Glauben an eine Zukunft gehabt hätte, es war nicht richtig. Etwas fehlte. Lautstark ausatmend und sich eine lockige Strähne aus dem Gesicht pustend richtete sich die Russin auf ihrem Stuhl etwas auf. Sie freute sich, zumindest redete sie es sich gerne ein, waren Freude und Angst rein chemisch betrachtet ein und das selbe. Es kam lediglich darauf an, wie der Hormoncocktail interpretiert wurde.

Der Gesang verebbte und ein sanfter Applaus erfüllte den Raum. Anas Atem ging schnell und sie genehmigte sich einen letzten Schluck ihres Bourbons , der ihr heißt die Kehle hinab rann. In einer fließenden Bewegung richtete sie sich auf und drückte sich zwischen den Stühlen in Richtung Bühne. Ihr Schritt verlangsamte sich kaum merklich, als sie sich dem hellsten Punkt des Raumes näherte und doch schien sie für einen kurzen Augenblick inne zu halten, bevor sie mit sanften Schritten die Bühne betreten hatte. Ana verharrte wenige Augenblicke am Rand der Bühne, zumindest so lange, bis der Moderator des Abends den vorherigen Artisten gebührend verabschiedet und die junge Frau an seine Seite gebeten hatte. Die Aufregung zauberte ein beinahe schon schüchternes Lächeln auf die Lippen der Blonden, die unter neugierigen Applaus nun zum Mikrofon getreten war. "Guten Abend ... Die Aufregung vor dem Auftritt war der Russin kaum anzuhören. Ein leichter russischer Akzent schwang bei ihren wenigen Worten jedoch mit und verlieh der Stimmung etwas ungewöhnlich exotisches. "Mein Name ist Ana... Während die Russin sprach und sich vorstellte nahm sie auf einem Hocker platz, der ihr mitsamt ihrer Gitarre hergebracht wurde. Ich wünsche Euch viel Spaß in den nächsten Minuten... Ana fixierte die Saiten ihrer Gitarre und nahm einen letzten Atemzug, begleitet von einem sanften, rhythmischen Tippen auf das Holz. Ihre Finger glitten beinahe schon zärtlich über die Saiten, während Ana mit einer ruhigen Stimme und in absoluter Gelassenheit zu singen begann. I'd love to kill you with a kiss ... Motivierende Zwischenrufe, Pfeifen und ein kurzer Applaus zwischendurch entlockten der Historikerin aus Leidenschaft das ein oder andere Lächeln, während sie sich darauf konzentrierte ihre Lieder zum Besten zu geben. Bis zum nächsten Lied hatte sich Anas Vorgänger erneut ans Klavier gesetzt, um sie zu begleiten. Es war bei einer Nacht wie dieser nichts ungewöhnliches und beide Interpretationen des Songs My Aphrodisiac is you schienen sich zu ergänzen. Die Arkadjewna freute sich darüber, dass einige Textpassagen dem Publikum ein Schmunzeln entlockten und sich die Stimmung durchaus aufzulockern schien. Als die Blonde das wohl bekannteste Lied der Sängerin Katie Melua angestimmt hatte, wurde die Sängerin von einem zufriedenen Applaus begleitet, der Ana nur noch mehr in ihrem Tun bestärkte und sie beinahe schon traurig über die Tatsache werden lies, dass sie nur noch einen weiteren Song auf der Bühne verbringen würde. Ich habe leider nur noch einen weiteren Song für heute Abend. Es ist mein Lieblingssong. Er heißt Blame it on the Moon - Also lehnt euch zurück und genießt! Und so setzte die Russin zu ihrem letzten Song an, mit dem sie ihren kleinen Auftritt abrunden und schließlich beenden sollte. I was happy to be free.
Didn't think I'd give myself so easily. Guilty feelings in the night, as I wonder, is it wrong to feel so right?
Ana am 15.8.17 22:06


Dorian liebte diese Jahreszeit, denn in ihr roch es himmlisch nach Frühling. Besonders wenn man sich in der Nähe der Parks befand, in welchen er sich gerne aufhielt. Die Böden bereiteten sich darauf vor die neuen Pflanzen zu tragen und diese reckten schon jetzt die ersten Blüten hervor. Man konnte ihren Anblick genießen. Sogar nachts. Nur leider blieb ihm zum Schwelgen reichlich wenig Zeit. Die Geschäfte ruhten nicht und gerade dieser Tage hatte ein zwei neue Verträge abgeschlossen, die ihm und dem Orden reichlich viel Geld in die Taschen spülen würden. Sofern er sich nicht verkalkuliert hatte. Nur das geschah recht selten, denn in der Regel wusste er, was er tat. Er würde Elaine anrufen müssen und mit ihr bezüglich einiger neuer Wendungen reden müssen, welche die Aktiendepots genommen hatten. Auch sonst würde er sich wieder beim Orden melden müssen und genau das wollte er in der kommenden Nacht tun. Nein, nicht in dieser. Diese Nacht wollte er genießen, sich frei nehmen und ein wenig für die Seele tun, weshalb er Kurs auf das Ronnie Scott‘s nahm. Einen Jazzclub, in welchem er nur allzu gerne seine Freizeit verbrachte. Schon von Weitem war es dank seiner Leuchtreklame und der Menschentraube vor dem Eingang in der Frith Street auszumachen. Langsam schlenderte er darauf zu mit aller Gelassenheit und Vorfreude, navigierte sich an den Wartenden vorbei und grüßte den Türsteher, welcher ihn sogleich ein ließ. Man kannte ihn hier gut, denn seit einiger Zeit gehörte jenen, welche regelmäßig erschienen und den Kellnern ein großzügiges Trinkgeld gewährte. Es war wohl zu viel behauptet, ihn als Gönner des Clubs zu bezeichnen, doch das war genau das, wie er sich selber gerne sah. Auch sah er sich gerne in der Rolle eines Verehrers von James Pearson, dem Hauspinanisten, welchem er so gerne lauschte. Außerem fühle man sich näher an Ella Fitzgerald, Chet Bake oder Lisa Stansfield. Alles Musiker, die hier Live Alben aufgenommen hatten. Wer dachte nicht gerne an Jimi Hendrix letzte Liveauftritte oder an die „Feetwarmers“? Dorian atmete tief und kräftig ein, als die Atmosphäre des Clubs ihm entgegen schlug, wobei er versuchte vor seinem inneren Auge diese lebendige Geschichte wieder lebendig werden zu lassen.

Aus den Tiefen des Club kamen ihm bereits die Klänge entgegen, welche von einer Open Night kündeten. Heute durfte jeder musizieren, der sich dazu in der Lage sah, auch wenn derjenige, der just in diesem Moment am Piano saß kein Meister seiner Kunst war. Zu weich, zu verwaschen und ein wenig zu leidlich auf den Punkt. Das alles konnte er hören, während sein Augenmerk über die Tische und Sitzgelegenheiten tastete. Überall waren Menschen, die sich unterhielten, sich an kleinen Snacks gütlich taten und die etwas in angenehmer Gesellschaft tranken. Dabei lauschten sie ebenso wie er den Klängen und sie spendeten dann und wann ein wenig Applaus. Dorian setzte sich an einen freien Tisch und wurde auch sogleich von einer kleinen, adretten Kellnerin bedacht, die auf ihn zu kam und ihn frage, was er zu verzehren gedachte. Dabei war er für diesen Abend eigentlich schon gesättigt und sein Körper verspürte eh kein Verlangen mehr nach rein menschlichen Speisen. Dennoch bestellte er sich einen Scotch, doppelt und mit Eis und schenkte der Kellnerin ein Lächeln, ehe er sich weiter umsah. Der Pianist hatte sein Werk vollendet und wurde gebührend gefeiert, während sich ein weiterer junger Mann bereit machte, die Bühne zu erklimmen. Er selbst kannte diese angespannte Vorfreude, das Warten auf den Moment, an welchem die Finger leise und zaghaft die Tasten eines unbekannten Klaviers das erste Mal berührten. Weiße und schwarze Tasten, perfekt angeordnet und darauf lauernd, das ihnen die ersten Töne entlockt wurden. Der junge Mann wirkte nervös, als er ans Mikrofon trat und sich als „Davie Miller“ vorstellte, der seit fünf Jahren musizierte und den Jazz liebte. Oh ja. Auch Dorian liebte den Jazz und die Musik der 20er Jahre, in welchen er bisweilen noch schwelgte, auch wenn sie schon längst vergangen waren. In seinen Augen waren dies sichere Jahre gewesen, deren Augenzeuge er geworden war. Friedliches Leben mit einem ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Beste Geschäfte, beste Laune und ein ruhiges und geregeltes Leben im Orden. Das konnte man von der aktuellen Zeit nicht sagen.

Dorian war nicht über alles informiert, was dieser Tage im Orden vor ging, doch kannte er natürlich die wichtigsten Dinge. Doch wer konnte schon sagen, an welchen Enden der Welt die Spione und Killer der Schattenspieler operierten? Alles in allem erfuhr er es erst dann, wenn es darum ging Rechnungen zu begleichen und in der ein oder anderen Zusammenkunft. Nein, er war nicht unbedingt ein Musterbeispiel für einen Vampir an vorderster Front und das wollte er auch gar nicht sein, selbst wenn er trotz all der Arbeit die er hatte eine tiefempfundene Langeweile verspürte und sich ausmalte, wie es wohl wäre ein John oder ein Thomas zu sein. Doch diese Gedanken schüttelte er für gewöhnlich ab. In Momenten wie diesen. Davie begann zu spielen und es war überraschend, wie gut er dies tat. Kaum zu glauben, dass nur fünf Jahre Praxis hinter diesem Spiel steckten. Er selbst war perfekt am Klavier, was unzählige Jahre der Übung eben mit sich brachte. Weit über hundert Jahre waren es nun und dennoch war das Piano eine Beschäftigung für Dorian, die niemals langweilig wurde. Während die Klänge den Raum füllten, sah der Vampir sich weiter um und seine Blicke blieben schließlich an einer jungen Dame hängen, die in einer Ecke saß. An einem runden, kleinen Tisch, ganz allein und ohne Gesellschaft. Genauso wie er selbst. Sie sah ein wenig verloren aus, wie sie so dasaß und einen Bourbon trank. Auch wirkte sie innerlich aufgewühlt, was man an ihren unsteten Blicken erkennen konnte und der Art und Weise, wie sie hastig das bauchige Glas zum Mund führte. Ja, sie war angespannt und blickte ständig zu Bühne hinauf. Wollte sie spielen? Singen? Er schmunzelte in sich hinein und gönnte sich einen Schluck von seinem Scotch. Sie war eine angenehme Erscheinung, wirkte jung, wahrscheinlich ohne es direkt zu sein. Ein zeitloses Wesen, fast so wie er selbst. Er konnte selber im ersten Moment nicht sagen, was ihn an ihr faszinierte. Wahrscheinlich einfach nur die Art und Weise in der sie anwesend war. Mit angenehmen Gesichtszügen. Beobachtend lehnte er sich in seinem Sitz zurück und schaute zu der Frau hinüber, während er noch einmal an seinem Glas nippte.
Dorian am 15.8.17 22:06