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Mohn auf weißem Laken - Teil I



i am the hero of the story & i don’t need to be safed


Als junges Mädchen hatte sich die Delacrox nachmittags immer gerne auf dem Dachboden versteckt, wo sie geduldig den Mohnblumen der Mutter, die Köpfchen abgerissen und von einem Leben geträumt hatte, dass das ihrige bei Weitem überstieg.

Nachts lauschte sie immer gerne dem Regen, der wie Plastikperlen gegen die großen Fenster ihres Schlafzimmer prasselte.

Morgens. Morgens wurde Weena prinzipiell nur langsam wach und starrte in den leeren Raum. Oft lag über ihrer Netzhaut ein noch milchiger Film, der ihre Umwelt weich zeichnete und ein klares Weltbild nicht zuließ.

Sie lag da und versucht sich zu erinnern, was sie am Tag zuvor getan hatte. Still schweigend ließ sie die vergangenen Stunden, Tage und Wochen noch einmal gedanklich - vor ihrem geistigen Auge - Revue passieren, nur, um sich an die unangenehmen Dinge , die Probleme - hauptsächlich solche, die sie sich selbst konstruiert hatte - zu erinnern. Bei dem Gedanken an unfreundliche aber vor allem nervtötende Mitschüler, zwischenmenschliche Beziehungen und Existenzängste entfuhr der Blonden ein Seufzer, der irgendwo tief in ihrem Inneren entsprungen war und sie kicherte in sich hinein, sowie sie erkannte, dass sie sich in Selbstmitleid suhlte. Es war früh am Morgen. Der Morgen dämmerte leise und tauchte den Schlafsaal in ein warmes blassrosa Licht. Nachdem Aufstehen enthüllte das Spiegelbild der Französin eine lang währende Erschöpfung, die sich als ein bläulicher Schimmer auf ihren hohen und zum Teil hohlen Wangenknochen zu Erkennen gab.

Nachdem Weena alle Rituale, die zu einem traditionellen Beginn des Tages gehören, ausgeübt hatte und das Höchstmaß an Körper und Geist wieder hergestellt war, streifte die junge Blonde ihr Pyjama vom Körper und schlüpfte in ein unauffälliges, nebelgraues Dress, ehe sie aus den Schlafsaal und auch dem Gemeinschaftsraum der Schlangenschüler trat.
Ein kurzer Blick aus einen der vielen Fenster des Schlosses reichte schon, um zu wissen, dass es ein bitterkalter und sehr nebliger Morgen war, dennoch stickten Amseln eine gesangliche Arabeske auf das schrille, vielstimmige Gezwitscher der Sperlinge, als stünde der Frühling vor der Tür. Die Ländereien des Internats waren nicht mehr sichtbar. Alles war eingehüllt in ein milchig weißes Gewand aus Wassertröpfchen. Ein Gewand, dass jeden, der vor die Tür trat, keine fünf Meter weit sehen lies und somit nicht nur hinter jeder Ecke eine Überraschung lauern konnte. Die Delacrox hatte ihren Blick weiterhin starr aus dem Fenster gerichtet. Die Augen zu einem Strich zusammengekniffen, um vielleicht doch noch mehr zu sehen, als in Wahrheit zu sehen war? Vielleicht würde sich der Nebel lichten? Während Weena prüfend weiter versuchte mit ihren Blick den Nebelschleier zu lichten, band sie mit ihren Haarband das helle blonde Haar zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen und befreite ihr Gesicht von jeder Strähne, die es wagte sich aus diesen Haargeflecht zu lösen, um ihr die Sicht zu rauben. Ihr Spiegelbild - welches Ähnlichkeit vermissen ließ - prüfte sie in einem leicht verstaubten Spiegel, der irgendwo im nirgendwo von Hogwarts hing, und bei ihrer Rückkehr wahrscheinlich nicht mehr an Ort und Stelle sein würde. Sie war früher aufgestanden um ihre Ruhe zu haben und um alleine zu sein; und, um in die Eulerei zu gehen. Mehr aus Intuition als aus Pflichtbewusstsein, der lieben Familie in Frankreich einen Brief zu schreiben und diese über das Wohlbefinden ihrer Tochter zu informieren. Das hielt Weena für nicht notwendig. Im Gegenteil.
Wie immer ging sie ihren Gedanken nach, als sie durch eine Tür ins Freie trat. Die frische Morgenluft entpuppte sich als ein bisschen sehr frisch ferner erfüllte sie ihre Lungen mit einer beißenden Kälte, und Weena war keine Minute draußen, da fröstelte es sie. Doch sie würde lügen, wenn sie sagen würde, es wäre ein Versehen gewesen, denn auf diesem Weg fühlte sie sich lebendig. Der Spaziergang am Morgen gehörte eben zu den morgendlichen Ritualen der Delacrox, wie die Tasse Kaffee für jeden anderen.

Unzähligen Gedanken nachgehend stieg die Slytherinschülerin die unzähligen Treppen zur Eulerei hoch, langsam aus der Puste kommend und erleichtert, als sie endlich durch die morsche Tür in den hohen Turm trat, indem es von lauter Eulen nur so wimmelte. Mit dem Betreten des Turmes verstummten die Tiere für einen kurzen Augenblick, doch schon bald drangen wieder die vertrauten Laute in Weenas Ohr und instinktiv hob sie beim weiteren Eindringen in den kreisrunden Bau ihren Kopf und suchte die Deckenbalken nach ihrem Haustier, Seth, ab. Unter all den Schuleulen mit dem hässlich zerrupften Gefieder sollte der Sakerfalke, den die schöne Blonde von einen arabischen Fürsten bekommen hatte, doch leicht zu finden sein. Doch sie fand ihn nicht und langsam begann ihr Nacken zu schmerzen. So senkte Weena ihren Kopf wieder wobei der Blick der gläsernen Augen wieder aus dem offenen Fenster glitt und an einem großen Punkt am Horizont hängen blieb, der so gleich mit einem Kreischen, wie es für Falken üblich war, durch das Fenster flog.
Geschmeidig drehte der Greifvogel eine Runde über dem Kopf seiner Besitzerin, während diese ihn mit einem auffallend interessierten Blick beobachtete, denn an seinen Füßchen war eine Nachricht für sie angebracht. Neugierde steig in ihr auf und gleichzeitig überschwemmte sie wieder ein ausnehmendes Gefühl. Reflexartig schlang Weena die Arme um ihren Torso, beinahe so, als würde sie sich vor Schmerzen krümmen. Vielleicht war es nur die Aufregung vor dem ersten Schultag, versuchte sie sich einzureden. Doch normalerweise machte sich die Schlange nichts aus solchen Dingen. Normalerweise.
Irgendwann setzte der Greifvogel zum Landen an und streckte der Blonden sein Füßchen entgegen, damit sie ihm von der kleinen Last befreien konnte. Ihre Fingerspitzen erkannten das dünne Papier einer Zeitung. Fein säuberlich war ein Ausschnitt aus einer französischen Zeitung - sie erkannte es an den Lettern - zusammengefaltet. Hastig wurde er entfaltet und glatt gestrichen. Das Bild, welches zum Artikel gehörte versetzte die Französin in unsagbares Erstaunen. Sie erkannte die markanten und fein geschliffenen Gesichtszüge ihrer Eltern sofort. Dann stach der Delacrox ein einziges Wort so deutlich aus dem Artikel ins Auge, wie ein Messer, dass ein Mörder brutal in sein Opfer rammt. “… untergetaucht” Fragezeichen. Es war beinahe ein Schrei des Entsetzens und die Französin hielt nun mit einer Hand den Artikel und die andere - theatralisch - an ihre sich hastig auf und ab hebende Brust.
Viel zu nervös und viel zu hektisch überflog die ansonsten kühne und absolut sichere Schöne den Text. Einmal. Zweimal und wahrscheinlich noch ein dutzend weitere Male. Doch sie wurde aus dem Geschriebenen einfach nicht schlau. Unbewusst machte sie einige Schritte zurück, bis sie eine kalte Steinwand am Rücken spürte. Ihre Knie zitterten und der Papierschnippsel in ihrer Hand gewährte ihr keinerlei Halt. Weena lies sich an der Wand runter gleiten, bis sie sich am Boden wieder fand, von dem sie sicher war, man hätte ihn ihr so eben unter den Füßen hinweg gezogen. Den Zeitungsartikel legte sie behutsam auf ihre Knie. Raufte sich dabei aber weniger behutsam mit beiden Händen die Haare und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Rieb sich die Augen und schaute sich unglaubwürdig um. Ein Lachen drang aus ihrer heißeren Kehle, was aber eher verzweifelt, als amüsiert klang. Es war eine Situation von der man nicht wusste, was sie von einen erwartet, da man nicht verstand.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich das Mädchen einigermaßen wieder beruhigt hatte, jedenfalls hatte sie sich das eingeredet. Denn ihren ganzen schlanken Körper spürte sie zittern und beben. Sie fühlte sich, als hätte sie hohes Fieber. Zittrig und machtlos. Sie fasste sich mit ihren kühlen Handflächen ans Gesicht, das vor Aufregung glühte und bemerkte, dass ihre Gesichtszüge entgleist waren, wie ein Hochgeschwindigkeitszug. Da sie selbst grundsätzlich starr wie eine Statue dreinblickte, völlig Anteilnahmslos, erinnerte dieses Gesicht - welches im Moment vor Gefühlen nur so sprühte - höchstwahrscheinlich an einen Schlaganfallpatienten. Sie müsste den Artikel noch ein weiteres Mal lesen. Von Anfang bis Ende. Vielleicht würde sie verstehen. Doch auch nach dem sie ihn ein weiteres Mal gelesen hatte, verstand sie nicht und sie merkte, wie ein kleiner Teil ihres Weltbildes zu bröckeln begann. Warum waren ihre Eltern untergetaucht. Hatten sie nicht erst noch vor zwei Wochen mit ihm, dem Dunklen Lord, gesprochen? Ihm ihre eigene und auch die Treue der Familie Delacrox zugesichert? Und jetzt sollen sie geflohen sein? Jetzt sollen sie sich verstecken? Vor Ihm? Ungläubig schüttelte sie den Kopf und stellte sich unwillkürlich die Frage: “Was passiert mit mir?” Voldemort würde doch sicher nach ihren Eltern fahnden. Und nach ihr? Würde er seine Handlanger auch nach ihr suchen lassen? Würde er sie zu sich holen und sie nach dem Aufenthaltsort ihrer Eltern ausfragen? Wobei ausfragen wohl noch milde ausgedrückt war. Warum hatten ihre Eltern sie nicht mitgenommen? Das Mädchen aus dem Haus der Schlange hatte in diesem Moment mehr Angst um sich selber, als um ihre verhassten Eltern und ihr kam erst gar nicht der Gedanke, sich nach dem Befinden der Eltern zu erkundigen oder einen Gedanken daran zu verschwenden. Im Moment, drehte sich alles nur um sie selber. Oder war die eigentliche Frage, die sie sich stellen musste in Wahrheit die, warum versteckten sich ihre Eltern überhaupt vor Voldemort. Hatten sie eingesehen, dass vielleicht doch nicht alles mit rechten Dingen von statten ging und ihre Einstellung letztendlich falsch war? Alles wofür sie gearbeitet hatten sollte falsch sein? Und zum ersten Mal konfrontierte Weena Delacrox, der französische Schwarzmagiername schlechthin, sich mit der Frage: War das, woran sie geglaubt hatte, korrekt?

Jetzt machen sich Gefühle zum Sprung bereit. Jetzt will es dich. Lauf schnell weg, noch bleibt etwas Zeit. Trotz ihrer selbstsicheren Reglosigkeit verlor sie nach und nach ihre Gelassenheit. Mit einer Hand spielte sie mit einem kleinen, sehr dezenten silbernen Anhängern, der um ihren Hals baumelte.

Und über Nacht drang die Angst in die Geschichte der Weena Delacrox ein.
Weena am 21.1.10 22:52


miss delacrox & mister dragmire

END CREDITS VS DESTRUCTION

would you mind if i killed you?
would you mind if i tried to?
understand that i need to?


Er mochte es nicht. Er mochte es überhaupt nicht, zumindest nicht mehr, seinen eigenen Namen ständig aus ihrem Mund zu hören. Gift, das über ihre schnelle Zunge glitt und in seinem Gesicht den Ausdruck an Unsicherheit wiedergab, den er tief in seinem Inneren empfand. Zuvor war es für ihn eine Art … Gleichstellung gewesen. Eine Gleichstellung, den jeweils anderen beim Vornamen zu nennen. Inzwischen allerdings missfiel ihm die Tatsache, dass sie – bewusst – seinen Namen nannte. Und ihn störte das. Ebenso, wie ihn ihre Fragen störten. Die Frage nach seinem Zögern, die Frage nach seiner Feigheit. Er war nicht feige. Er brauchte auch kein Blut zu lecken. Auf diesen Satz hin hatte er die Nase kraus gezogen und just in diesem Moment war ihm aus dem Augenwinkel eine kleine Unregelmäßigkeit aufgefallen. Rot. Frisch. Wer kennt die Bilder nicht aus dem Fernsehen – im Schnellvorlauf ein Sträußchen Wildprimeln, das im Nebel der Morgenröte erblüht. So vermag man perfekt Demians Miene zu bezeichnen. Von einer Sekunde auf die nächste keimte striktes, tief aufrichtiges Entsetzen und da war wieder die leise Furcht vor der Antwort auf die Frage: Was ist, wenn sie tatsächlich … ? Er hätte versuchen können, seine Abscheu hinunterzuschlucken, aber er konnte es nicht. Und so stahlen sich einmal mehr Falten auf seine Stirn, tiefer, bedeutungsschwerer, und der halb neugierige, halb irritierte Blick in seinen Augen wanderte zurück zu den ihren, die so kühl und berechnend waren wie die Minuten zuvor.

Ihm fehlten die Worte. Ihr überaus treffender Jäger-Beute-Vergleich blieb ohne Reaktion, zumindest ohne verbale, denn rein physisch tat sich so Einiges. Wachsamkeit stahl sich in seine Sinne und ein wenig verengte er die hellen Augen, in diesen Momenten zu allem bereit, wenn sie ihn mit … mit diesem provokativen Verhalten wirklich zu einem Gegenschlag zwingen sollte. Und dann stellte sie eine Frage, die ihn kurzfristig stocken ließ. Mit Überraschung registrierte er die Einfachheit, die schlichte Neugierde in ihrer Stimme und für eine Sekunde dachte er darüber nach. „Ich … natürlich nicht. Ich würde niemals über dich urteilen, nur, weil du zögerst und weil du … weil du …“ Womit es wieder vorbei war. Unsicher hatte er gesprochen, leicht verwirrt und in die Enge getrieben wie ein am Flügel verletzter Vogel, der sich in die hinterste Ecke der Höhle presste, um den Fängen der Schlange zu entgehen. Sie erhob die Initiative, was ihn den Kopf heben und den Blick hellhörig in das hübsche Gesicht richten ließ. Und da war wieder diese Wut in den Zügen, kaum verborgen und schlecht versteckt, zumal sie offensichtlich keinen Grund hegte, ihm ihre aufrichtigen Emotionen nicht offen darzulegen wie ein gutes Set Karten.

Die Ehrlichkeit überraschte ihn positiv. In den letzten fünf Minuten hatte sie ihm irgendwo mehr als erhofft von ihrer Seele offenbart und dennoch war er keinen Schritt der Enthüllung ihres augenscheinlichen Geheimnisses näher gerückt. Allein deswegen, weil er sich vor der Antwort fürchtete. Es war sein Eigenverschulden und sie konnte ihn jetzt so intensiv dazu auffordern, wie sie wollte – dies Treffen hier in Hogsmeade war kein günstiger Zeitpunkt dafür. Etwas lag in der Luft. Später würde er es erfahren, was für anonyme Hässlichkeiten sie auf ihrer Seele mit sich herumführte, da war er sich mehr als sicher. Nur nicht heute. So reagierte er auch mit Abneigung, als sie ihm ihren Arm darbot wie ein gewünschtes Objekt der Begierde. Seine Augenbraue hob sich leicht, den Blick zunächst auf ihren Ärmel gerichtet, die eigenen Hände regungslos an der Seite verweilend. Schlussendlich lag seine Aufmerksamkeit wieder in ihrem Gesicht. Ihre Worte durchschnitten die Luft scharf, bis sie zu seinem Gehör drangen, und jede einzelne Silbe klang ebenso schmerzhaft wie es grausam war, diese direkte, explizite Rage zu sehen, die einzig und allein ihm galt. Es war nicht sein Wunsch gewesen, sie in Zorn zu versetzen … oder doch? Demian erinnerte sich nicht mehr. Er erinnerte sich an rein gar nichts mehr, außer an die Tatsache, dass er das Spiel hier gerade verlor.

Seine Fingerknöchel wurden weiß und ein Muskel zuckte in seinem Kiefer, unentschlossen, ob er ihr Geheimnis, das er dort vermutete, einfach entblößen oder sich lieber auf sie stürzen und ihr die Hände um den schlanken, weißen Hals legen sollte – denn welches Recht hatte sie, so wütend zu sein? Überhaupt keines. Wenn einer der Darsteller dieses Theater eine solche Erbitterung zeigen durfte, dann wohl der Betrogene und Verratene. Und wie sonst konnte er sich nennen, wie sonst konnte er seine Rolle in diesem Stück der Hochmütigkeit bezeichnen? Denn letzten Endes hatte sich ein Parasit unter das Volk gemischt, hatte sich direkt in dem Herzen von Demians Sein eingenistet. Ein Mitesser, ein ekelhaftes Insekt aus fernen und doch so vertrauten Landen. Nett anzusehen und nett zu verachten. Seine Nase zog sich kraus, nichts regte sich sonst mehr abgesehen davon, dass sich der stolze Kopf noch ein wenig hob – ein Zeichen der Missbilligung. Wäre die Situation nicht ernst – und das war sie in seinen Augen – würde er ihre Offensive müde belächeln und ihr mit Sarkasmus begegnen. Aber sie ließ ihn seinen Spott vergessen, machte ihn ratlos. Und aggressiv zugleich.

Umso erleichterter schien er zu sein, als sie es einsah, dass er … dass er … dass er was? Zu feige war, sich der Wahrheit zu stellen? Was es auch war, das ihr dieses Gespräch wie eine Last vorkam – ihm kam es durchaus gelegen. Er würde später darüber beruhigt seufzen und sich einreden, wie gleichgültig es ihm doch sei, dass sie ihn nun für einen Feigling hielt. Aber das würde nicht der Fall sein. Denn irgendwann – morgen, nächste Woche, in einem Jahr – ja, irgendwann würde er Gewissheit haben, ob er sich nun danach sehnte oder nicht. Doch er fuhr unmerklich zusammen, kaum dass sie ihm ihre Hand hinhielt. Was war? Hielt sie es nun für angebracht, die Begrüßung zu beenden? Offensichtlich. Diese wilde Entschlossenheit in den eiskalten Augen erwiderte er mit einer unterkühlten Taxierung, einer für ihn beinahe wieder klassischen Einschätzung und er hoffte so sehr, dass er langsam er selbst wurde. Wieso hatte sie ihn so aus dem Konzept gebracht? Die Antwort darauf würde er später finden, nicht jetzt, denn gerade wollte er nur eines – seinem Wunsch nach einer formvollendeten Begrüßung nachkommen, die der Etikette entsprach.

Er berührte ihre Hand mit der eigenen, legte die Finger fest um die zarte, blasse Haut und ließ einen entschlossenen Druck in seinen Griff miteinfließen. Sein Blick war hart, fast streng. Für eine Erwiderung blieb ihm keine Zeit, nur ein leises Nicken konnte man sehen von seiner Seite aus, und dann war die kleine Sekunde der Gleichstellung, der stumme Versicherung eines baldigen Wiedersehens, bereits vorbei. Die Warnung des Wahnsinnigen nahm Demian Dragmire nur halbherzig wahr. Was er wahrnahm, das war die Schönheit, die ihm gerade entglitt und die ihm mehr von sich selbst offenbart hatte als er gerade verarbeiten konnte. Seine Hände verschwanden zurück in die Taschen seines Mantels und sicherlich stand er noch eine lange, gute Minute dort, bis dass er sich dazu entschloss, zu der Gruppe der Hogwarts-Schüler zurückzukehren. Diese Nacht würde er interessante Dinge zum Sinnieren besitzen, soviel war sicher.

Denn es gab genug zu überlegen, wie er die nächste, zweisame Farce für sich entscheiden konnte.
Demian am 19.1.10 23:05


BIS AN DAS ENDE DER ZEIT - TEIL IV

"Ihr Kuss entzieht Dir alle Macht.
Schwarz wie der Tod
Süß wie die Nacht"


Eigentlich hatte sie es gewusst. Sie hatte es geahnt. Ihr Gefühl hatte es ihr bereits in dem Moment verraten, als sich die Krallen des beeindruckenden Greifvogels um ihr zartes Handgelenk schlossen und sie in das Zwielicht drängten. War es Intuition oder war es schlicht und einfach, dass sie es gewusst hatte. Sie bildete sich nichts ein. Sie sprach dem jungen Mann nicht mehr Mut zu, als sie von ihm erwartete. Welcher Zauberer würde nicht zurückschrecken, würde es sich nicht zwei Mal überlegen? Würde den leichteren Weg gehen, denn es war doch um einiges leichter unwissend zu sein. Die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Sich wegzudrehen. Selbst wenn die Tatsache so rot vor dem Gesichtsfeld kriecht und sich wie Säure heiß ins Fleisch brennt. Doch man ignoriert es gekonnt. Denn es passt nicht in diese Welt. Es würde das Weltbild durcheinander bringen, was man sich aufgebaut hatte. An welches man aus tiefstem Herzen geglaubt hatte. Ein neuer Plan müsste her. Wähle den einfachen Weg. Die Kontrolle zu verlieren, das durften wir nicht, doch der Greifvogel war dabei die Kontrolle über sich zu verlieren. Im Sturzflug gen Erde. Was für ein Anblick. Ein Anblick, der es den Muskeln der Slytherin erlaubte sich zu entspannen. Wie es schien, änderte der Wind seine Richtung. Sorge, Beklemmung und Furch schimmerten hauchzart in den hellen und klaren Augen des Ravenclaws wenn auch nur für einen Augenblick. So vergänglich. So nah und doch in weiter Ferne erschien ihr dieser Junge, der doch so gerne wissen würde. Seinen Wissensdurst würde das blonde Gift vielleicht löschen können, wenn er geschickt vorgehen würde, doch auch hier hatte sie das Gefühl, dass er sie enttäuschen würde. Doch sie sah noch Stärke in ihm, und ihr Gefühl könnte sie in die Irre führen. Noch glaubte sie an den fremden Jungen.

Die Delacrox musste sich eingestehen, dass in ihrem Inneren ein Orkan getobt hatte. Für einen Moment regierten Zorn und Wahn in ihrem Kopf und ihr Geist war ihr Untertan. Doch mit jedem weiteren Atemzug ebbte auch der Sturm ab. Aber nicht nur dir Schlange hatte mit den inneren Unruhen ihrer selbst zu kämpfen. Das Gesicht Demians blieb zwar starr und regungslos, wie das eines Porträts, doch seine Muskeln hatten sich wie die ihren angespannt. Ging sein sonst ruhiger Atem nicht auch ein oder zwei Atemzüge rascher? Doch letztendlich war das nicht wichtig. Denn diese Zeichen waren Beweiß genug, dass ihre Worte Wirkung gezeigt haben und zeigten, denn sie lösten in dem Jungen ungeahnten Zorn aus, den er mit seinen wispernden Worten blühenden Ausdruck verlieh; und dieses Verhalten, dass er im Moment an den Tag legte zeigte der Französin auch, dass sie eine gewisse Macht hatte und ausüben konnte. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, denn sie unterschätze den Jungen ihr Gegenüber nicht, gewiss nicht, schließlich war die Delacrox nicht dumm, ganz im Gegenteil.
Doch wie sehr es die junge Hexe des Schlangenhauses genoss, die Zügel für einen nicht lang andauernden Augenblick in den Händen zu halten, konnte man nur erahnen. “Demian, wie kann es sein, dass Du noch zögerst?”. Die Stimme, so klar und stark wie ein Fluss. Vielleicht würden die Fluten den Zauberer mit sich reisen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wieder schwang dieser Hauch von Provokation in ihrer Stimme mit und zufälligerweise legte die Delacrox außerordentlich Wert darauf ihrem letzen Wort eine ganz besondere Betonung zu schenken. Die Slytherin wusste genau, wie sie mit ihrer Stimme umgehen musste. Sie wusste um die Macht die Worte hatten und sie wusste, wie sie diese Macht zu ihrem Nutzen auskosten konnte. In dieser Hinsicht war sie sich selbst die Nächste, wie so oft. Und wie könnte man diese vor Provokation und Herausforderung nur so triefenden Worte besser betonen, als mit einem theatralisch gespielten, enttäuschten und betont langsamen Schütteln des Kopfes, wobei das goldene Haar spielerisch in das schattenhafte Gesicht der Französin zurück fiel, da ihm das Ohr einfach keinen Halt gewährte. Reglos hingen beide Arme neben dem schlanken Körper der sich gerade an die Hauswand lehnte und nach einer Stütze suchte. Ein weiteres Mal folgte der Blick ihrer emotionslosen Augen dem Blick des Zauberers, der seinen Blick auf einen ihrer Arme geheftet hatte.

Die dunklen Schwingen des Tages brachen über den zwei Wesen herein, als sie nach nur wenigen Augenblicken, die wahrscheinlich einer Ewigkeit glichen, voneinander ab ließen und beide überschwemmte in diesem Moment eine unausgesprochene Erleichterung, die man lediglich an dem erlösten Aufatmen und dem Entspannen der Nerven erkennen konnte. Mir einer der nun freien Hände fuhr sich die Delacrox über den Arm und das Handgelenk, nicht weil Demian ihr Schmerzen zugefügt hatte, im Gegenteil. Aber seine Berührung brannte noch weiterhin heiß auf ihrer Haut und das Gefühl was die Berührung hinterließ war ihr unangenehm, denn es verursachte weiter hin das Gefühl, das sie fühlte, während sie von dem Greifvogel in die Enge getrieben wurde. Sie fühlte seine Präsenz und dein heißen Atem auf ihrer Haut, als würde er weiterhin nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt stehen, und diese Präsenz, die sie von Innen her ausfüllte. Wie ein Zahir. Doch gegen diesen Gedanken sträubte sich die Slytherin gedanklich sehr, denn sie dürfte nicht zulassen, dass Demian Dragmire zu ihrem Zahir werden würde, nicht jetzt. Nicht nach dem, was war. Um der unsichtbaren Präsenz zu entfliehen machte das Mädchen ein oder zwei Schritte zurück, ehe sie sich an der Wand wieder fand. Doch dem Gefühl konnte sie dadurch nicht entgehen.
Wie gesagt, es hatte sie nicht gewundert, dass er letztendlich doch zurück gewichen war und das sein Wille mit der Zeit schwach wurde. Weena machte das Fehlen an Erstaunen und Verwunderung deutlich, in dem sie ein langsames wissendes Nicken andeutete und auch ohne Worte machte sie deutlich, dass sie es bereits gewusst hatte. Schweigend verschränkte sie ihre Arme wieder vor der Brust und atmete tief ein und aus, wobei das Ausatmen einen gedehnten Seufzen glich.

Es war eher Zufall, dass Weena den sanft heißen Rinnsal ihres eigenen Blutes entdeckte, der unter dem Ärmel ihres Mantels hervortrat, sich geschmeidig um ihr Handgelenk schmiegte und es umschmeichelte und dann in ungeraden Linien die Züge ihres Daumens nachzog. Es war nur ein einziger Tropfen. Der jungen Hexe war nicht bewusst, ob dieser Tropfen von dem Ravenclaw bereits entdeckt wurde oder ob es für sein Auge immer noch verborgen war, da er sich so sehr auf das Mal der Todesser konzentrierte, das Mal, dass die treusten Anhänger und Diener von Lord Voldermort trugen. Eingebrannt in ihre Haut auf dem Unterarm, bereit zu brennen wie Feuer, wenn der Dunkle Lord nach ihrer Anwesenheit verlangte. “Du hast immer noch kein Blut geleckt. Doch kannst Du das Verlangen was in deinen Augen brennt nicht verbergen. Ich sehe es und ich spüre es. Warum stillst Du nicht Deinen Durst, Demian?” Wie gesagt, Weena wusste, was sie zu sagen hatte und wie, dabei legte sie Wert darauf den Hogwartsschüler jedes Mal aufs Neue direkt beim Namen anzusprechen um ihn jedes Mal aufs Neue mit ihrem Netz einzufangen und ihn Teil der Situation werden lassen. Auch wusste sie um die Macht von Gesten und so zogen sich beide Mundwinkel zu einem süffisanten Lächeln zusammen, das sogar Judas in der Hölle Konkurrenz gemacht hätte. Sie machte es ihm nicht leicht. Eigentlich machte es die Französin nie jemanden leicht, nicht einmal sich selber. Sie log sich an, doch irgendwann war es letztendlich auch genug.

Seine wispernde Stimme war kaum lauter wie das Flüstern eines Unheil voraussagenden Windes. Eines Windes, der die Ruhe vor dem Sturm ankündigte. War das tatsächlich die Ruhe vor dem Sturm? Musste sich die Mademoiselle noch auf etwas gefasst machen, oder hatte Demian all seine Kraft und all seine Entschlossenheit und Mut auf einmal verloren und verbraucht? Wie Kraftvoll oder Kraftlos war er nun wirklich? Seine vor wenigen Augenblicken ausgesprochenen Drohungen, seine dunkle Seite betreffend, erzielten nicht die vielleicht gewünschte Wirkung. Er hatte ihr gerade in diesem Moment bewiesen, dass sie nicht viel Wert auf seine Worte, Drohungen und Herausforderungen. Mit dem Freigeben ihrer beiden Hände hatte er ihr jede Angst genommen, doch den gewissen Grad an Respekt, den sie ihm gegenüber hatte, hatte sie dennoch noch nicht verloren. “Erkläre mir Demian. Wie kann ich dich als etwas anderes, als einen Feigling bezeichnen? Du schreckst vor etwas zurück von dem Du nicht einmal weißt, ob es tatsächlich existiert. Du lässt Dich von der Angst der Masse leiten, was jemand anderes sagt. Lässt Dich blenden. Fest entschlossen warst Du dieses Geheimnis zu lüften und Dich von dem zu überzeugen, was Du eigentlich schon weißt. Oder glaubst zu wissen. Du warst fest entschlossen es zu tun. Solche Entschlossenheit habe ich noch nie gesehen. Und dann schreckst du zurück. Zuckst. Gehst in Deckung. Wie ein Kaninchen vor der Schlange windest Du Dich in Angst.”
Weena war weiterhin an die dunkle Wand gelehnt, als sie diese Worte aussprach. Ihre Arme waren ein weiteres Mal vor der Brust verschränkt, doch ihr Blick war auf den Boden gerichtet. Während sie sprach hatte sie den Strauß Vergissmeinnicht, den einzigen Blumen in der Gasse, ihre Aufmerksamkeit geschenkt, unfähig dem Ravenclaw in die Augen zu blicken. Doch letztendlich blickte auch sie auf. In ihrem unterkühlten Blick lag eine Frage, und diesmal fand die Delacrox auch die Stimme diese Frage mit ihren Worten zu beflügeln. “Würdest Du mich nicht ebenso als einen Feigling bezeichnen, würde ich auf die Art und Weiße agieren wie Du es tust?” In ihrer Stimme lag kein Vorwurf. Keine Feindseeligkeit. Keine Provokation. Es war eine schlicht und einfach gestellte Frage, die nach einer ehrlichen Antwort verlangte.

Dann setze sich die junge Frau in Bewegung. Wie eine Schlange. Graziös. Langsam. Anmutig. Schritt für Schritt weiter auf Demian zu, seine Nähe aufsuchend und wieder dem Tanz gleichend, den er scheinbar so sehr verabscheute. Seinen letzen Monolog hatte sie gerade noch gehört und ihre Gesichtszüge verdunkelten sich ein weiteres Mal, als sie seine letzen Worten lauschte, die vielleicht gar nicht für sie bestimmt waren, doch das tat jetzt nicht zur Sache, denn sie hatte sie gehört. „Warum ist deine Position in diesem Spiel so unklar? Du entfernst dich von den anderen und man zerreißt sich das Maul über dich – könntest du es mir leichter machen, dich als Widersacherin anzusehen?“. Der Atem der Slytherin ging schwer und sie in ihrer Bewegung inne. Den Blick wieder gedankenvoll zu Boden gesenkt, auf die dunklen und dreckigen Pflastersteine. “Ich sehe, meine Worte haben schwer gewogen. Doch erwarte keine Entschuldigung.” Bedrohlich ruhig war die Stimme. Jedes einzelne Wort formte die Blonde intensiv mit ihren Lippen nach und spie es aus ihrer Kehle, wie Gift einer Schlange. Den Wutentbrannten Blick richtete sie unerwartet schlagartig direkt in das Gesicht des Jungen, der ihr wieder gegenüber stand. “Du willst mich als Widersacherin ansehen? Ich werde es Dir einfach machen”
Ihre Stimme klang blechern, leicht metallisch und unruhig. Ein leichtes Zittern schwang in ihrer Stimme mit und sie streckte Demian ihren linken Arm ruckartig entgegen, mit der Handflächen nach unten. “Siehe nach! Überzeuge Dich und ich schwöre Dir ich werde zu Deiner Widersacherin auf Leben und Tod!”
Das einzige was er vorfinden würde waren die Blessuren, die ein Raubtier ihr zugefügt hatte und das andere hatte sie geöffnet. Doch das konnte er nicht wissen, und würde er ihr ausweichen, dann würde sie ihm selber von ihrer Bösartigkeit überzeugen und ihre Unterarme vor ihm entblößen.

Doch eigentlich war die junge Frau das Spielchen mittlerweile leid. Demian führte sie an der Nase herum und machte sie zum Narren. Eiskalt war der Blick der Blonden, als sie ihre Arme zurückzog und sie vor ihrem Brustkorb verschränkte. Weena musterte ihn gespannt und ein Schweigen schlich sich unter die beiden Zauberer wie ein hungriges Tier. Die Delacrox machte einen Schritt auf den Jungen zu und streckte ihm ihre Hand hin. Ihr Blick war fest auf seine Augen gerichtet und zeugte von einer wilden Entschlossenheit. "Weena Delacrox. Hat mich gefreut deine Bekanntschaft zu machen, Demian". Wieder legte Weena besonders viel Wert darauf seinen Namen mit ihrer klaren Stimme besonders hervorzuheben. Ehe er was erwidern konnte, wandte sich die Slytherin um und machte sich auf den Weg zurück zum Schloss, dem Irren, der wild umher schrie folgte sie lediglich mit ihren Blick und als er vorbei gerannt war blieb sie stehen und schenkte Demian einen viel sagenden Blick. Der Anflug eines boshaften Lächelns umspielte wieder die Lippen der Französin, doch schon mit dem nächsten Windhauch versteinerten sich ihre Gesichtszüge und die Maske ward wieder aufgesetzt. Zufrieden setzte sie ihren Weg fort und die angefangene Begrüßung war nun formvollendet.

"there is a place in my arms - where you can stay
it takes your fear
it eats your pain"


e n d e
Weena am 19.1.10 23:04


miss delacrox & mister dragmire

I WISH YOU COULD SEE THE WORLD THROUGH MY EYES

FEAR, NOUN - a painful emotion excited by danger; apprehension of danger or pain;
alarm; solicitude, anxiety; that which causes alarm; risk or possibility;

reverence or awe.


Er rechnete fest damit. Er rechnete fest damit, irgendein Anzeichen ihrer finsteren Zugehörigkeit auf dem blassen Unterarm zu erkennen, wenn er denn nur den einen Schritt wagen würde. Links oder Rechts, davon hatte er keine Ahnung, aber es musste da sein. Es ging ihm nicht gut. Er fühlte sich elend, so nah bei ihr zu stehen – denn je mehr sich die Distanz verringerte, desto … desto eher fürchtete er sich davor, in ihrem Netz gefangen zu gehen. Sie wirkte nicht bedrohlich, keinesfalls. Aber da war etwas, und dieses Etwas gefiel ihm nicht sonderlich gut, weil er kaum fähig war, es einzuschätzen. Bekannt als berechnend, informiert und reaktionsschnell, spürte Demian, wie ihm langsam und qualvoll die Kontrolle entglitt. Was war es, das ihn so verunsicherte? Ihre Worte? Ihre Selbstsicherheit? Er war kein Feigling. Wie einfach es war, sich diesen Satz mental zu zuwispern wie man sonst nur dem ärgsten Feind Todesandrohungen ins Gesicht zischt. Beherrsch dich, sieh einfach nach, vergewissere dich – und doch ging es nicht. Die Bedenken, die sie in seinem Zögern lesen konnte, tänzelten spöttisch in seinem Kopf herum, vernichteten jeden einzelnen, logischen Sinnesgang. Ah, ja – wo war sie hin, die Logik? Die Präzision? Die … die Vernunft? Nein, es ging ihm wahrlich nicht gut. Und aus welchem Grund er sich so mitreißen lies, vermochte er letzten Endes nicht zu sagen. Sie und er, sie kannten sich nicht. Zwei völlig Fremde. Aus welchem Grund hatte er vor, das Ganze persönlicher zu gestalten? Nur, um sicherzugehen, dass sie nicht zu jenen gehörte, die seiner Art nach dem Leben trachteten? Was war schon die Gewissheit um diese eine Person? Was würde sie ihm nützten? Gar nichts.

Ihre Anspannung entging ihm nicht – nahm sie die seine wahr? Sein Gesicht blieb hart, unnachgiebig, und dennoch existierte da dieses finstere Schimmern der Sorge. In der Tat, was nützte es ihm, Weenas Geheimnis zu entlüften? Innerlich strafte er sich selbst für seine Torheit. Hätte er sie nicht einfach in Ruhe lassen können? Hätte er nicht einfach strikt in den Laden gehen, und um Reparatur des Erinnermichs bitten können? Hätte sie für ihn nicht einfach Mademoiselle Delacrox sein, ihre Zugehörigkeit ignorieren können? Er wollte nicht, dass sie ihn ab diesem Zeitpunkt als den Jungen in Erinnerung behielt, der so erpicht darauf war, ihr die finstersten Geschichten zu entlocken. Es dürfte keine großen Folgen mit sich führen – denn wer war er schon im Gegensatz zu ihr? Das allerdings änderte nichts daran, sie aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ganz und gar nicht war es in seinem Interesse, dieser kühlen Schönheit auf den Korridoren zu begegnen und um die Abneigung zu wissen, die sie ihm entgegenbringen würde. So wie jetzt. Ihre Rage umspülte ihn wie die unruhigen Wellen an der Küste die unförmigen Felsen umgaben. Die Wut, die sie empfand, hätte sie nicht deutlicher zum Ausdruck bringen können als durch ihre eiskalten Augen. Ein frostiges Feuer, fern von jeder Wärme und doch die Hitze kennend – nur auf eine viel kältere Art. Sie ließ ihn daran teilhaben, zwang ihn dazu und unter dem Zorn in ihrem Blick fühlte er, wie sich seine Muskeln anspannten. Wer war er, dass er sich von ihr unterkriegen lassen würde? Nur, weil er zögerte, sich zu vergewissern … hieß das gleich, dass er sich vor ihr und den Folgen fürchtete? Der Grat zwischen beiden Seiten schien schmaler zu werden.

Sie stieß auf keinen Widerstand, als sie den Arm ein wenig anwinkelte. Nein, er gab ohne eine Sekunde zu überlegen nach. Ihr Gesicht war dem seinem zu nah, viel zu nah, doch er unterband das Gefühl des Unbehagens. Die unnahbare Prinzessin ließ ihre Maske splittern und wenn sie sich bereits soweit befand, lag es an ihm selbst, sie ein wenig weiter in die Enge zu treiben oder gar sich nicht wahnsinnig zu lassen. Aber ihre Worte … wie konnte es ihm gelingen, der leisen Provokation zu entgehen? Überhaupt nicht. Seine Brauen zogen sich zusammen. Angst? Er? Oh, sie konnte nicht ahnen, was für eine Angst er empfand. Nicht vor ihr – noch immer nicht. Nur vor dem, was hinter ihrem gebrechlichen Rücken lauerte. Arrogante Gesichter mit so hasserfüllten Mienen, dass sie kaum noch menschlich erscheinen. Erhobene Zauberstäbe, an der Spitze grünes Licht gesponnen, jedem Befehl des dunklen Lords gehorchend. Er musste sich entfernen. Jetzt. Irgendwie. Bloß wie entkam man diesem intensiven, überreizten Ausdruck in den unterkühlten Augen? Es lag nicht in seinem Sinne, sich nun wegen dieser einen Begegnung auf dünnes Eis zu begeben. Letzten Endes brauchte es nur ein, zwei unvorsichtige Schritte und die Schicht würde brechen. Was darunter lauerte, wollte er sich nicht vorstellen.

„Wag es nicht, mich auch nur andeutungsweise als naiven Feigling zu betiteln“, entgegnete er schließlich mit einer leisen Stimme, noch weniger als ein Wispern und erfüllt von genug Verbitterung, um ihr seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Seine Lippen bewegten sich kaum, da war nur der direkte, finstere Blick, der ihr all diese Dinge erzählte, die er nicht auszusprechen wagte und die keinen Sinn ergaben. Denn was hatte er in ihrer Welt zu suchen? Gar nichts. Er sollte sie nicht einmal mit der Fingerspitze berühren, geschweige denn mit der gesamten Hand. Sein Griff lockerte sich, der Druck ließ nach, seine Finger schlängelten wieder hinab bis zu ihrem Handgelenk. Rückzug? Rückzug … war das nicht die einzige Rettung, die sich ihm bot, um diese Farce nicht zu einer Misere zu gestalten? Beruhige dich, flüsterte er sich selbst zu und das Gewicht des sonst so leichten Zauberstabs wiegte ungeheuer schwer in der Innenseite seiner Jacke. Wieso projizierte er seinen Hass zur engstirnigen Reinblütigkeit und seine Furcht vor der endgültigen Separation auf dieses eine einzige Mädchen? Sie tat besser daran, ihn nicht herauszufordern, das war gerade alles, was er wusste. Und dennoch –„Lasse Deinen Worten Taten folgen, Demian.”

Kein bessere Vorlage hätte sie ihm liefern, kein bittersüßer Tonfall hätte den Geduldsfaden spannen und zerreißen können. Ihre Nähe umschmeichelte ihn wie kostbarer Kaschmir einem das Gefühl verleiht, ihn des Tragens nicht wert zu sein. Ehe es ihm gelang, sich zur Ruhe zu rufen und nicht seine Abscheu gegen die Reinblut-Ideologie weiterhin auf sie zu projizieren, ging er ihr in die Falle. Vergessen war die Vorsicht, untergraben die Angst vor der Ungewissheit. Erneut umgriff er ihren Unterarm, intensiv genug dieses Mal, um mit dem Druck, den die Spitzen der schmalen Finger ausübten, die trockenen Blessuren zu öffnen. Ohne überhaupt um sie zu wissen. Er erahnte das dunkle Mal dort an jener Stelle, an der sich nicht mehr als die Wunden befanden. Wunden, die ihr ein einfaches Tier zugefügt hatte, dem kein Angriff im Sinn herumgegangen war – nur der Gedanke, die Klauen bis in das verletzliche Fleisch zu schlagen, um dem Fall zu entgehen. Ebenso, wie es nun Demian tat. Ein Greifvogel bleibt ein Greifvogel – selbst wenn nach der letzten, aus der Haut gezerrten Feder nur noch das reine Skelett übrig bleibt. Ohne Schale, ohne Schutz. Schlicht und ergreifend so nackt, wie er sich nun ihr gegenüber fühlte, wenn man seine Gefühlswelt hineinzog. Wieso ließ er sich so gehen? Wo war die Kontrolle hin? Da war kaum noch etwas übrig. Zerfressen wie ein eingefallener Kadaver von seiner eigenen Rage.

„Oh, Weena, ich schwöre dir bei Gott, du wirst noch genug Taten zu sehen bekommen. Du wirst deine Erinnerung an mich vergessen, denn sollte ich dich nur einmal entdecken, wie in der finstersten Ecke kauerst und Flüche wisperst, zeige ich dir meine dunkle Seite. Und du wirst sie verachten, lass dir das gesagt sein.“ Nicht mehr als ein düsteres Zischen. Ihre Selbstsicherheit verärgerte ihn, ihre Worte zuvor hatten ihr Ziel nicht verfehlt. Wer war sie, dass sie das Recht hatte, so über ihn zu richten? „Versuch gar nicht erst, mein Leben von innen heraus zu vernichten, indem du dich in meinem Zuhause einnistest – ganz wie ein Parasit, der das Beste zum Absterben bringt.“ Nach diesem einen, letzten Satz, ah, er war tatsächlich so kurz davor, ihr ins Gesicht zu spucken. Er wollte nicht gereizt sein, die Wut lag ihm fern, war er doch sonst seine eiskalte Gleichgültigkeit gewohnt. Was war das für eine unangenehme Wirkung, die sie auf ihn ausübte? Eine Wirkung, durch die er sich nicht einmal bewusst wurde, während seiner fieberhaften Worte näher gerückt zu sein. Die Realität fing ihn ein, noch während er ihren warmen Atem in der Luft spürte. Wie viele Zentimeter sich genau zwischen den zwei hellen Augenpaaren befanden, vermochte er nicht zu sagen – aber es war nah, wieder viel zu nah. Für einen Moment stockte er; deutlich genug, um sie physisch einzubinden, denn der Griff um ihren Unterarm lockerte sich einmal mehr. Endgültig. Sein Blick senkte sich eine wertlose Sekunde lang, doch auch eben nur diese wertlose Sekunde, denn länger vermochte er den Augen aus Eis ihm gegenüber nicht zu entgehen. Er durfte sich nicht aufregen. Emotionen hatten nichts mit Vergewisserung zu tun. Rein gar nichts.

Ihre Hand entglitt ihm, ohne, dass er der Sache wirklich gewahr wurde. Zwei, drei Schritte wich er zurück, doch nicht um ihretwillen, sondern um sich selbst Raum zum Atmen zu verschaffen. Ein tiefer Atemzug durch die Nase folgte und die Luft wurde rasch wieder durch den leicht geöffneten Mund entlassen. Er zwang sich nicht selbst dazu – es war der Wunsch nach Information, der seinen Blick wieder an ihren Unterarm heftete, auf dem verborgen unter der Kleidung etwas lauerte, etwas, das er sich wünschte, dort zu sehen. Wieso … hatte er nicht nachgesehen? Undurchsichtig wandte Demian den Kopf zur Seite, fuhr sich mit der Hand durch die dunklen Haare und schloss für einige Momente die Augen. „Warum ist deine Position in diesem Spiel so unklar? Du entfernst dich von den anderen und man zerreißt sich das Maul über dich – könntest du es mir leichter machen, dich als Widersacherin anzusehen?“ Ein leiser Monolog, bestehend aus drei mutlosen Sätzen. Es erschien unmöglich, ihre Gesinnung zu erfahren, herauszufinden, ohne, sie wirklich zu kennen. Momentan war da kein Schwarz und Weiß mehr. Das Leben bestand aus Graustufen, etwas anderes hatte ihn diese kleine Torheit soeben nicht gelehrt. Wieder schlug er die Augenlider auf, das vereinsamte Sträußchen Vergissmeinnicht im Blickfeld. Zarte Falten suchten seine Stirn heim.

Was war ihm nun geblieben? Unergründete Abneigung und kein Stück Gewissheit.
Demian am 19.1.10 23:02


BIS AN DAS ENDE DER ZEIT - TEIL III

"Ich weiß, wer ich bin
Ich weiß, wer ich war
Aber ich weiß nicht, was über mich kam
Und nicht mehr, was damals mit mir geschah...


Weena Delacrox. Die Ahnungsvolle. Die scheinbar Warnende und nutzlos Warnende. Ist sie wahrhaftig immer ganz unschuldig an dem Unheil, dass sie mit hell klingender Stimme voraussagt? Ist sie tatsächlich die Schuldige? Die Angeklagte, der ein Unheil bringender Renommee nachgesagt wird? Wer entwirft dieses Bildnis der blonden Schlange, deren Augen wie klarere Saphire und Sternenstaub funkeln, deren Lächeln so sonderbar auf den Lippen entsteht, das in dem puppenhaften Gesicht mit den boshaften Zügen als nicht angebracht erscheint. Es ist lediglich eine fixe Meinung. Eine fest Ideologie, die in den Köpfen der Hexen und Zauberer fest verankert ist. Sie lastete bereits auf ihren Erzeugern und Erziehern wie ein altes Orakel. Jetzt sollte sie weiter gegeben werden, egal wie, aber sie musste alle auf dieser Welt lebenden Wesen erreichen.
In diesen Wesen zeigte sich ein Widerspruch, der in ihren Körpern tobte; nämlich trotz der Weltanschauung und der engstirnigen Lebenseinstellung, die einem mehr oder weniger auferlegt wurde, sich dem Einfluss zu entziehen, da man nicht so sein wollte, wie jemand anderes einen einschätzte. Man wird das Gegenteil, allerdings nur mit Hilfe des Anderen. Somit stellte sich die Mademoiselle irgendwann im Laufe der vergangenen Augenblicke die vielleicht alles entscheidende Frage, wie der Andere, ihr Gegenüber, Demian Dragmire, sie nun einschätze. Gefährlich? Fürchtete er sich vor ihr? Sah er sie als ebenbürtig an? War er sich der Skrupellosigkeit bewusst oder hatte er lediglich Respekt vor der Ungewissheit, die sie wie ein feinmaschiges Netz umgab. Oder hegte er gar Hoffnung? Hoffnung auf eine lichte Seite. Hoffnung, sie zu entdecken oder sie ihr zu entlocken? Wieder musste sich Mademoiselle Delacrox mit keiner Antwort zufrieden geben und einfach auf ihre Gedanken und ihren Instinkt vertrauen. Die Schlange hatte keine Angst vor der Greifvogel. Sie kannte seine Fähigkeiten. Wusste, dass er ein aufmerksamer und äußerst guter Schüler war und das, was er in der Theorie gelernt hatte, konnte er sicherlich auch in der Praxis umsetzen. Sie konnte ihn bis zu einem gewissen Grad einschätzen, das nahm ihr die Furcht, die sie bis zu einem gewissen Grad umgab.

Es schien fast so, als würde sich Demian auf eine gewisse Art und Weise unwohl in seiner Haut fühlte. Es machte auch den Anschein, als wolle er sich wieder von ihr abwenden, weil er keine für ihn zufrieden stellende Antwort bekommen hatte? Weil sie ihn durchdringlich und weiterhin ununterbrochen beobachtete? Weil es in ihrer Erinnerung scheinbar kein Platz für den gut aussehenden und talentierten Ravenclaw gab? Weena gab ihm viele Gründe , warum er sich einfach von ihr hätte abwenden können um seinen Weg fortzusetzen, doch etwas hielt ihn davon ab und was das war, würden beide früher oder später noch herausfinden. Er legte eine berechende und wachsame Miene an den Tag. Stille Wasser sind tief, nicht wahr? Davon würde sich die Mademoiselle bald selber überzeugen können. Dieser junge Mann lies sich genauso wenig in die Irre führen wie sie. Sollte das nun ewig so weiter gehen? Denn - und dessen konnte man sich sicher sein - würden die Beiden dieses - im Grunde nicht vorhandene - Mienenspiel fortsetzen, so würde es sich bis in die Endlosigkeit hinziehen. Beide machten keine Miene zum bösen Spiel. Ein kleines Bündel an violetten Blumen fiel Weena auf. Die Blumen wuchsen an der Ecke des alten Hauses, dessen Gemäuer den Laden Derwisch & Banges formten. Ungewöhnlich war der Anflug des Lächelns, indem sich ihre Mundwinkel zusammen zogen als sie erkannte, dass es sich um Vergissmeinnicht handelte. Welch Ironie.

Natürlich war es die Absicht der Slytherin gewesen Demian mit ihren Worten zu provozieren, wie hätte es auch anders sein können. Wie ein Kind musste sie ihre Grenzen austesten. Sehen wie weit sie gehen konnte, was sie sagen durfte, bis er endlich die Fassung verlieren würde . Sie war sich sicher, dass dieses Unterfangen sie einiges an Zeit kosten würde, aber sie war sich ebenso sicher, dass es sich lohnen würde, denn das Ergebnis würde sie gewiss mehr als zufrieden stellen. Er wendete sein schönes Antlitz von ihr ab, doch Weena vermochte nicht diese Geste zu deuten. Stattdessen blieb sie weiterhin die stille, hoch gewachsene und graziöse Beobachterin, die makellos wie eine Statue aus den Gärten von Versailles wirken konnte, wenn sie es nur wollte. Doch in diesen Moment, wo sie sich unbeobachtet fühlte, da Damien doch seinen durchdringenden Blick von ihr abgewandt hatte, wollte sie es nicht mehr. Das 17 jährige Mädchen sollte Überhand gewinnen, die heranwachsende junge Frau sollte zum Vorschein kommen. Doch in dieser Hinsicht glich ihr Inneres einer Achterbahn. Es ging hoch und runter und ebenso unentschlossen präsentierte sich auch die Delacrox, die sich innerlich für diesen Mangel an Konzentration und Selbstbeherrschung ohrfeigte, denn die ganze Situation brachte sie in gewisser Hinsicht aus der Fassung, und das durfte sie nicht zulassen, denn das würde Schwäche bedeuten und sie war n i c h t schwach. Reflexartig hob sie ihre rechte Hand und fuhr sich durch das lange Haar, dass in der Sonne Englands goldbraun schimmerte. Sie musste etwas mit sich anfangen, um ihr Innerstes zu beruhigen. Trotz aller innerer Unruhe entging eines dem aufmerksamen Blick der kristallblauen Augen nicht, nämlich die abwechselnde, flüchtige Musterung ihrer Unterarme. Instinktiv hob Weena ihre Hände und verschränkte sie demonstrativ vor ihrem Brustkorb, der sich in gleichmäßigen Takten auf und ab hob, um jedes Mal aufs neue, frische, kalte und beißende Luft in die Lungen des Schlangenkindes zu pressen. Wieder lag Neugierde in ihrem Blick und das Schieflegen des Kopfes betonte alles noch einmal. Die Lippen formten sich ein weiteres Mal zu einer stummen Frage. Der Frage nah dem Grund seines Daseins. Seiner Blicke. Seiner Geduld zu ihr. Die Frage nach seinem Verlangen. Doch Hoffnungen machte sich die junge Frau aus dem wunderschönen Frankreich nicht. Eine Antwort auf die stumm gestellte, aber deutlich erkennbare Frage erwartete sie nicht, jedenfalls nicht in diesem Moment. Alles hat seine Zeit. Zerreisen hat seine Zeit. Zunähen hat seine Zeit

Nun war es an der einzigartigen Mademoiselle, die im Herzen der schönen Stadt Paris aufgewachsen war, zu gehen. Sie reckte ihr schmales Kinn, richtete ihre Schultern, denn sie legte stets Wert auf ihren Gang und auf ihre Ausstrahlung, dabei war es ihr allerdings nicht wichtig, ob sie einen positiven oder negativen Eindruck bei ihren Mitmenschen hinterließ. Es gab viel mehr andere wichtige Dinge im Leben, über die man sich Gedanken machen sollte, als den perfekten Eindruck, den man hinterließ oder ob man Beliebt war oder nicht. Später würde dem schönsten Mädchen der Schule ihre Schönheit nichts nützen. Memento Mori - Gedenke, dass Du sterblich bist. Alles war Vergänglich. Leben. Schönheit. Freundschaft. Alles und Jeder. Pläne Ziele. Gerade noch wollte die Blonde, dass sich die Wege der beiden wieder trennen und sich vielleicht nie wieder kreuzen, jedenfalls nicht bewusst. Die Hand wollte gehoben werden, damit die vorhin begonnene Begrüßung beendet und zu einem formvollendeten Abschied übergeleitet werden konnte. Doch wie gesagt, auch Pläne sind vergänglich und können durchkreuzt werden. Unberechenbar. Demian, das stille Wasser, packte die Slytherin am Arm, genauer gesagt unterhalb ihres Ellenbogens. Zischend - wie bei einer Schlange - drang Luft in die Kehle der Französin in deren Gesicht die pure Überraschung geschrieben stand. Der Ravenclaw drängt sie um die Ecke des Ladens - dessen Schaufenster sie gerade eben noch begutachtet hatten - in eine Gasse, aber nicht tief hinein, denn kurz darauf blieb er wieder stehen. Hielt inne.

In der besagten Gasse war das Licht trüb, es schien wie durch ein schmutzverschmiertes Glas. Sie erschien Grau in Grau, als würde das Zwielicht alle Farben fressen. Nur noch das kräftige Violet der Vergissmeinnicht war zu erkennen. Der Ravenclaw lockerte seinen Griff nicht, er dachte wahrscheinlich nicht einmal daran den Griff um ihren Unterarm und später auch um ihr zartes Handgelenk zu lockern. Etwa aus Angst sie könne ihm einen Fluch an den Hals jagen? Ihn angreifen? Der Blick seiner klaren Augen war geradewegs auf die Augen der jungen Frau gerichtet. Fest entschlossen, dass zu erreichen was er sich in diesem Moment als Ziel gesetzt hatte. Fest entschlossen, seinen Willen durchzusetzen. Koste es was es wolle? Nein. So übermütig war Monsieur Dragmire wahrscheinlich nun auch wieder nicht. Seinen Worten schenkte sie Gehör. Wie hätte sie sich nach dieser Aktion auch für ihn verschließen sollen, es war gar nicht in ihrem Interesse ihn jetzt zu ignorieren oder ihm nicht ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Doch ihr Gegenüber richtete seinen Blick auf ihren Arm, so durchdringlich, als könne er durch den Stoff ihrer Jacke blicken. Zuvor hatte Weena kaum merklich gezuckt, als er mit starken Griff ihren Arm umfasste. Der Arm, der auch schon vor wenigen Stunden von den Krallen ihres Falken zerschnitten wurde. Würde er weiterhin diesen - nicht intensiven, aber ausreichend festen - Druck auf diese Stelle ausüben, dann wäre das einzige was Demian zu sehen bzw. zu spüren bekommen würde, das reine und heiße Blut der Delacrox, wie es durch den dünnen Stoff der Jacke sickern und seine Finger rot färben würde.

Welcher Arm es sei. Weena? Er sprach sie direkt an. Wispernd, als hätte er Angst hier mit ihr entdeckt zu werden, wenn er seine klare Stimme nur etwas zu laut heben würde. Die Angesprochene musste sich ein Lachen wahrlich verkneifen, doch konnte sie ein ungläubiges und vielleicht sogar ein etwas abwertendes und sicherlich enttäuschtes schütteln ihres Hauptes einfach nicht verhindern. Was erwartete Demian, dass sie das schwarze Mal an ihrem Unterarm trug? Das Zeichen des Dunklen Lords. Meinte er, er, dessen Name nicht genannt werden darf, habe nichtsbesseres zu tun, als eine nutzlose Schülerin aufzunehmen? “Ich muss sagen, Demian. Ich habe Dich anders in Erinnerung. Aber nur zu. Zeige mir Deine dunkle Seite. Sie wird es vielleicht sein, was ich an Dir mag”. Auch Weena sprach den reizenden Jungen nun direkt an, in dem sie ohne umschweif seinen Namen nannte und dazu noch preisgab, dass seine Person doch einen Platz in ihrer Erinnerung gefunden hatte. Nicht, wie sie zuvor behauptet hatte; und natürlich konnte sie es nicht lasse, ihn trotz ihrer prekären Lage weiter hin zu provozieren, um ihre Grenzen auszutesten. Weena machte keine Anstalten sich zu wehren, jedenfalls nicht in diesem Moment, denn von Demian ging keine allzu große Gefahr aus und sollte sich diese Tatsache ändern, so wüsste sie, wie sie sich zur Wehr setzen müsste. Im Moment fühlte sie sich lediglich etwas bedrängt und in die Enge getrieben, was ihr Unbehagen verursachte, aber dennoch lies sie ihn gewähren und hetze ihm keinen Fluch auf den Hals.

Ihr Körper war bereits seit jenen Augenblick angespannt, als sie seine Hand an ihren Arm gespürt hatte, doch mit jeden einzelnen seine Worten schaffte es der Ravenclaw zum wiederholten Male sie aus der Fassung zu bringen. Jeder einzelne Muskel in diesem schmalen und hochgewachsenen Körper spannte sich nun noch mehr an. Wie konnte er es wagen, so zu sprechen. Über sie und ihre Würde und den Wert ihrer Person. Es in Frage zu Stellen? Welches Recht nahm er sich heraus, auf so eine unverschämte Art und Weise zu agieren? Wut entbrannt loderten ihre Augen in den kühlsten blautönen auf und sie musste ihren Gefühlen keine Worte verleihen, um ihm zu zeigen was sie dachte, denn sie verbarg es nicht vor ihm. Intuitiv winkelte die Slytherin Schülerin ihren Arm an, den Demian weiterhin festhielt, wodurch sie ihn - mehr oder weniger gewollt - näher zu ihrer eigenen schlanken Gestalt zog, als sich von ihm und seinen Griff zu befreien. Ihre Augen, die grundlosen Seen glichen, hefteten sich in des Jungen Gesicht und dessen gläsernen, Verstand raubenden Blick. Weena selbst konnte ihren Puls deutlich spüren, und Damien wahrscheinlich auch, weswegen sie ihr Mienenspiel aufgab, denn ihren Gemütszustand konnte er nun leicht erspüren.

Seine Finger auf ihrer Haut, unter ihrem Mantel, bereiteten ihr Schauder und trotz der Gasse, in der sie nun vom Wind geschützt waren, fröstelte sie. “Tue es Demian. Sieh nach und überzeuge Dich selber von meiner scheinbaren Bösartigkeit und Grausamkeit, da ich, wie Du denkst, dieses Mal in meine Haut habe einbrennen lassen. Zeige wieder den Mut und die Entschlossenheit, die dir gerade ins Gesicht geschrieben standen, als Du mich hierher drängtest, oder hast Du Angst vor dem was kommen könnte?” Sie legte beinahe Wert darauf eindringlich und hypnotisierend zu sprechen. Sollte er doch tun, was er nicht lassen konnte. Die Mademoiselle, würde ihn davon nicht abhalten. Den zu verbergen, hatte sie nichts. “Du sagtest selber, ich könne dir nichts vormachen. Und nun stehst du hier gemeinsam mit mir und allen Anschein nach bist du ebenso naiv wie es Dumbledore ist. Aber glaube mir, verübeln, kann ich es dir nicht”
Mit keinem einzigen Wort bestätigte sie seine Vermutung, gleichzeitig leugnete Weena diese Tatsache aber auch nicht. Sie trug das dunkle Mal nicht, dafür war sie zu jung. Außerdem, was sollte Lord Voldemort mit ihr anfangen. Er erwartete vielleicht lediglich von ihr, dass sie sich einmal ihm anschließen würde, schließlich gehörten ihre Eltern ebenfalls zu seinen Anhängern. Das einzige was er an ihrem Arm entdecken würde, waren die Schnitte in das weiße Fleisch, hervorgerufen durch die scharfen Krallen eines Greifvogels, aus denen durch den Druck vielleicht etwas Blut sickern würde. Ob diese Tatsache den jungen Ravenclaw beruhigen würde, oder würde es ihn enttäuschen? Sie würde ihn beobachten müssen, wieder, um eine Antwort auf ihre Fragen zu bekommen, denn er selber würde ihr wahrscheinlich keine verbale Antwort geben. Sie beugte sich ein kleines Stückchen zu dem Jungen vor, um ihn dann letztendlich beschwörend und gleichzeitig zischend wie die Schlange aus dem Garten Eden ins Ohr zu flüstern:”Lasse Deinen Worten Taten folgen, Demian”
Weena am 19.1.10 22:59


miss delacrox & mister dragmire

MY BLOOD, YOUR LINE - IS THIS YOU INSIDE?

she knows how to hurt, she knows how to heal
she knows what to show and what to conceal
i know when to talk and i know when to touch
no one ever died from wanting too much


Würde man Demian fragen, in welcher Beziehung er sich ihr gegenüber sah, so würde er müde von der Welt die Augenbrauen heben, sich nachdenklich mit der Hand durch die Haare fahren und den Blick senken, nichtssagend, stillschweigend und ohne Worte. Er kannte Weena Delacrox nicht. Er kannte nicht ihre Geheimnisse, ihre Wünsche, ihre Ängste. Und obwohl Letzteres zu wissen durchaus hätte dienlich sein können, musste Demian gar nicht lange überlegen, um mental mit Überzeugung sagen zu können: Interessiert mich nicht. Natürlich ist es immer von Vorteil, über die Schwächen seines Feindes informiert zu sein, doch letzten Endes – wer belegte dem Heranwachsenden, dass Weena tatsächlich zu seinen Feinden zählte? Demian war nicht auf den Kopf gefallen. Lag Gefahr in der Luft, witterte er sie als einer der Ersten und wurde tharn, reglos, wie es die Kreaturen in einem seiner damaligen Lieblingsbücher wurden, sobald sie sich mit ihrer Furcht konfrontiert sahen. Mit den Jahren hatte er gelernt, in brenzligen Situationen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen – und das Flüchten gehörte zu seinen großen Stärken, wenn es darum ging, sinnlosen Attentaten auf seine Person aus dem Weg zu gehen. Auch jetzt nahm Demian den bitteren, beißenden Gestank der Gefährlichkeit wahr, doch er legte sich keinen Fluchtplan zurecht. Für wen bloß wahrheitsgetreue Fakten und bewiesene Tatsachen zählen, der wird Gerüchten mit Skepsis sowie dem Drang der Nachforschung begegnen, nicht aber mit Panik. Nein. Er fürchtete sich nicht vor ihr. Er fürchtete sich vor den Personen, die ihr endgültige Befehle ins Ohr wisperten. Die Personen, die Schuld trugen an dem zarten Hauch von Tödlichkeit, der das Mädchen mit den schmalen Schultern umgab. Sie war nicht seine Feindin und solange sie ihm nichts tat, war sie ihm gleichgültig. Allerdings war es erst einmal nötig, zu wissen, wie sie zu ihm, wie sie zu der Sache mit dem Blut stand. Und zu welchen Grausamkeiten sie eventuell fähig sein konnte, wenn sie es denn nur wollte.

Doch sie erinnerte sich nicht an ihn. Ihre Aussage von vorhin hatte ihn nicht überrascht – nur ein wenig verärgert, enttäuscht. Und bemüht darum, sich das nicht anmerken zu lassen. Es war nicht seine Art, eine Fremde, die sich nicht an ihn erinnerte, mit gefährlichen Themen zu überraschen. Tatsächlich befand sich Demian gerade vor der Entscheidung, ihr ein höfliches Neigen des Kopfes zu schenken, um ihr anschließend den Rücken zu zukehren, auf dass er ihr hoffentlich nicht ein zweites Mal über den Weg lief. Ihm missfiel ihr rätselhafter Tanz. Keine befriedigende Begrüßung, keine klaren Worte. „Es war nicht geplant, dass du dich jetzt fühlst wie einer von Vielen …“ - nur dieser eine einzige Satz untergrub seine Gedanken an den Abschied. Dem Sarkasmus wurde er selbstverständlich gewahr, aber vielmehr war es die Ruhe in ihrer Stimme, die ihn zum Bleiben zwang. Eine Antwort blieb gänzlich aus. Was hätte er auch sagen können? Die Impertinenz umgab sie beständig und das war vollkommen in Ordnung. Demian würde nicht wissen, welche Ansichten er über Weena zu diesem Zeitpunkt entwickelte, wenn sie sich selbst auf eine entzückende, freundliche Art darstellte. Ihm war klar, dass sie letzten Endes mental und hinter seinem Rücken fähig war, durchaus feindliche Gedanken zu hegen, aber eben weil er es wusste, konnte er halbwegs damit umgehen. Es wäre anders, wenn sie sich vorgetäuscht wie ein naives Blondchen verhielt, bevor sie in seiner Abwesenheit hässliche Einfälle hatte. Er mochte es nicht, hasste es, in die Irre geführt zu werden. Ihr gegenwärtiges Wesen war alles andere als begreiflich, ließ ihn sich allerdings darauf einstellen, kein falsches Theater vorgeführt zu bekommen.

Es war nicht nur dieser Seitenwechsel, dieser für ihn bedeutungsschwere Tanz, der ihn störte, es war auch dieser flammende Blick, den sie streng in sein Gesicht gerichtet hielt. Vor einiger Zeit hatte Demian sich selbst die Rolle des Zuschauers zugewiesen, umso abgeneigter war er nun doch der Tatsache, dass er bei der kleinsten Bewegung das Interesse in den auffällig hellen Augen keimen sah. War er nicht derjenige, der die anderen wissbegierig betrachtete, sie im Unwissen über seine Gedanken ließ? War er. Und deswegen spürte er einen Funken Beklemmung in der kalten Glut erwachen. Einmal mehr zwang er sich, ihr durchsichtiges Wesen nicht an sich heran zu lassen und der Triumph wurde ihm mit ihrem geheimnisvollen Lächeln zugetragen, das mit seinen nächsten Worten verblasste. Was war das? Fiel ihre Maske? Gewiss nicht, doch dieser … dieser flüchtige, ungewollte Riss der fehlerfreien Fassade sagte genug. Seine Seele lächelte über ihre Missgunst, nach außen hin blieb allerdings die berechnende, wachsame Miene. Wenn er sie schon irgendwie in die Enge treiben konnte, würde er dafür sogen, keinerlei Emotionen an den Tag zu legen, die ihr sein Interesse bekundeten. Ihm war wichtig, dass er für sie nur einer von vielen blieb. Und vielleicht war es deswegen auch perfekt, dass sie sich vermeintlich nicht an ihre gemeinsamen Gespräche erinnerte, die nie lange weilten. Aber wenn er es denn tatsächlich als so perfekt empfand, unerkannt zu bleiben – aus welchem Grund kränkte ihn ihr Vergessen dann?

Offenkundig ließ das Schlangenkind sich nicht allzu leicht beirren. Ehe er sich umsah, hatte sich die Selbstsicherheit zurück in ihr Gesicht geschlichen, ebenso, wie er nun unterschwelliges Vergnügen in ihrer zarten Stimme vernehmen konnte. Wieso, konnte er sich nicht erklären, dennoch hatte die Art und Weise, wie sie das Kinn reckte und sich der Konfrontation stellte, etwas Amüsantes, Fesselndes an sich. Er lächelte nicht. Seine Gedanken drifteten ein wenig ab, sodass er sich physisch nicht auffällig verhielt. Ihre Worte sorgten dafür, dass er vorsichtig blieb. Hielt sie ihn wirklich für Jemanden, der sich vorschicken ließ? Oder wollte sie ihn nur provozieren? Vorher war es ihm schwergefallen, aus ihr zu lesen – jetzt ging es keinesfalls einfacher. Sollte sie wahrhaftig von ihm denken, dass er hier gerade nur wie ein Bote handelte, verlief das Gespräch in seinen Augen in völlig anderen Bahnen als geplant. Es war nicht sein Wunsch, als einfache, geistlose Silhouette unter vielen angesehen zu werden – zumindest nicht von einer Hexe, die er als Antagonistin bezeichnen konnte, wenn sich die Grausamkeiten über sie als Fakten herausstellten. So verengte er abermals etwas die Augen, nahm einen tiefen Atemzug der kühlen Luft und senkte nun den Blick, als er nach etwas Bestimmtes suchte. Seine Aufmerksamkeit wanderte von rechts nach links und wieder zurück; von ihrem rechten Unterarm zu ihrem linken Unterarm. Man hatte ihm Dinge über eine gewisse Sache erzählt, die die Anhänger des dunklen Lords nur zu genau auszeichneten. Ihm war nicht bewusst, dass ebendieser Mann schon aus Skrupellosigkeit wegen nicht auf das Alter seiner Gefährten achtete, deswegen zweifelte Demian irgendwo an dem Wahrheitsgehalt der Gerüchte, die man sich über Weena erzählte. Aber wenn sie nur … wenn sie ihn nur einen Blick auf ihre Unterarme werfen und sich vergewissern lassen würde, dass dort keine schwarze Tinte auf der makelloser Haut zu sehen war. Er wäre leichtgläubig, anzunehmen, dass sie ihre kleinen Geheimnisse ohne Widerstand präsentieren würde. Der junge Zauberer hob den Kopf und musterte seine Umgebung prüfend. Soweit er feststellte, hatten sich die weniger wetterfesten Schüler in die warmen Gebäude verzogen. Vorhin hatte er die einzige Weasley-Tochter sowie einen Ravenclaw, der in seinem Jahrgang war, durch die Tür zu Derwisch und Banges spazieren sehen. Das Risiko von beiden ausgerechnet durch das Schaufenster bemerkt zu werden, war durchaus gering, aber es blieb schlussendlich ein Risiko.

Sie erhielt keine verbale Antwort auf ihre Frage. Noch nicht.

Für einen Moment blendete Demian ihre eventuelle Gefährlichkeit aus. Seine Hand ergriff ihren Arm kurz unterhalb des Ellenbogens und er ließ nicht zu, dass sie sich ihm entziehen konnte, indem er ihr die Fingerspitzen in den Stoff ihrer Jacke presste. Die herbstliche Kälte, die ihm nun auf der Haut lag, schmerzte ihn, aber auch diesen Umstand ignorierte er. Was derzeitig zählte, das war, sie um die Ecke des krummen Häuschens zu manövrieren. Und doch war er nicht vermessen genug, sich mit ihr zum Ende der Gasse zu stehlen, sondern blieb nur wenige Meter nach der Kante stehen – zum Einen besaßen sie nun genügend Windschutz und zum Anderen war der Fluchtweg auf den offenen Dorfplatz kürzer, wenn er denn tatsächlich das Weite suchen müsste. Zurzeit verschwendete er keinen weiteren Gedanken daran. Entschlossenheit hatte sich wieder in das Gesicht des jungen Mannes gestohlen, die Augen zurück in die feinen Züge vor ihm gerichtet. Und für einen Moment wuchsen die Zweifel. Im Tagespropheten hatte er die verstörenden Bilder Bellatrix Lestranges gesehen. Diese Wahnsinnige war das gänzliche Gegenstück zu der Mademoiselle, die er in die schmale Nebengasse geführt hatte. Wie sollte etwas so Schönes dieselben Torturen vollführen wie eine blinde Anhängerin des Deliriums? Er würde es wissen. Er musste es wissen. Hier. Jetzt. Sofort.

„Ich spreche nicht mit dir, um über Märchen und Hirngespinste unserer Mitschüler zu reden“, fing er schließlich entschlossen und betonte ohne großartigen Grund dieses einfache Wort. Vermutlich fühlte er sich sicherer, wenn er sich an eine Sache klammern konnte, die sie und ihn verband, denn es war mühselig, die endlose Wissbegierde mit Gelassenheit zu kaschieren. Fortwährend hielten seine Finger ihren Unterarm fest umschlossen und er dachte nicht sonderlich viel darüber nach, den Druck auf den Stoff ihres Mantels, auf die zarte Haut darunter, zu lösen. Seine Augenbrauen zogen sich etwas zusammen, als er erneut den Blick auf ihrem Arm heftete; den, den er unnachgiebig im Griff hielt. Er zitterte nicht – wieso auch? Sollte sie sich als Rebellin erweisen, besaß er immer noch seinen Zauberstab. Weinrebe und Drachenherzfasern vermochten sich vermutlich nicht nur im Unterricht als nützlich erweisen. Viel geschert um Duelle hatte Demian sich noch nie, und er bezweifelte, dass es zu einem kommen würde. Dennoch: Sicher war sicher. War das nicht eines dieser berühmten „Muggel-Sprichwörter“? Doch, ja. In dieser Sekunde erinnerte er sich absurderweise an einen Streit mit einem Reinblut, das ihm aus Spott eine ähnliche Redewendung an den Kopf geworfen hatte in Bezug zu seiner, Demians, Abstammung. Noch immer konnte er nicht sagen, wie sein hübsches Gegenüber zu der Ideologie stand, die ihm selbst das Leben so schwer machte.

„Welcher Arm ist es, Weena?“ Vielmehr war es die Nennung ihres Namens als sein wispernder Tonfall, der ihn realisieren ließ, das Ganze irrtümlicherweise etwas zu persönlich zu gestalten. Als er sich dieser Tatsache bewusst wurde, stockte er kurz. Sie bestand darauf, sich nicht an ihn erinnern zu können – umso unangenehmer fühlte er sich dabei, sie so direkt angesprochen zu haben. Zwar hielt er seinen Kopf noch von dem Zeitpunkt an gesenkt, an dem er zwischen ihren Unterarm hin- und hergeschaut hatte, doch nun blickte er aus dem Augenwinkel wieder in ihr Gesicht. Er war zu gefangen in seinem Interesse auf eine klare Antwort, um schlagfertige Sprüche und lichte Gedanken darzubieten. Abermals legte sich seine Stirn in schmale Falten, während er fortlaufend in ihren Augen nach einer aussagekräftigen Erklärung suchte. „Man kann dem elegantesten Falter die Flügel rausreißen und ich frage mich nur … versteckst du da dieses hässliche Mal? Oder bist du dem Zeichen noch nicht würdig genug, um es zu tragen und mit Stolz zeigen zu können?“ Er neigte den Kopf ganz leicht zur Seite, wieder senkte er den Blick. Seine Stimme klang nachdenklich, nicht provokativ und auch nicht gewohnt sachlich. Gleichzeitig mit jenen Worten hatte sich der Griff um ihren Arm gelockert. Unterdessen hob er seine freie Hand zu der ihren, zögerte einen Moment und ließ sie zu ihrem Handgelenk wandern.

Was er spürte, als er Zeige- und Mittelfinger sanft unter den Ärmel ihres Mantels schob, war nichts anderes als die Wärme ihrer Haut. Und was ihm fehlte, war der Mut, den Stoff auf harsche Art bis zu ihrem Ellenbogen hochzureißen, um sich zu vergewissern. Das hier war gerade finster genug, da konnte er nicht von sich selbst verlangen, Rücksichtslosigkeit an den Tag zu legen, wenn ihn schon diese kleine Bedrängung störte. Es reichte ihm zunächst, sich nur wenige Zentimeter vorzutasten, denn ihm missfiel der Gedanke, dass das, was man sich über sie erzählte, wahr sein könnte. Weiter würde er nicht gehen, wenn sie ihn nicht selbst abhielt. Nicht aus Respekt – aus Befangenheit. Er musste ihre Reaktion sehen. Ein Schleier von Misstrauen der Ungewissheit lag in seinen Augen, die die ihren fixierten.
Demian am 19.1.10 22:57


BIS AN DAS ENDE DER ZEIT - TEIL II

FAITH & TRUST & ?
I've got a secret can you keep it?
swear this one you will save
better lock it in your pocket
and take this one to the grave
because ....


Stur ist sie. Wie gestern. Wie heute. Wie gerade eben. Und ändern würde sie sich nicht, selbst wenn sie noch nicht zu alt war um sich zu ändern, im Gegenteil. Sie war eine junge, erwachsene, schöne und intelligente Hexe, die auch noch von einer alten und reinen Blutlinie abstammte. Doch war sie schon zu alt, um ihre negativen Charakterzüge in positive umzuwandeln. Zu alt, um die Ecken und Kanten abzuschleifen und um aus sich selber etwas Vollkommenes zu machen. Es war etwas in ihrem Inneren, gegen das sie nicht ankam oder vielleicht auch nicht ankommen wollte. Niemand vermochte das zu wissen, nicht einmal sie selber und im Grunde wusste sie wenig über sich, nur das, was ihr all die Jahre über mechanisch und stumpf eingetrichtert wurde. “Du bist eine ….! Sei stolz! Mache den Dunklen Lord und somit auch uns stolz …“. Nun. Wer oder was war die junge blonde Frau wirklich? Wer würde diese Frage wahrheitsgemäß beantworten, wenn nicht einmal sie selber es konnte. Jeder einzelne Mensch ob Muggel, Halbblut oder Reinblut, war in der Lage sich ein Bild ihres Charakter zu malen. Aber wer würde es zutreffend interpretieren. Sich damit auseinander setzen? Jeder konnte Vermutungen aufstellen und die Tochter der Delacrox auf eine bestimmte Art und Weiße einschätzen. Sie lieben oder hassen. Etwas dazwischen würde es nicht geben.

In ihrer Erinnerung kannte sie den Jungen, natürlich. Ihre Erinnerung an Demian war glasklar, doch das konnte er nicht wissen, denn sie hatte in getäusch. Der Dunkelhaarige war ihr aufgrund seiner Unauffälligkeit und dem geistreichen Scharfsinn, den er hin und wieder - und auch heute wieder - an den Tag legte, aufgefallen und im Gedächtnis der Schönen geblieben. Doch das kleine Spielchen, dass die Mademoiselle Delacrox geschickt spielte schien ihm nicht zu gefallen, im Gegenteil. Seine Augen verengten sich zu bedrohlichen Schlitzen, seine Stirn war in konzentrierte Falten gelegt. Dann fasste er sich wieder. Das Unbehagen war dennoch weiterhin präsent und umgab die zwei Schüler. Aber war es wirklich das einzige was diesem jungen und adretten Zauberer missfiel? Wahrscheinlich nicht. Weena hatte ihm nicht ihre Hand zur Begrüßung gereicht. Er, Demian, legte scheinbar großen Wert auf eine gepflegte und vollkommene Begrüßung. So auch die blonde Französin. Doch wer hatte gesagt, dass dieser Gruß sich bereits dem Ende geneigt hatte? Niemand hatte ihn beendet, er musste lediglich von Weena fortgesetzt werden und da der Zauberer ihr Gegenüber genau wusste wer sie war, musste sie sich nicht einmal mehr vorstellen, sondern die Tatsache nur noch bestätigen und ihm die Hand reichen. Doch bis es dazu kam müsste sich der Junge noch ein bisschen in Geduld üben. Ob er denn ein geduldiger Mensch sein, fragte sich das Mädchen. Sie, die Slytherin, würde die Begrüßung angemessen beenden und zwar dann, wenn sie es als angemessen erachten würde, ferner gab sie nicht einfach jedem x-beliebigen ihre Hand. Warum sollte sie auch? Doch der Ravenclaw zählte nicht mehr zu den x- Beliebigen. Außerdem war es in ihrem Interesse, noch eine Weile weiter so zu tun als ob. Doch die Schlange war sich mehr als sicher: Früher oder später würden beide Hände den Druck der jeweils anderen Hand zu spüren bekommen ungewiss war nur, ob in Frieden oder im Krieg. Wobei sich die Frage stellte, ob Demian ihr Freund oder ihr geliebter Feind sein würde.

Beide schienen nicht voneinander abgeneigt zu sein, so weit man es jedenfalls in diesem Moment beurteilen konnte, denn beide schienen das Interesse des jeweils anderen geweckt zu haben, ansonsten hätten sich die Wege des Raubvogels und die der Schlange schon längst getrennt, sie hätten sich wahrscheinlich nicht einmal gekreuzt. Beide hatten einen starken und selbstbewussten, aber schwer umgänglichen Charakter und wäre die Neugierde nicht, dann wüssten vielleicht beide nicht, dass es den anderen noch gab. Weena überließ Demian seinen Gedanken und der scheinbar aufkeimenden Enttäuschung darüber, dass sie sich nicht mehr an ihn erinnerte, was letztendlich nicht stimmte, aber das

konnte Demian ja - wie gesagt - nicht erahnen, oder vielleicht doch? Sie überließ ihn dieser Enttäuschung, denn was blieb ihr auch anderes übrig? Sollte die Schlange ihm lauthals lachend auf die Schultern klopfen und nach Luft ringend erklären, dass er nur ein kleiner Scherz ihrerseits war? Ein Scherz unter Freunden? Das sie sich natürlich noch an ihn erinnert. Wie sie ihn hätte vergessen können? Nein. Sicher nicht und irgendwas sagte der Mademoiselle auch, dass der Ravenclaw eine Reaktion dieser Art auch nicht von der Slytherin-Schülerin erwarten würde. Es wäre nicht ihre Art gewesen, etwas dieser Art zu tun. “Es war nicht geplant, dass Du Dich jetzt fühlst wie einer von vielen …” sprach sie in einem ruhigen, beinahe wispernden Ton und es klang wie das Flüstern des Windes. Vielleicht war es eine Art Entschuldigung, allerdings enthielt ihr Tonfall ebenso einen neckischen und sarkastischen Unterton; doch gehörten Sarkasmus und Ironie nicht zum gepflegten Humor der Intelligenten? Weena hoffte, Demian würde verstehen.

Weena beobachtete seine Bewegungen. Beobachtete seine Reaktionen, seinen Gesichtsausdruck, wie er seine schönen Hände wieder zurück in die Manteltaschen schob. Seine markanten Gesichtszüge. Weena studierte nur zu gerne jede einzelne Regung seiner Gesichtszüge und das blitzen seiner blauen Augen, die so viel mehr Wärme ausstrahlten, als die der Slytherin, die niemals auch nur halb soviel Wärme enthielten. Auf der einen Seite amüsierte es sie ihn zu beobachten, aber zugleich verwirrte er sie auch ein bisschen und wurde dadurch noch viel interessanter. Doch wie sie bereits einmal festgestellt hatte, hatte er sich gut unter Kontrolle und somit stellte er gleichzeitig eine gewisse Herausforderung für die Delacrox dar, der sie sich stellen würde.

Sowie Weena einige gemächliche Schritte zur Seite gemacht hatte, wandte auch Demian sich ab. Scheinbar hatte er erwartet, dass sie nun gehen würde. Doch diesen Gefallen würde sie ihm nicht zun. Es war ein Seitenwechsel, der in allerlei Hinsicht interpretiert werden konnte. Die Hexe legte den Kopf leicht schief und ihr flammender Blick musterte den Jungen ihr gegenüber fühlbar, nicht mehr über das leicht verstaubte Schaufenster sondern unmittelbar. Er sah sie nicht an, doch würde er - und dessen war sich Weena sicher - ihre Aufmerksamkeit bemerken. Er würde ihre Blicke spüren, nicht widerstehen und sich ihr wieder zuwenden. Ja, auf eine gewisse Art und Weiße fühlte sie sich mit dem Ravenclawjungen verbunden, vielleicht auch hingezogen. Aber vielleicht kam ihr das auch nur so vor. Er hatte schlicht und einfach ihr Interesse geweckt und ihre Beachtung für sich gewonnen; und wenn das ein Mensch schaffte, dann war er die Aufmerksamkeit der Delacrox wohl wirklich wert. Die Französin behielt Recht, denn bereits wenige Augenblicke später trafen sich die zwei Augenpaare der Hexe und des Zauberers und zwar nicht mehr über ein dreckiges Schaufenster, sondern real und direkt. Auge um Auge. Von seinem Abbild blickte sie nun in sein Gesicht, ebenso umgekehrt. Doch würde die Hexe des Hauses Slytherin das feine und wahre Gesicht offenbaren oder trug sie weiterhin ihre Maske? Zeigte sie weiterhin ein aufgesetztes Trugbild, dass vielleicht sogar für die Ewigkeit bestimmt war? Ein glänzendes Funkeln erschien in den klaren und bemerkenswerten blauen Augen der Slytherin und gleichzeitig schien es auch, als würde ein düsterer Schatten sich von ihrem Gesicht mit den ausgeprägten und ausdrucksstarken Zügen abheben und etwas anderes es erhellen. Demian selber musste, wenn er es denn auch wollte, raus finden, wer oder was sich hinter den heiß lodernden Augen der Hexe verbarg.

”Ist das so?”. Wieder das eigenartige, absondere Lächeln, welches die Lippen umspielte. Manch einen konnte das wissende und zugleich geheimnisvolle Spiel ihrer Lippen in den Wahnsinn treiben. Manch einen. Weena Delacrox fragte sich nun, was für ein Mensch der Zauberer ihr Gegenüber war. Sie kannte ihn, allerdings nur flüchtig. Unterhalten hatten sie sich hin und wieder einmal und Weena war von dem Gedankenaustausch bestimmt nicht abgeneigt gewesen, im Gegenteil. Sie empfand es immer als sehr anregend und einfach auch interessant sich mit dem Jungen aus dem Hause Ravenclaw zu unterhalten. Denn eine Unterhaltung machte er grundsätzlich immer möglich, was man von Weena nicht sagen konnte, die zu Beginn immer sehr sparsam mit ihren Worten umging. Sie hinterließ mit ihren Verhalten wahrscheinlich keinen guten ersten Eindruck bei Demian. Aber scherte sie sich wirklich darum? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Er verlangte keine Antwort, dass erkannte Weena deutlich an seiner Stimme in der ein fester Tonfall mitschwang und selbst wenn, dann dürfte er von Weena nicht erwarten, dass sie ihm mit einer Antwort entgegenkommen würde und warum sollte sie sich rechtfertigen? Sie würde sicher nicht mit der Neuigkeit rausplatzen ”Ich erinnere mich an dich. Natürlich tue ich das!” und ihm lachend und freundschaftlich umarmen. Wie gesagt, es war nicht der Stil und die Art der Delacrox. Sie hüllte sich weiterhin in ein dezentes und für manch einen vielleicht sogar nervtötendes Schweigen, doch diesmal nicht mit der Absicht Demian Dragmire weiter zu verstimmen, sondern weil sie wusste, dass er noch etwas sagen würde. Aufmerksam lauschte sie seinen nächsten Worten, den Blick weiterhin fest auf ihn gerichtet. Doch mit jedem Wort schien ihre Mimik sich weiter zu erkalten und sich wieder zu verdunkeln. Sie reckte unweigerlich ihr Kinn in die Höhe, ebenso wie eine ihrer geschwungenen Augenbrauen, um ihre Verwunderung deutlich kundzutun. Ihre Miene verhärtete sich. Verspürte sie etwa durch diese Worte einen Stich im eiskalten Herzen? Ein Gefühl? Weena wusste, dass ihr Ruf ihr weit vorauseilte, natürlich, doch auch das kam ihr hin und wieder auch, aber wie gesagt nur hin und wieder. Denn es gab Situationen - und das war so eine - in der sie diese Tatsache mehr als störte. Mit dem Charakter der Delacrox musste man einfach umgehen können. Den Umgang zu erlernen war schwer, aber möglich. Man musste es können. Genauso wie ein auberer mit seinem Zauberstab umgehen können muss, um erfolgreich Magie ausüben zu können. Jedoch hatten die meisten Schüler entschieden, die Unberechenbare zu meiden, um sie “ihr Ding machen zu lassen”.
Aber was wollte Dragmire damit nun erreichen? Was hat er sich zum Ziel gesetzt? Das Erstaunen wich und eine herrischen sowie unverschämten Arroganz machte sich wieder auf ihren Gesichtszügen breit, gepaart mit einer gehörigen Portion von Misstrauen. Ihre Züge nahmen einen noch hochmütigeren Ausdruck an, wie immer, wenn jemand glaubte zu wissen, wie sie wirklich war. Ohne ein Wort zu sagen - was für eine Überraschung - hörte sie sich an, was Demian zu sagen und wandte unweigerlich plötzlich ihren Kopf zur offenen Seite des Dorpflatzes, ehe sie sich nach wenigen Momenten wieder dem Jungen zuwandte, um ihn anzusehen. Sie standen sich eine Zeit lang gegenüber, ohne ein Wort zu sprechen.
“Dann beobachtest Du mich also seit meiner Ankunft in Hogwarts?” Weena sprach langsam. Ruhig und gelassen. Sie selber war erstaunt über ihre Stimmlage, die weitaus weniger feindselig klang, als sie es befürchtet hatte, oder besser gesagt: Von sich erwartet hatte. Sie klang eher belustigt und vergnügt. Wahrscheinlich galt ihr Interesse mehr den so genannten verwegenen Dingen, die er über sie gehört hatte. “Verwegene Geschichten. Tatsächlich? Erzähle mir doch eine. Vielleicht werde ich dir dann ein Geheimnis verraten und dir sagen ob sie auf Tatsachen beruht, denn das ist es doch was Du willst, nicht wahr? Du und Deine Freunde?” Sie glaube sogar ein wenig enttäuscht von Demian zu sein, der sie scheinbar nur angesprochen hatte, um in Erfahrung zu bringen, was sie vielleicht getan hatte oder nicht. Vielleicht ging sie mit ihrer letzen Bemerkung ein kleines bisschen zu weit, da sie doch eigentlich wusste, dass Demian niemand war, der sich vorschicken lässt um etwas in Erfahrung zu bringen. Sie hatte ihn jedenfalls anders eingeschätzt. Gleich würde sie sicherlich eine Antwort erhalten, dann würde sie mehr wissen doch …

… geändert, hatte sich nichts.

... two can keep a secret if one of them is dead
Weena am 19.1.10 22:55


miss delacrox & mister dragmire

AND CAN I TRUST WHO YOU SAY THAT YOU ARE?
w i t c h c r a f t

Durch diesen einen, harschen Atemzug durch ihre Nase beantwortete sie seine Frage und zwar auf eine solch durchschaubare Art und Weise, dass Demian unweigerlich den Drang verspürte, wissend den Kopf zu heben und ihr all die Hässlichkeiten ins Gesicht zu sagen, die man über Mademoiselle Weena Delacrox austauschte. Dessen ungeachtet blieb er ruhig. Er regte sich nicht viel, seine Hände blieben still. Im Gespräch gestikulierte Demian selten, aber jetzt versuchte er, sich auf noch mehr auf seine Gelassenheit zu konzentrieren. Glücklicherweise beherrschte er sich gut genug, um nicht allzu gezwungen zu wirken. Selbstverständlich fürchtete er sich nicht vor Weena – er unterschätzte sie nicht, allerdings war Demian sich sicher, das magische Handwerk besser zu beherrschen als die blonde Marionette neben ihm. Soweit er dem Unterricht des falschen Mad Eye Moodys letztes Jahr hatte folgen können, waren die drei Unverzeihlichen keine große Sache. Man musste es wollen, das stand außer Frage, aber Demian sah keine Kunst oder erforderliches Geschick in Mord und Totschlag. Was trotzdem letzten Endes nicht hieß, dass der Heranwachsende sich sehr wohl in seiner Haut fühlte. Vermutlich wäre es ihm besser ergangen, wenn er eine vollkommen normale Slytherin neben sich stehen hätte. Keine Neue. Keine Fremde. Eine Eingeweihte, die wusste, wie das Spielchen des Blutstatus ablief und sich interessiert daran zeigte, andere Mitschüler von oben herab anzusehen. Sie war eigenartig in ihrem Handeln, was Demian sich nur dadurch erklären konnte, dass es so etwas wie strikte Häusertrennung in Beauxbatons nicht gab. Wenn sie Pech hatte, würde sie sich in ihrer erhabenen Art soweit von den anderen Slytherins absondern, dass sie deren Denkweise gar nicht erlernen konnte; ergo – Hallo wunderschöner Außenseiter.

Sie nahm seine Hand zur Begrüßung nicht an. Entweder war sie so geblendet von sich selbst, dass sie sie nicht einmal wahrnahm, oder aber die Etikette bedeutete ihr so wenig wie der Dreck am Straßenrand. Ihr Lächeln ließ sich nicht recht eindeuten und Demian tat sich recht schwer damit, eine klare Zeile in ihr zu lesen wie in einem verschlüsselten Buch. Er zeigte es nicht. Wenn er eines mit den Jahren gelernt hatte, dann war es, sich Anstrengung nicht anmerken zu lassen. Jammern und sich beschweren tat er selten, so war er auch jetzt, trotz Weenas undurchschaubarem Wesen, der festen Meinung, eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Es wäre nicht seine Art gewesen, schweigend an ihr vorbei in das Geschäft zu gehen. Er hätte sie ignoriert, wenn sie eine ihrer Hausgenossinnen gewesen wären – aber das war nicht der Fall. Also wie könnte Demian bei einem angeblich so gefährlichem Geschöpf seine antrainierte Blindheit an den Tag legen? Nein, dafür empfand er sie als zu interessant. Die Grenzen austesten, das war seine Sache. Würde sie die Zähne zeigen und in finsterer Garderobe von zig anderen Todessern neben ihm stehen, sähe das natürlich wieder anders aus …

Demian ließ beide Hände in die Taschen seines Mantels gleiten und wandte sein Gesicht von ihr ab. Wenn sie tatsächlich keinen Wert auf eine gepflegte Begrüßung legte – bitte, von ihm aus. War aber auf der einen Seite auch ganz angenehm, denn der fiese Wind an der offenen Haut war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Er kümmerte sich nicht weiter großartig um ihre Verschlossenheit. Aber er würde sie sich merken. So, wie er sich all ihre folgenden Gesten und Aussagen merken würde. Letzten Endes konnte er diesen kleinen Plausch für eine nette … Analyse benutzen. Auf diesen Gedanken hin hob der junge Mann den Blick von der goldenen Schatulle hinter dem Schaufenster, um die Miene der Wortkargen zu betrachten. Gerade verschränkte Weena die Arme zum Schutz, und da kam die Antwort, auf die Demian halb ungeduldig gewartet hatte.

Ah, so so, sie erinnerte sich nicht an ihn? Vielleicht sollte er ihr einmal das kaputte Erinnermich seiner Schwester an den offensichtlich starrsinnigen Schädel werfen. Nun gut, Demian gab zu, dass er nicht der auffälligen Sorte Mensch angehörte, alldieweil er das Verbergen perfektioniert hatte, und dennoch – es missfiel ihm, dass sie nicht mal wirkliches Interesse zeigte. Als das Porzellankind Anstalten machte, sich zu bewegen, verengte er vorübergehend die Augen. Nicht, um diese vor dem Wind zu schützen, sondern der Konzentration wegen, die man auch deutlich auf den Falten seiner Stirn erkennen konnte. Dann senkte er den Blick. Betrachtete wieder unbestimmte Kuriositäten hinter dem Schaufenster, während seine Gesprächspartnerin nicht wie erwartet verschwand, sondern einzig und allein die Seite wechselte. Zwar sah Demian nicht mehr auf, doch er spürte nur allzu deutlich, dass da ein gewisses Stück ihrer Aufmerksamkeit auf seinem Gesicht lag. Wenn auch nur per Reflektion der enormen Fensterscheibe. Versuchte sie, sich zu erinnern? Ihre Stimme vorhin hatte sich seiner Meinung nach eher gleichgültig als wissbegierig angehört. Und dennoch. Lange vermochte er nicht zu widerstehen, da wandte sich sein Augenmerk auch schon nach einigen Sekunden wieder Weena zu. Dieses Mal nicht ihrem fehlerfreien Ebenbild, sondern der realen Gestalt neben sich.

„Ist das so?“, erkundigte er sich, machte aber durch einen festen Tonfall klar, dass er auf diese Frage keine Antwort verlangte. Demian neigte ein wenig den Kopf, als er sich etwas zu ihr umdrehte, und zog die Schultern hoch, da diese Position ihn intensiver an den kühlen Wind auslieferte. Würde er extrovertierter sein, würde er vermutlich nun einen Witz daraus machen, weil sie sich nicht an ihn erinnern konnte. So etwas wie ’War ja auch eine ziemlich wilde Nacht und du dabei sahst du gar nicht so aus, als könntest du so viel vertragen’ käme dann wahrscheinlich von seiner Seite aus – aber derlei Geschwätz erschien ihm zu vulgär. Er hatte nicht vor, sich auf ein niederes Niveau zu begeben. „Ich erinnere mich allerdings an dich. Und ich hab so einige verwegene Geschichten über dich gehört, Weena Delacrox.“ Das wissende Lächeln, das flüchtig seine ernsten Gesichtszüge erhellt hatte, verblasste von einer Sekunde auf die nächste. Nun hob er das Haupt an und bedachte sie mit einem abschätzenden Blick. „Du magst vielleicht einem naiven Dumbledore was vormachen, aber glaub ja nicht, dass du dich frei und unbeobachtet bewegen kannst.“ Ah, war das jetzt eine indirekte Nebenjob-Erklärung als Stalker? Demian schob diesen spöttischen Gedankengang rasch beiseite. Einige Momente lang überlegte er, ob er sie fragen sollte, mit ihm die Schwelle zu Derwisch & Banges zu überqueren, doch er unterließ es. Ihm missfiel die Vorstellung, dass er so schnell keine günstige Gelegenheit mehr erwischen würde, sie unter vier Augen zu sprechen, also hielt er den Mund. Auch wenn die Wetterbedingung nicht gerade die Schönsten waren …
Demian am 19.1.10 22:53


BIS AN DAS ENDE DER ZEIT - TEIL I


ihre eiskalte hand
und ihr gläserner blick
rauben dir den verstand
sind ein schlag ins genick


Die Luft roch nach altem Holz. Nach altem und nassen, modernden Holz, welches mit jedem Windstoß scheinbar mehr und mehr nachgab und bedrohlich knirschte. Die blonde Hexe wollte nicht wissen, wie alt einige der hier stehenden Häuser bereits waren. Nicht, dass sie für Geschichte kein Interesse aufbringen konnte, ganz im Gegenteil. Aber diese morschen, von Moos bewachsenen alten Häuser konnten schlicht und einfach nicht das Interesse einer Delacrox wecken, dazu brauchte es wesentlich mehr als ein kleines, altes Zauberdorf irgendwo in England. Nicht einmal die sagenumwobene ‘Heulende Hütte’, die als das am meisten heimgesuchte Haus ganz Englands galt, konnte die blonde Schlange nicht im geringsten reizen. Vielleicht ein bisschen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wer wusste das schon? Das einzige, was Weena vielleicht interessierte war der Grund, warum selbst die Schlossgeister von Hogwarts einen Bogen um diese Hütte machten. War an den Spukgeschichten doch mehr dran als die Französin glauben wollte? Gewiss nicht.

Dadurch, dass es in der letzte Nacht in Strömen geregnet hatte, war der unangenehme Geruch des modernden Holzes noch um einiges intensiver. Dennoch gelang es ihm äußerst geschickt sich mit den anderen - diesmal aber herrlichen Düften der restlichen Natur - zu einem gelungenen und in sich stimmigen Ganzen zu verbinden. Es war ein sehr angenehmer und erfrischender Geruch, der - wenn man es denn zuließ - die Sinne beleben konnte die, vor allem nach einem Regenerguss, da der Düfte der Natur danach immer sehr intensiv und ausgeprägt waren und beinahe sogar eine eindringliche Wirkung auf die Sinne hatten. Weena musste erkennen, dass ihr dieser Geruch vielleicht sogar doch mehr zusagte als sie sich vielleicht je selber eingestehen würde. Doch was um alles in der Welt hatte Weena Delacrox wieder hier her an diesen Ort geführt? Nicht nur die junge Hexe fragte sich das, sondern auch ein junger Zauberer, der wie aus dem Nichts neben der Mademoiselle aufgetaucht war. “Französisches Blut unter Englands Gesindel - dass Du freiwillig hier bist, muss bedeuten, dass Du Dich auf Deinem Aufenthalt hier letztes Jahr verliebt hast, oder dass Du auf der Flucht vor ein paar Leichen in Deinem Keller bist”.
Das zaghafte dennoch deutlich süffisante Lächeln, dass die schmalen, aber schön geschwungenen und geformten Lippen in diesem Augenblick umspielte, strahlte sonderbar. Vielleicht, weil es nur äußerst selten auf dem Gesicht mit den boshaften Zügen - welche bei jedem Lächeln verschwanden - zu sehen war.

Natürlich machte sich die, mit dem reinen französischen Blut gleich ihre Gedanken zu dem Gesagten. Konnte dieser scheinbar adrette Junge eigentlich eine Vorstellung haben, dass er mit seiner zweiten Aussage weitaus mehr Recht haben könnte als ihm lieb war?. Das Blut ihres eigenen Bruders klebte an den makellosen Händen der Französin, doch von fliehen konnte nicht die Rede sein. Und Liebe? Etwas wie ein abfälliges Schnauben drang durch die Kehle der jungen Frau. Abfällig. Oder war es vielleicht sehnsüchtig? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wahrscheinlich würde das nicht einmal Weena Delacrox je selber erfahren. Das im regelmäßigen Takt schlagende Herz des Mädchens, welches das heiß lodernde Blut durch ihre Adern pumpte, war nicht im Stande zu lieben, oder vielleicht doch. Jedem Zauberer würden in dieser Hinsicht Zweifel aufkommen, wenn es um etwas wie Zuneigung und Weena Delacrox geht. Beides als verbundene Einheit? Unvorstellbar. Nicht einmal für die eigenen Eltern empfand die Erbin der Delacrox einen Funken Zuneigung, geschweige den Liebe. Jetzt sollte sie hier wegen einem Jungen sein? Wie romantisch. Aber romantisch veranlagt war auch die Slytherin definitiv nicht. Sie assoziierte diesen Begriff sofort mit Abhängigkeit, Dienst, Verpflichtungen. Das es wohlmöglich anders sein könnte, war ebenso unvorstellbar.

Weena hielt es keineswegs für angebracht sich der plötzlich aufgetauchten Person neben ihr zuzuwenden, wieso denn auch? Der Blick der klaren blauen Augen, die wie feinster Sternenstaub zu glitzern schienen, waren weiterhin stur auf das Schaufenster gerichtet, das aber lediglich einen kleinen, bescheidenen, und in manchen Augen sogar kümmerlichen Einblick in das ansonsten vielleicht großzügige Sortiment des Ladens gewährte, zu dem es gehörte. In ihrem Spiegelbild wirkte die Haut der Französin unnatürlich hell, wie Keramik das zu bersten drohte. Doch ihre Aufmerksamkeit galt schon lange nicht mehr dem ausgestellten Sortiment der staubigen Vitrine. Mittlerweile richtete die Schlange ihr Augenmerk nun auf das Spiegelbild des jungen Zauberers, der sich zu ihr gesellt hatte und sie einfach keck von der Seite angesprochen hatte. Der Delacrox war die Stimme nicht unbekannt, doch konnte sie dieser noch keinem Gesicht zu ordnen. Erst als sie das Antlitz des Jungen im Spiegelbild sah, erkannte sie dessen ausdrucksvollen Gesichtszüge - die sich im Laufe der Jahre zwar deutlich verändert hatten, aber dennoch weiterhin eine bemerkenswerte und auffallende Ausstrahlung besaßen - auf Anhieb. Vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes bemerkenswert, denn sogar die Delacrox hatte sie nicht vergessen und wieder erkannt.

“Demian Dragmire, du erinnerst dich” Beinahe schien es Weena, als würde in der beherrschten Stimme des Jungens die Frage “Hast du mich schon vergessen?” mitschwingen. Doch sie musste zugeben, er hatte sich unter Kontrolle. Ebenso Weena, die aber keinerlei Grund hatte, die Kontrolle über sich zu verlieren. Sie lernte sich in scheinbarer Geduld zu üben und gute Miene zum bösen Spiel zu zeigen, während es in ihrem Inneren kochte und brodelte, wie in einem aktiven Vulkan. Wie in Stein gemeißelt schienen ihre Gesichtszüge, hinter denen sich eine heimtückische, egoistische und rücksichtslose Hexe versteckte, die wusste, wie man geschickt agiert um das gewünschte Ziel - erfolgreich - zu erreichen. Weena Delacrox stand weiterhin seelenruhig vor der Vitrine, mit stolz erhobenen Kinn und die arme vor der Brust verschränkt. Sie hatte vielleicht keine besonders bedrohliche Ausstrahlung, dafür aber die anmutige und eindrucksvolle Haltung einer Anführerin. Stark und Sicher.
Ihre blonden Haare wallten über ihre schmalen Schultern weiß wie Maden. Ihren Blick formte sie zu einer Frage, die jedoch nie aus ihrer Kehle drang und vom erneut aufkommenden Wind stumm davongetragen wurde. Der Wind heulte auf, als würde plötzlich die Anklage über beiden hereinbrechen. Wieder das sonderbare Lächeln, das das Spiegelbild der Delacrox offenbarte und wie eine Flamme im Wind erlosch.

Mit einem weiteren heftigen Windstoß schlang die junge Slytherin ihre Arme um ihre schmalen Schultern, mehr aus Reflex, um sich scheinbar von den kühlen und beißenden Wind zu schützen, als das sie frierte. Das prickelnde Gefühl auf ihrer Haut war mehr als angenehm, was die Tatsache erklärte, dass der fliederfarbene Pullover aus groben Maschen bestand. Der Wind war beißend kalt, doch erlaubte er die junge Slytherin sich lebendig zu fühlen. “Nein. Ich erinnere mich nicht”. Das war alles was sie zu sagen hatte. Grundsätzlich war Weena nie ein Freund vieler Worte gewesen. Grundsätzlich. Dann setzte sich die Mademoiselle in Bewegung und machte einige gemächliche Schritte zur Seite. Die Stimme mit der sie gesprochen hatte war ebenso klar wie die Farbe ihrer Augen, aber sie klang deutlich weniger feindselig geschweige denn angriffslustig. Der leichte Wind nahm ihren Worten die Schärfe. Langsam schritt sie an den Jungen, der sich ihr als Demian Dragmire vorgestellt hatte, vorbei um auf der andere Seite von ihm wieder zum stillstand zu kommen. Noch immer hatte sie ihren Blick nicht von seinem, aber auch nicht von ihrem Spiegelbild abgewandt. Doch schließlich wandte auch die Französin ihr Gesicht zur Seite, was bedeutete, dass Demian ihrem Gedächtnis ruhig auf die Sprünge helfen durfte, denn wer die blonde Schlange mit so einem Scharfsinn einfach so von der Seite ansprach, war es definitiv wert wieder ins Gedächtnis gerufen zu werden, selbst wenn Weena eine vage, wenn nicht sogar äußerst klare Erinnerung an diesen Jungen hatte.
Weena am 19.1.10 22:50


miss delacrox & mister dragmire - SET YOUR BAIT, SET YOUR TRAP, TAKE A SEAT AND

Herbst – mehr brauchte es nicht zu sein, um jenen jungen Zauberer, der auf den Namen Demian Dragmire hörte, zufrieden zu stimmen. Er fühlte sich wohl, wenn er in warmen Klamotten inklusive Schal in den Farben der Ravenclaws raus an die frische Luft konnte – alldieweil der Sommer überhaupt nicht seine Sache war. Na gut, es war angenehm, bei solcher Hitze kurze Shorts, offene Schuhe und bunte Shirts zu tragen – aber was nicht in Ordnung für Demian wäre, wäre die Tatsache, dass seine Klassenkameraden ihn so herumlaufen sähen. Sich so lässig und normal vor den Anderen zu präsentieren, entsprach überhaupt nicht seinem Interesse. Er war lieber als der stets penibel Gekleidete bekannt, wofür man auf einer gewöhnlichen High School im Jahrbuch so was wie „1. Platz passendste Klamotten“ unter sein Passfoto setzen würde. Aber da der Sommer bereits hinter ihnen lag und das neue Schuljahr seit gut zwei Wochen lief … keine Konsolenspiele, kein Ausschlafen, kein Stephen King, keine Horrorfilme (um Gottes Willen, die fanden ja direkt vor Hogwart’s Toren statt), kein Basketball, kein Faulenzen und vor allem – ganz wichtig – überhaupt keine Normalität. Endlich. Es waren nicht einmal die bekannten Gesichter, die Demian vermisst hatte. Nein, es war die magische Welt an sich gewesen. Denn solange er sich hier befand, ging es ihm gut. Die mütterlich launenhafte Lethargie und das väterlich ewige Todschweigen von Zuhause schienen wie vergessen, sobald er sich wieder in die Arbeit stürzte. Was hier zählte, das waren Leistung und Begabung.

Dieser Gedanke blieb, als Demian sich mit den schlanken Fingern über den Ärmel seiner Jacke strich. Seit sie vor einer halben Stunde in Hogsmeade angekommen waren, hatte er sich nicht großartig umgesehen. Nein – eigentümlich, wie der Heranwachsende war, hatte er sich auf die Überreste eines alten, abgehackten Zaunes am Dorfplatz niedergelassen. Ab und an wurde er von jemand gegrüßt, deren Hallo er höflich erwiderte, während die vollgepackten Taschen skeptisch betrachtet wurden. Na, was soll’s, er war nicht fähig, ewig hier zu sitzen, wenn er nicht von den schneidenden Windzügen umgebracht werden wollte. Außerdem hatte Demian etwas zu erledigen – das Erinnermich seiner Schwester Ivalace hatte unglücklicherweise … eine Dusche in Mom’s Waschmasche genommen und ja, irgendwie war es etwas kaputt gegangen. Wäre das nicht der Fall, würde er im gemütlichen Gemeinschaftsraum sitzen und vermutlich den Tagespropheten nach Neuigkeiten absuchen, sollte er nicht zum dritten Mal seine neuen Schulbücher durchgehen. Demian hob den Kopf, den Blick, und studierte das Ziffernblatt des krummen Uhrturms, der in den wolkenverhangenen Himmel ragte. Ja. Es war Zeit.

Von seinem Platz aus war ihm die blonde Gestalt bei Derwisch & Banges natürlich aufgefallen. Er brauchte gar nicht groß zu sinnieren, sondern hatte alsbald gewusst, welches Mädchen so gleichgültig das staubige Schaufenster nach Kuriositäten absuchte. Weena Delacrox war ihm ein Begriff, und das nicht nur, weil sie letztes Schuljahr flüchtig miteinander gesprochen hatten. Und es dürfte gar nicht mal so falsch sein, zu behaupten, dass Demian mehr Dinge, allen voran Gerüchte, über sie wusste als sie über ihn, wenn sie nicht schon längst vergessen hatte, dass er überhaupt existierte. Aber warum sollte sie sich auch an ihn erinnern? Weder sonderlich hochgewachsen noch mit einem durchaus einprägsamen Gesicht geschlagen, ging der junge Mann leicht in der Masse unter. Und überhaupt – Demian war bewusst, dass Mademoiselle Delacrox und er in vollständig unterschiedlichen Ligen spielten. Was aber nichts an der Tatsache änderte, dass sie genau vor dem Laden stand, in der er jetzt so langsam rein musste.

Ihre Kehrseite mit den schmalen Schultern widmete er einen taxierenden Blick – so, wie ein Wolf wohl einen Eindringling in seinem Revier musterten würde. Letzten Endes gehörte das Mädchen nicht hierher. Das allerdings ist gerade kein Thema, rief er sich ins Gedächtnis zurück, seufzte übertrieben theatralisch und fuhr sich mit der Hand durch die braunen Haare, ehe er neben ihr Halt machte. Sie wirkte gar nicht so gefährlich, wie seine Bekannten sie ihm beschrieben hatten … ah, in der Tat hatte Demian die heiße Diskussion im Turm der Ravenclaws über ihre ach so offensichtlich dubiosen Tätigkeiten mitverfolgt. Weena wirkte in Demians Augen irgendwo überraschend gerissen – aber nach einer erprobten Tötungsmaschine sah ihm das zerbrechliche Porzellangeschöpf nicht aus.

„Französisches Blut unter Englands Gesindel – dass du freiwillig hier bist, muss bedeuten, dass du dich auf deinem Aufenthalt hier letztes Jahr verliebt hast oder dass du auf der Flucht vor den paar Leichen in deinem Keller bist.“ Von sich selbst würde Demian nie meinen, sehr direkt zu sein. Nein, gewiss hatte er sich mit der Zeit ein außergewöhnliches Sensorium für Diskretion angeeignet, aber Zweideutigkeiten und zynische Kommentare waren eben genau sein Fachgebiet. Er hatte ihr nichts ins Gesicht gesehen, als er gesprochen hatte, sondern deutlich desinteressiert die Artikel hinter dem Schaufenster betrachtet. Seine Stimme klang ruhig und beherrscht, und das tat sie auch dann noch, als er sich halb zur wandte, um ihr seine Hand zur Begrüßung entgegen zu halten. Der Blick war abschätzend in das fein geschnitzte Gesicht gehoben. „Demian Dragmire, du erinnerst dich.“ Das war keine Frage. Das war reine Selbstüberzeugung, mit der Demian sonst so sparsam umging. In unmittelbarer Präsenz von Reinblütern, die allen voran dem Hause Slytherin zugeordnet worden waren, hatte er allerdings eines gelernt – beweise niemals Unsicherheit oder gar Schwäche, selbst wenn dein Gegenüber noch so sanft aussieht.
Demian am 19.1.10 22:48


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